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Medien Mit Big Data gegen Herzschäden
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10:53 10.01.2018
In Zukunft könnten Patientendaten nicht nur einfach digital erfasst werden, sondern in Datenwolken gebündelt und ausgewertet werden. Das soll Behandlungsmethoden verbessern. Das Gesundheitssystem könnte jährlich so um 80 Milliarden Dollar entlastet werden. Quelle: dpa
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Frankfurt/Main

Gesünder dank Daten? In Zukunft könnten Krankenhäuser und Forschungseinrichtungen elektronische Patientendaten miteinander verknüpfen und auswerten. Big Data in der Heilkunst soll vor allem chronische Krankheiten besser therapieren oder Ärzten bei der Diagnose helfen. Der digitale Wandel birgt Chancen für Patienten, Geschäfte für Konzerne, aber auch Risiken beim Datenschutz.

Weltweit werde sich der digitale Gesundheitsmarkt bis 2020 mehr als verdoppeln auf gut 170 Milliarden Euro, schätzt die Beratungsfirma Roland Berger. Gesundheits-Apps könnten Blutdruck und Körpertemperatur erfassen, erste Diagnosen erstellen und Besitzern den Arztbesuch empfehlen. Und elektronische Patientenakten könnten Behandlungen verbessern und die Kosten in den Gesundheitssystem mittelfristig um 80 Milliarden Dollar senken, sagt Thilo Kaltenbach, Partner bei Roland Berger.

150 Millionen Euro investiert der Bund

Die Auswertung von Patientendaten ist eines der wichtigsten Zukunftsprojekte im deutschen Gesundheitssystem. Das Bundesforschungsministerium fördert aktuell mit 150 Millionen Euro eine Initiative, mit der Universitätskliniken eines Tages Patientendaten austauschen könnten. Bisher wurden schon Abrechnungsdaten von Krankenkassen analysiert, nicht aber medizinische Daten.

Nun soll eine Brücke zwischen Patientenversorgung und Forschung entstehen. Das Projekt helfe Forschern, ein besseres Verständnis von Krankheiten zu erlangen, das für neue Präventions-, Diagnose- und Therapieverfahren „dringend benötigt wird“. Oft mangele es an vergleichbaren medizinischen Fällen oder Langzeiterfahrung. Am Ende sollen Kliniken und Ärzte über Schnittstellen auf elektronische Patientendaten wie Röntgenbilder, Arztbriefe oder Laborwerte zugreifen und sich auf alle im Gesundheitssystem wichtigen Daten stützen.

Auch Ärztevertreter begrüßen die Nutzung anonymisierter Behandlungsdaten. Für die Forschung wäre es ein „echter Fortschritt“, wenn Patienten festlegen könnten, ob ihre Behandlungsdaten in „gesicherten und staatlich kontrollierten“ Datenbanken hinterlegt werden dürften, sagt Peter Bobbert, Bundesvorstand beim Marburger Bund. Der Datenschutz dürfe nicht außer Kraft gesetzt werden. Die Verbraucherzentrale Bundesverband mahnt an, nicht dem Negativbeispiel USA zu folgen. Dort werden Patientenprofile gehandelt.

Auch SAP will Patientendaten auswerten

Doch nicht nur der Bund, auch die Privatwirtschaft testet die ökonomischen und medizinischen Chancen von Patientendaten. Der Softwarekonzern SAP arbeitet mit der Berliner Charité Klinik an einem Projekt, das die Behandlung chronisch Kranker per Nutzung von Patientendaten verbessern soll. „In Krankenhäusern liegen tonnenweise Daten, die sie alleine gar nicht nutzen können“, sagte SAP-Experte Kai Sachs auf einer Konferenz in Frankfurt.

Ließen sich Daten verknüpfen und Ärzten zur Verfügung stellen, könnte das die Therapien chronisch Kranker verbessern, so die Vision. Daten könnten vor Herzschäden warnen, wenn der Ruhepuls von Patienten regelmäßig zu hoch sei oder Datenschwankungen auf schädliche Wassereinlagerungen hindeuteten. Es gehe um ein Prototyp-Projekt, betont SAP. Alle Datenschutz-Gesetze würden eingehalten.

Wirtschaftliche Vorteile der Digitalisierung, die dem Gesundheitswesen insgesamt zugutekämen, seien begrüßenswert, meint der Marburger Bund. Die große Mehrheit der angestellten Ärzte glaube, dass die Digitalisierung die Arbeit im Krankenhaus verbessert könne. Ökonomische Aspekte dürften jedoch nicht im Vordergrund stehen. „Wir müssen verhindern, dass finanzstarke Unternehmen aus personalisierten medizinischen Daten ein Geschäftsmodell zur Steigerung des eigenen Gewinns entwickeln“, sagt Bobbert.

Von Alexander Sturm, dpa/RND

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