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Medien Gottschalk lässt Lebensgefühl der „wilden 68er“ wieder aufleben
Nachrichten Medien Gottschalk lässt Lebensgefühl der „wilden 68er“ wieder aufleben
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10:58 04.10.2018
TV-Legende: Thomas Gottschalk. Quelle: imago/Müller-Stauffenberg
Berlin

„Gottschalks große 68er Show“ kommt an diesem Samstag zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr. Entertainer Thomas Gottschalk (68) lässt darin das Lebensgefühl der „wilden 68er“ wieder aufleben und blickt auf 50 Jahre Flower-Power-Hits zurück. Dafür hat er sich prominente Gästen und Zeitzeugen eingeladen, unter anderem auch „Easy Rider“-Darsteller Peter Fonda, „Mr. Bean“ Rowan Atkinson, Musiker Donovan und Geiger David Garrett. Mit den Heavytones hat Gottschalk zudem Stefan Raabs ehemalige „TV Total“-Showband mit auf der Bühne. Im Interview erinnert sich Gottschalk an sein persönliches Jahr 1968.

Herr Gottschalk, sprechen wir über das Jahr 1968: Wie war der 18-jährige Thommy drauf? Was waren seine Träume und Ziele?

Ich habe mit 18 in der oberfränkischen Provinz so vor mich hingeträumt und Flower-Power-Musik gehört. Ich war verknallt in eine Verkäuferin der „Parfümerie Benker“, die das bis zum heutigen Tag nicht erfahren hat. Mein einziges Ziel war es, irgendwie das Abitur zu schaffen, um meiner Mutter wenigstens diesen Kummer zu ersparen. Wie mir das allerdings gelingen sollte, war mir zu diesem Zeitpunkt völlig schleierhaft.

Damals gab es den Konflikt Jung gegen Alt, Studenten gegen den Staat. Wie äußerte sich Ihre rebellische Seite?

Meine rebellische Seite war immer etwas unterentwickelt. Ich habe weder revoltiert noch demonstriert, was in Kulmbach ohnehin nicht üblich war. Mein Aufstand gegen die herrschende Klasse hat sich darin erschöpft, dass ich rumgemault habe, weil ich mir die Haare nicht so lang wachsen lassen durfte, wie ich wollte. Und weil ich um zehn zu Hause sein musste.

Die 1968er gelten als Zeit des Umbruchs. Sehen Sie Parallelen zu heute?

Ein Aufstand der Jugend wäre wieder mal fällig. Aber solange es dafür keine App auf dem Smartphone gibt, sehe ich schwarz. Wir waren insgesamt etwas kritischer, aber auch wesentlich fröhlicher als die 18-Jährigen von heute.

Mit dem hedonistischen Lebensstil „Sex, Drugs & Rock’n’Roll“ konnte man als Ministrant der Kulmbacher Stadtpfarrkirche vermutlich wenig anfangen, oder?

Ich hab mich im Wesentlichen auf den Rock’n’Roll beschränkt. Eher unfreiwillig, weil die Kulmbacher Drogenszene ziemlich überschaubar war und die Parfümerie-Verkäuferin ja von nichts wusste. Meinen ersten Kuss habe ich mit Blick auf den Güterbahnhof abgeliefert. Sie hieß Hanna, und ich war mir nicht ganz sicher, ob er nicht doch zu einer Schwangerschaft führen würde. In meiner klerikalen Laufbahn hatte ich es mittlerweile vom Ministranten zum Vorbeter geschafft. In der Abendmesse saß sonntags immer eine ernstzunehmende Konkurrentin für die Parfüm-Verkäuferin. Allerdings zwischen ihren Eltern.

Inwiefern hat die Musik der Zeit Sie geprägt?

Im Kulmbacher „Vereinshaus“ spielten ab und zu Rockbands, die woanders keiner hören wollte. Ich erinnere mich an einen bemerkenswerten Auftritt der englischen Band „The Creation“, die mit „Painter Man“ einen einzigen Hit hatten. Vom Schlagzeuger habe ich das Halstuch abgestaubt – eine Trophäe, die ich mir jahrelang aufgehoben habe. Ich habe in dieser Zeit als Discjockey angefangen und im „Schützenhaus“ in Hof die holländische Band Shocking Blue live auf der Bühne angekündigt. Die Ansage von „Venus“ mach’ ich heute noch so wie damals, mit allen Namen der Bandmitglieder. Die Sängerin hieß Mariska Veres, sah granatenmäßig aus und ist leider tot.

Erst die Spiele-Show „Denn Sie wissen nicht, was passiert“ und jetzt „Gottschalks große 68er-Show“. Was macht für Sie als Moderator den Unterschied?

„Er weiß nicht, was passiert“ könnte der Titel jeder Show gewesen sein, die ich bisher abgeliefert habe. Das Spontane war für mich immer der eigentliche Reiz. Je mehr ich mich vorbereiten musste, umso schlechter war ich. Leider ist immer weniger Fernsehen wirklich live, und das, was uns als Reality-Fernsehen verkauft wird, hat mit der Wirklichkeit der Zuschauer nichts zu tun. Wenn ich an das glaube, was ich zu verkaufen habe, moderiere ich natürlich gerne. Bei der 68er-Show bin ich da, wo ich hingehöre. Ich glaube auch, dass es immer noch ein großes Publikum für diese Art von Unterhaltung gibt. Aber ich freue mich auch auf den neuen Klassikpreis, den das ZDF jetzt vergibt. Den moderiere ich am 14. Oktober. Dabei fühle ich mich genauso wohl, auch wenn klassische Musik leider kein Renner beim Publikum ist. Schade!

Zum 70. Geburtstag soll es dann eine „Wetten, dass...?“-Neuauflage geben. Worauf freuen Sie sich dabei am meisten?

Bis dahin ist ja noch etwas Zeit, und es wird sich erst rausstellen, was man dann wieder beleben muss: mich oder das Format!

Von dpa / RND

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