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09:00 24.11.2018
Europa such nach mehr Datenschutz – bei Googles Konkurrenz. Quelle: Omar Marques/imago
London

Der Wunsch nach mehr Privatsphäre und Datenschutz im Netz hat dem Internet-Goliath Google in Europa einige Suchmaschinen-Davids als Herausforderer beschert. Suchmaschinen wie Mojeek mit Sitz in Großbritannien, Qwant aus Frankreich, Unbubble aus Deutschland oder Swisscows aus der Schweiz speichern die Daten ihrer User nicht, filtern keine Suchergebnisse und zeigen auch keine auf das Nutzerverhalten zugeschnittene Werbung.

Vor dem Hintergrund der EU-weiten Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und zahlreicher Datenskandale ist das öffentliche Bewusstsein dafür gewachsen, welche Menge persönlicher Informationen Unternehmen verdeckt sammeln und an Werbeunternehmen verkaufen.Hinzu kommt ein verbreitetes Misstrauen gegenüber Google und dem Würgegriff, in dem das US-Unternehmen die Suchergebnisse im Internet hält. Und gerade in Europa ist man deutlich sensibler als in den USA, was den Datenschutz angeht.

Frankreichs Armee und Parlament nutzen Qwant statt Google

All das bereitet den Boden für sichere Internet-Suchmaschinen. „Für uns geht es um die Bürger, und die Bürger haben das Recht auf Privatsphäre“, sagt Eric Leandri, Vorsitzender von Qwant mit Sitz in Paris. Er sehe deutliche Unterschiede zur Einstellung auf der anderen Seite des Atlantiks. Dort würden Internet-User vielmehr als Kunden gesehen, deren Rechte von den mit Tech-Unternehmen geschlossenen Nutzungsvereinbarungen bestimmt würden.

Die Zahlen zeigen, dass das Interesse steigt. Im Jahr 2017 verdreifachten sich die Suchanfragen über Qwant auf zehn Milliarden, wie Leandri sagt. Inzwischen habe die Seite bei den Suchmaschinen einen Marktanteil von sechs Prozent in Frankreich. Sogar von offizieller Stelle gibt es Unterstützung: Armee und Parlament kündigten vergangenen Monat an, Qwant statt Google zur voreingestellten Suchmaschine zu machen. Dies sei Teil der Anstrengungen, Europas „digitale Souveränität“ wiederzuerlangen.

Qwant speichert keine Cookies

Die Seite speichert keine sogenannten Cookies oder User-Profile. Damit erhalten zwei verschiedene Benutzer exakt dieselben Suchergebnisse auf eine Anfrage. 20 Milliarden Seiten auf Französisch, Deutsch und Italienisch sind mittlerweile erfasst. Es ist geplant, das Angebot auf rund 25 weitere andere Sprachen zu erweitern, wo die Suchergebnisse derzeit noch von Microsofts Suchmaschine Bing kommen.

Mojeek, das in Brighton in England sitzt, hat bislang zwei Milliarden Internetseiten katalogisiert. Rund 200.000 Besucher zählt man nach eigener Aussage pro Monat; die Suchanfragen hätten sich im vergangenen Jahr verfünffacht. Das britische Startup Oscobo sucht anonym für User aus dem Vereinigten Königreich mit einer Lizenz von Yahoo/Bing. Startpage mit Sitz in den Niederlanden anonymisiert Google-Suchergebnisse, filtert Werbung heraus und umgeht die Nachverfolgung.

Googles-Konkurrenz muss sich nicht verstecken

All das wird Google natürlich nicht vom Thron stürzen. Der Konzern mit Sitz in Mountain View in Kalifornien kontrolliert mindestens drei Viertel des weltweiten Marktes bei Suchmaschinen. Aber die Konkurrenz muss sich nicht verstecken.

Pat Walshe, Berater für Datenschutz in Großbritannien, nutzt Startpage und Qwant seit einigen Jahren. Er findet nicht, dass deren Leistung schlechter ist als die von Google. „Ich glaube nicht, dass Menschen (zu Google) zurückkommen, wenn sie einmal angefangen haben, diese Seiten zu nutzen“, sagt er.

Unbubble will neutrale Informationen anbieten

Das deutsche Unternehmen Unbubble ist eine sogenannte Meta-Search-Site. Sie schickt verschlüsselte Anfragen an mehr als 30 andere Suchmaschinen. Das verspricht Suchergebnisse, die nicht durch irgendeinen verdeckten Algorithmus in Richtung der mutmaßlichen User-Interessen gefiltert werden.

Die Hauptidee sei es, neutrale Informationen anzubieten und den Menschen zu ermöglichen, weniger abhängig von maschinellen, lernbasierten Filtern zu sein, sagt Unbubble-Gründer Tobias Sasse. Über Google erhalte man immer die gleiche Mainstream-Information. Das verhindere, dass die Menschen die große Vielfalt online sähen.

Finanzierung über Spenden

Einige der neuen Seiten finanzieren sich mit Spenden. Andere leben vom sogenannten Affiliate Advertising, bei dem sie auf kommerzielle Seiten verlinken und dafür eine Provision erhalten – aber ohne die User-Daten zu verarbeiten. Das ist der große Unterschied zu Google, wo die Werbung auf der Basis des Suchverlaufs des Nutzers ausgewählt und eingeblendet wird.

Mojeek hat private Investoren. Gründer Marc Smith, der im Jahr 2004 mit zwei Servern in seinem Schlafzimmer begann, hält Werbung für ein notwendiges Übel. Man werde aber jede Möglichkeit prüfen, wie man sie vermeiden könne.

Rückenwind durch NSA-Skandal

In der Schweiz, wo Diskretion auch wegen des riesigen Bankensektors großgeschrieben wird, gedeiht der Suchmaschinen-Anbieter Swisscows. Die Anfragen seien um rund 50 Prozent auf 20 Millionen pro Monat gestiegen, sagt Gründer Andreas Wiebe, der zudem ein Software-Unternehmen betreibt.

Dabei sei ihm zu Beginn viel Skepsis entgegengeschlagen. „Im Jahr 2014 haben mir Leute gesagt, ich sei verrückt, und das Projekt werde innerhalb eines Jahres eingehen“, erinnert er sich. Stattdessen habe er durch den 2015 von Whistleblower Edward Snowden aufgedeckten NSA-Skandal richtig Rückenwind bekommen.

Von RND/AP

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