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Medien Goldene Kamera mit Fremdschäm-Moment
Nachrichten Medien Goldene Kamera mit Fremdschäm-Moment
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13:42 05.03.2017
Goldene Kamera für: Jane Fonda (oben links, mit Geraldine Chaplin(, Nicole Kidman (oben rechts), Colin Farrell (unten links) und Dieter Thomas Heck.  Quelle: dpa / Imago
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Hamburg

 Die Schauspieler Jane Fonda, Nicole Kidman und Colin Farrell sowie der britische Sänger Ed Sheeran wussten schon vorher von ihren Auszeichnungen. Andere mussten zittern: Die Jury entschied sich in den nationalen Kategorien für Lisa Wagner und Wotan Wilke Möhring als beste Schauspieler. Das Publikum wählte die „heute show“ zur gelungensten Satire-Sendung (die Preisträger in unserer Bildergalerie).

Schaulaufen für die Goldene Kamera: Stars und Sternchen sind zur Verleihung des Film- und Fernsehpreises in die Hamburger Messehallen gekommen. Hier sehen Sie die besten Bilder

Erstmals moderierte Steven Gätjen die Gala, die live im ZDF übertragen wurde. „Er lässt sich als Schauspieler nicht in eine Schublade stecken“, sagte er über den 40-jährigen Farrell, der als bester internationaler Schauspieler ausgezeichnet wurde. „Ich freue mich sehr in Hamburg zu sein“, begrüßte der Filmstar das begeisterte Publikum auf Deutsch – setzte seine Rede dann aber doch lieber auf Englisch fort.

Frier und Matschke tanzen und singen die Gewinner

Immer wieder gab es Anspielungen auf die Umschlags-Panne kürzlich bei der Oscar-Gala, durch die zunächst ein Film irrtümlich als Sieger verkündet worden war. Bei der Goldenen Kamera sah das dann so aus: Annette Frier und Matthias Matschke hielten die Laudatio auf den „Besten Schauspieler National“ und die „Beste Schauspielerin National“.

Aber sie nannten nicht einfach die Gewinner, sondern tanzten und sangen die Namen der Nominierten zu afrikanischen Rhythmen.Dabei trug Matschke einen riesigen Briefumschlag. Die Reaktion von Hollywood-Star Colin Farrell? Er schlug sich die Hand vors Gesicht und machte eine abfällige Geste – ganz so, als würde er sich fremdschämen. Die Kamera zeigte den Moment – Zuschauer und „Bild“-Zeitung posten anschließend Screenshots auf Twitter.

Überraschung für Dieter Thomas Heck

Ein bewegender Moment war dagegen die Ehrung von Showmaster-Urgestein Dieter Thomas Heck, der unter anderem von 1969 bis Ende 1984 die ZDF-„Hitparade“ präsentierte, für sein Lebenswerk (national). „Das ist das schönste Geschenk, das ich mir vorstellen kann, nach so langer Zeit, endlich diese Kamera in der Hand zu halten“, sagte der 79-Jährige, bevor er auf einem goldenen Thron Platz nahm. Dort wartete eine besondere Überraschung auf ihn: Prominente wie Roberto Blanco, Howard Carpendale und Barbara Schöneberger sangen auf die Melodien großer Hits einen Text über Hecks Leistungen.

Bereits zum 52. Mal wurde der Preis vergeben, Ausrichter ist die Funke Mediengruppe. In der neunköpfigen Jury saßen unter anderem die Schauspieler Heike Makatsch und Wotan Wilke Möhring, Moderator Johannes B. Kerner und Komikerin Carolin Kebekus. Auch die TV-Journalisten Caren Miosga, Marietta Slomka und Peter Kloeppel wurden stellvertretend für ihre Redaktionen für die beste Information geehrt. Bester Fernsehfilm wurde „Auf kurze Distanz“ (Das Erste). „Morgen hör ich auf“ (ZDF) siegte in der Kategorie „Mini-Serie/Mehrteiler“.

Schauspieler Leonard Carow erhielt den Nachwuchspreis. Der 22-Jährige, der zuletzt im Film das „Das Tagebuch der Anne Frank“ zu sehen war, bedankte sich in einer bewegenden Rede für die Auszeichnung. Er gab seinen versammelten Kollegen etwas mit auf den Weg: „Wenn wir alle weiter danach streben, ehrliche, aber vor allem kompromisslose Filme zu drehen, dann kann die Welt nur besser werden.“

Dass auch andere an diesem Abend Handlungsbedarf für eine „bessere Welt“ sahen, zeigte sich auch in den Dankesreden der TV-Journalisten Caren Miosga („Tagesthemen“), Marietta Slomka („heute-journal“) und Peter Kloeppel („RTL-aktuell“), die stellvertretend für ihre Redaktionen den Preis für die beste Informationssendung entgegennahmen. Sie erinnerten daran, dass Demokratie beschützt werden muss, um selbst Schutz bieten zu können. „Wir bleiben stark“, sagte auch Jane Fonda, als sie die Goldene Kamera für ihr Lebenswerk entgegennahm und appellierte an die Deutschen ihre Demokratie zu bewahren – so wie die Amerikaner für ihrer kämpfen würden ...

