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Medien Hidschab-Werbung spaltet das Netz
Nachrichten Medien Hidschab-Werbung spaltet das Netz
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22:36 31.01.2018
Katjes bewirbt sein neues Produkt auch mit einer Frau im Hidschab. Quelle: Screenshot YouTube-Kanal Katjes
Hannover

Die neue Werbung des Süßwarenunternehmens „Katjes“ sorgt im Netz für kontroverse Diskussionen. Auf einem der drei kurzen Kampagnen-Videos ist ein Model mit Kopftuch zu sehen. Dass Katjes seine vegetarischen Produkte – für die Süßwaren verzichtet das Unternehmen auf Gelatine vom Schwein – auch für die muslimische Zielgruppe bewirbt, gerät für viele User im Netz trotz des Werbe-Slogans „Achte mal drauf!“ schnell in den Hintergrund. Neben den Spots entzünden sich teils wütende Debatten an der auch auf großformatigen Plakaten in den Frankfurter und Berliner Hauptbahnhöfen beworbenen Süßware.

Während die Offenbacher AfD angesichts des Spots die internationalen Frauenrecht aufs Tapet brachte, hat sich unter dem Hashtag #BoykottKatjes gleich eine Armada der Fruchtgummi-Verächter gefunden. Ob das Model Vicenca Petrovic auch wirklich eine Muslima ist, entpuppt sich als nächster Auslöser für eine überhitzte Diskussion. Da das Model auf ihrem Instagram-Profil wenig Zweifel daran lässt, dass ein religiöser Hintergrund Ausschlusskriterium beim Katjes-Casting gewesen ist, wollen die Scharfmacher der digitalen Welt auch eine Debatte über Rasse und Glauben in der globalen Werbeindustrie entfachen. Der Netzstreit ignoriert komplett, dass das Hidschab-Motiv nur eines von dreien ist.

Dass die Kampagne für Aufmerksamkeit sorgen dürfte, sollte auch dem Hause Katjes im Vorfeld klar gewesen sein. Dennoch offenbart sie eine gewisse Scheinheiligkeit beim Kunden. Schließlich wird sonst auch kaum infrage gestellt, ob Fußballtrainer Jürgen Klopp Liebhaber von PKWs mit Blitz-Logo ist oder Sängerin Helene Fischer bei ihrem privaten Grill-Vergnügen gern Kräuterbutter verwendet.

Während sich das Model Petrovic ohne die Zustimmung des Unternehmens nicht äußern darf, verliert sich das Süßwaren-Unternehmen aus Emmerich am Rhein in branchenüblichen Verlautbarungen. Während Katjes die „Privatsphäre aller Darstellerinnen“ achten wolle, gibt es zugleich bekannt: „Entscheidend bei der Auswahl des Models war für Katjes ihre selbstbewusste tolle Ausstrahlung.“

Das Lob im Netz, sich zu einem gesellschaftlich relevanten Thema auf tolerante Weise stark zu machen, können Katjes und die Werbeagentur Antoni jedoch nicht widerspiegeln. Das Unternehmen wolle junge Frauen ansprechen, „die Spaß am Leben haben und sich dabei bewusster ernähren. Dazu zählen auch junge Musliminnen, bei denen der Verzicht auf tierische Gelatine eine bedeutende Rolle spielt.“ Weder eine „politische noch eine religiöse Botschaft“ will die Werbeagentur Antoni in der Kampagne erkennen. Die Kritik, die sich Katjes demnach gefallen lassen muss, nährt sich demnach vielmehr am halbgaren Geschäftsgebaren, das man statt eines gesellschaftlichen Standpunkts erkennen ließ.

Von RND/krö

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