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Medien Eltern wollen Zugang zum Facebook-Konto ihrer toten Tochter
Nachrichten Medien Eltern wollen Zugang zum Facebook-Konto ihrer toten Tochter
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13:59 21.06.2018
Das Logo von Facebook. Quelle: dpa
Karlsruhe

War es ein Unfall? Ende 2012 wird in Berlin eine 15-Jährige von einer U-Bahn erfasst. Ihre Eltern suchen bis heute nach einer Antwort auf die Frage, ob ihre Tochter sterben wollte oder verunglückte. Erkenntnisse erhoffen sie sich vom Facebook-Konto ihrer Tochter. Aber Facebook verweigert ihnen den Zugang. Der Fall beschäftigt nun die Richter des Bundesgerichtshofs.

Das Konto ist im „Gedenkzustand

Denn obwohl die Eltern das Passwort für das Facebook-Konto ihrer Tochter haben, können sie sich nicht einloggen. Das Konto befindet sich im sogenannten „Gedenkzustand“. Facebook-Nutzer können einstellen, dass ihr Account nach ihrem Tod gelöscht werden soll. Tun sie das nicht, wird das öffentlich sichtbare Profil im „Gedenkzustand“ eingefroren und bekommt den Zusatz „In Erinnerung an“. Facebook aktiviert den „Gedenkzustand“, sobald jemand den Tod des Nutzers meldet. Die Seite wird dann zu einem virtuellem Kondolenzbuch, anmelden kann sich aber niemand mehr.

Wer Facebook über den Tod ihrer Tochter informiert hat, wissen die Eltern nicht. Mit ihrer Klage will die Mutter erstreiten, dass sie als Erben das Konto mit sämtlichen persönlichen Inhalten einsehen dürfen. Das Passwort hatten die Eltern sich von dem Mädchen sagen lassen.

Facebook will die Facebook-Kontakte des Mädchen schützen

Doch für Facebook hat der Schutz der Daten der Facebook-Kontakte des Mädchens Vorrang. Das Argument des Unternehmens: Wer mit dem Mädchen private Nachrichten geschrieben habe, konnte nicht damit rechnen, dass ihre Eltern diese eines Tages lesen. Auch eine Sichtung des Kontos, zum Beispiel durch einen Mitarbeiter, lehnt Facebook ab. Der Fall wurde bereits vor dem Berliner Landgericht und dem Kammergericht Berlin verhandelt. Sie kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Nun soll der Bundesgerichtshof in Karlsruhe eine Entscheidung fällen.

Vom Urteil der Bundesrichter erhoffen sich viele Experten auch grundsätzliche Aussagen zum digitalen Erbe. Denn was bei Briefen oder Tagebüchern und anderen Gegenständen meistens geregelt ist, ist bei virtuellen Dingen oft noch unklar. Oft lagern E-Mails, Fotos oder Chatprotokolle auch nicht auf der heimischen Festplatte oder einem anderen Speichermedium, sondern in der „Cloud“. Was damit passiert, ist bisher nur dann sicher, wenn der oder die Verstorbene das verfügt hat. Bei Facebook etwa ist es inzwischen möglich, einen „Nachlasskontakt“ zu benennen, der sich um das Profil nach dem Tod in gewissem Umfang kümmern kann.

Das Urteil soll am 12. Juli verkündet werden.

Von dpa/asu/RND

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