Goldene Kamera: Die Preisträger (Auswahl)

Bester Schauspieler: Wotan Wilke Möhring bekam die Goldene Kamera für seine Rolle im RTL-Dreiteiler „Winnetou“. Der 49-Jährige sei als Besetzung ein Coup gewesen, begründete die Jury ihre Entscheidung. „Er gibt den Westernhelden physisch wie charakterlich ungemein glaubhaft.“ Möhring setzte sich gegen seine beiden Kollegen Tom Schilling „Auf kurze Distanz“ (Das Erste) und Tobias Moretti „Im Namen meines Sohnes“ (ZDF) durch.

Beste Schauspielerin: Schauspielerin Lisa Wagner gewann die Goldene Kamera für ihre Darstellung als mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe in „Letzte Ausfahrt Gera“ (ZDF). „Exzellent, wie sie mit undurchsichtigem Mienenspiel, in Starre verharrend die Bedrohlichkeit der Frau Zschäpe entlarvt“, urteilte die Jury. Ebenfalls nominiert waren Claudia Michelsen mit „Ku’damm 56“ (ZDF) und Jutta Hoffmann mit „Ein Teil von uns“ (Das Erste).

Bester Film (national): Der Mafia-Thriller „Auf kurze Distanz“ (Das Erste). Der Film gewann gegen das Obdachlosen-Drama „Ein Teil von uns“ und den Krimi „Zielfahnder: Flucht in die Karparten“, die beide ebenfalls im Ersten liefen. In „Auf kurze Distanz“ sind Tom Schilling und Edin Hasanovic Gegenspieler im brutalen Milieu der Wettmafia. „Ein ungemein dichter Thriller um Gewalt, Verrat, Freundschaft“, urteilte die Jury. „Großartiges Tempo, hohe Spannung.“ Regie führte Philipp Kadelbach.

Bester Nachwuchsschauspieler: Schauspieler Leonard Carow hat den „Goldene Kamera Nachwuchspreis“ erhalten. Der 22-jährige, der zuletzt in das „Das Tagebuch der Anne Frank“ zu sehen war, bedankte sich in einer bewegenden Rede für die Auszeichnung. „Immer wenn ich denke, ich sollte aufhören mit dem Quatsch“, begann der sichtlich gerührte Schauspieler seine Rede und bedankte sich dann - ohne den Satz zu vollenden - bei seiner Mutter, die zugleich seine Agentin ist. „Ich würde gerne etwas öfter mit Regisseurinnen zusammenarbeiten“, sagte der 22-Jährige in seiner Rede und kritisierte damit das ungleiche Geschlechterverhältnis in Teilen der Filmbranche. Er gab seinen versammelten Kollegen noch etwas mit auf den Weg: „Wenn wir alle weiter danach streben, ehrliche, aber vor allem kompromisslose Filme zu drehen, dann kann die Welt nur besser werden.“

Beste Information: Die Redaktionen der „Tagesthemen“, des „heute journal“ und von „RTL Aktuell“ wurden für ihre Arbeit geehrt. Zur Begründung teilte die Goldene Kamera mit: „Wohl noch nie stand der Journalismus so unter Beschuss wie 2016. In Zeiten, in denen ’Fake News’, ’alternative Fakten’ und ’postfaktisch’ zunehmend Analyse, Aufklärung und Suche nach Wahrheit zu überschatten drohen, wollen wir die Redaktionen der drei meistgesehenen Nachrichtenformate und ihre Präsentatoren auszeichnen, die deutlich machen: Journalismus ist nicht Teil des Problems, guter Journalismus ist Teil der Lösung.“

Lebenswerk International: Die Schauspielerin Jane Fonda wurde geehrt. Begründung der Jury: „Jane Fonda hat bis heute die unverkennbare Gabe, sich immer wieder neu zu erfinden. Sie überzeugt ihr Publikum auf der Leinwand und dem Bildschirm mit ihrer unverblümten Art und ihrer enormen Wandlungsfähigkeit. Auch abseits der Kameras tritt Jane Fonda voller Leidenschaft ins Rampenlicht. Gerade dann, wenn es um die Würde des Alters und die Rechte von Frauen auf der ganzen Welt geht. Sie ist zweifelsohne eine der wichtigsten Stimmen Hollywoods!“

Von dpa/RND/wer

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