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Medien Deshalb lohnt sich der „Tatort“ aus Luzern
Nachrichten Medien Deshalb lohnt sich der „Tatort“ aus Luzern
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14:32 05.03.2017
Reto Flückiger (Stefan Gubser, kniend) verhaftet einen Verdächtigen (Vladimir Korneev, liegend). Im Hintergrund: Flückigers Kollegin Liz Ritschard (Delia Mayer) – eine Szene aus der Folge “Tatort: Kriegssplitter“. Quelle: ARD degeto
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Hannover

Zwar ist es durchaus mutig, die in Vergessenheit geratenen kriegerischen Ereignisse im fernen Kaukasus zum Thema eines TV-Krimis zu machen. Aber der Luzern-„Tatort: Kriegssplitter“ (Sonntag, ARD, 20.15 Uhr) vermittelt keine Informationen über die Hintergründe dieser Auseinandersetzung. Die durch den Film vermittelte Einsicht, dass in gewalttätigen Auseinandersetzungen die Moral stets als Erstes auf der Strecke bleibt und es im Krieg im Grunde keine wirklich Guten gibt, ist auch nicht besonders originell.

Doch wenn ein Krimi spannend erzählt ist, verzeiht man gern solche Schwächen und selbst ein arg klischeehaft überzeichnetes Personal wie in diesem von Tobias Ineichen inszenierten Fall (Drehbuch: Stefan Brunner, Lorenz Langenegger). Denn spannend ist der elfte gemeinsame Auftritt der Kommissare Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) durchaus. Für einen Schweizer „Tatort“ ist der Film sogar erstaunlich temporeich, weil vor allem anfangs die Handlung von der gut eingesetzten Musik regelrecht angetrieben wird.

Die Motive erfährt man erst nach und nach

Zudem wird der Zuschauer erst einmal auf eine falsche Fährte gelockt, da er nach der Auftaktszene ein Flüchtlingsdrama erwartet, wie es in der Sonntagskrimireihe schon zigfach zuvor erzählt worden ist. Denn zu Beginn wirft kurz hinter der Grenze auf Schweizer Gebiet ein Schlepper eine junge Frau (Yelena Tronina) aus einem Kleintransporter. Sie muss sich nun allein durchschlagen bis nach Luzern, wo ihr Zwillingsbruder lebt. Beide sind Kriegswaisen, sind als Kinder getrennt worden. Und während er von einem Schweizer Ehepaar mit vier Jahren adoptiert wurde, ist sie in ihrer Heimat in Tschetschenien geblieben.

Nun ist sie also illegal eingereist. Doch ihr Ziel ist nur scheinbar ihr Bruder. Was sie tatsächlich antreibt, erfährt der Zuschauer erst nach und nach. Diese Dramaturgie sorgt für Spannung, obwohl man der Frau die Motive ihres Handelns nicht so recht abnimmt.

Ein großes Geheimnis wird gelüftet

Als Entschädigung wird in einer Parallelhandlung des Films das größte Geheimnis der jüngsten Schweizer „Tatort“-Geschichte gelüftet: Hausboot-Kapitän Reto hat tatsächlich eine Geliebte, die mehr ist als nur eine SMS-Bekanntschaft. Sie heißt Eveline, ist leider verheiratet, und beide treffen sich heimlich in einem zwielichtigen Hotel. Dort passiert dann das, was uns gewöhnlichen Zuschauern zum Glück nur selten, aber Fernsehkommissaren ständig passiert: Reto wird zufällig Zeuge eines recht dramatischen Mordes. Der Tote entpuppt sich anschließend schnell als Journalist, der einem tschetschenischen Kriegsverbrecher auf der Spur gewesen ist.

Danach tritt das übliche Personal auf: ein finsterer Russe, ein noch finsterer Profikiller, ein in die Jahre gekommener Ex-Terrorist und ein Racheengel. Es werden blutig Rechnungen beglichen, die noch aus dem letzten Tschetschenien-Krieg (1999–2009) stammen. Die Wahrheit, das Gute und die Moral bleiben dabei auf der Strecke. Und am Schluss gibt es ein ebenso dramatisches wie leider unplausibles Finale. Doch immerhin lernt der Zuschauer dabei einen interessanten jungen und vielversprechenden Schauspieler kennen: den 27-jährigen Joel Basman, der 2015 für seine Rolle in dem Kinofilm „Wir sind jung. Wir sind stark.“ mit dem Deutschen Filmpreis als bester Nebendarsteller ausgezeichnet worden ist.

Er verkörpert hier ungemein stark den Bruder der geheimnisvollen jungen Frau. Und stellt sich mit dieser Rolle einem breiteren Publikum vor. So hat auch dieser bestenfalls durchschnittliche Krimi sein Gutes.

Von Ernst Corinth/RND

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