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19:18 23.10.2018
Die Deutschen halten ihr Gehalt am liebsten geheim (Symbolfoto). Quelle: Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa
Hannover

2200 Euro brutto im Monat für eine Altenpflegerin mit einer 30-Stunden-Woche – ist das gerecht? Und die 1,8 Millionen Euro – monatlich – für den SAP-Chef? Die Altenpflegerin findet, dass sie mehr verdient hätte, als sie im Moment bekommt. Ein Wirtschaftsforscher meint, dass jedes Gehalt das Ergebnis des freien Markts ist und damit eigentlich immer gerechtfertigt sei. Meinungen wie diese treffen in der ZDF-Dokumentation „Das verdient Deutschland – der große Gehältervergleich“ aufeinander, die am Dienstagabend von 20.15 Uhr an läuft.

Das Besondere an dem Film: Dort sprechen Angestellte überhaupt offen über ihr Gehalt. Das ist in Deutschland nicht die Regel. Obwohl eigentlich jeder Angestellte das Recht hat, Infos über die Gehälter in seinem Unternehmen zu bekommen. Doch trotz des Lohntransparenzgesetzes wissen die Meisten wenig über die Verdienste ihrer Kollegen. Sei es aus Angst vor Neid oder aus Scham über das eigene Gehalt: Deutschlands Arbeitnehmer reden nicht gern über ihr Gehalt. Die Folge davon ist, dass sie den Verdienst von anderen Leuten oft falsch einschätzen. Dass das Durchschnittsgehalt 2990 Euro beträgt, weiß kaum jemand.

So viel verdient ein Oberarzt

Die ZDF-Doku versucht etwas Licht ins Dunkel zu bringen und zitiert aus der Statistik. Demnach gelten alle mit Löhnen unter 2000 Euro brutto als Geringverdiener. Wer mehr als 4500 brutto bekommt gehört zu den Besserverdienern.

Deutlich wirkt sich die Berufswahl auf das Durchschnittsgehalt aus. Zu den Berufen mit den höchsten Gehältern gehören etwa Oberarzt (etwa 121.000 Euro im Jahr) oder Key Account Manager (etwa 77.000 Euro). Für die Ermittlung der Gehälter sind dabei vor allem Daten von Mitarbeitern ohne Personalverantwortung herangezogen worden, „da die Gehälter von Chefs oder Top-Managern zum Teil sehr hoch sind, selten vorkommen und die Ergebnisse eventuell verzerren könnten“, heißt es im Gehaltsatlas 2018, einer Auswertung der Gehaltsdatenbank Gehalt.de.

Zu den Mittelverdienern gehören etwa KfZ-Mechaniker und Baggerfahrer. Küchenhilfen und Beschäftigte im Zimmerservice stehen am unteren Ende der Rangliste.

Es zeigen sich aber auch große regionale Unterschiede: Bayern, Hessen und Baden-Württemberg sind die lohnstärksten deutschen Bundesländer. Ein Grund für die Lohnlücke: Während in Ländern wie Hessen Dax-Unternehmen und kapitalstarke Firmen ihren Sitz haben, finden sich in Bundesländern wie Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen vor allem kleine bis mittelgroße Unternehmen.

Die ZDF-Doku zeigt auch ein kleines Unternehmen aus Berlin, das etwas ändern will und alle Gehälter offenlegen will. In Schweden wäre ein solcher Vorstoß undenkbar, weil völlig überflüssig. Dort sind selbst Teile der Steuererklärung für jeden einsehbar, genau wie Einkommen und Hausbesitz. Transparenz gehört für alle dazu. Und das Durchschnittsgehalt ist etwas höher als in Deutschland. Aber, so das Fazit der ZDF-Doku: Man muss auch über Geld reden wollen.

Die ZDF-Doku „Das verdient Deutschland“ läuft am Dienstag von 20.15 Uhr an im ZDF. Sie ist
auch in der Mediathek verfügbar
.

Von Christian Palm / RND

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