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Medien Morde ohne Mörder in Berlin?
Nachrichten Medien Morde ohne Mörder in Berlin?
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22:31 16.09.2018
Eine Szene aus dem Tatort „Tiere der Großstadt“ aus Berlin. Quelle: dpa
Berlin

Die Ermittlerin Rubin und ihr Kollege Karow erweisen sich beide als etwas neurotisch, Meret Becker und Mark Waschke spielen die beiden Kriminalhauptkommissare virtuos als vereinsamte und an ihrem Beruf zweifelnde Metropolenmenschen – als Heimatlose. Dazu passt, dass der Krimi-Routinier und Filmkünstler Roland Suso Richter („Das Wunder von Berlin“) das Zentrum wie auch die Ränder von Berlin wieder einmal wie Ludwigshafen aussehen lässt – gesichtslos, ohne großstädtisches Flair.

Und auch die Geschichte ist eigentlich glanzlos. Der Kunstanspruch des Regisseurs Richter wird nicht in der Handlung deutlich, sondern in den Bildern: Man sieht den Protagonisten ständig über die Schulter, die Kamera zwängt sich durch Zwischenräume, es gibt Nahaufnahmen in Zeitlupe und nächtlichen Straßenverkehr im Zeitraffer wie in den Werken der Nouvelle Vague.

Ermittler-Duo Rubin/Karow

Und noch etwas erinnert an die Tradition der französischen Filmkunst: Die Bilder sind eingebettet in Klanglandschaften, für die der Hymnen-Komponist Nils Frahm verantwortlich ist. Er schafft die Atmosphäre, die zwischenmenschliche Kollisionen, Verdacht, Eifersucht, Rache zum akustischen Phänomen macht.

Die Ermittlungen des Duos Rubin/Karow und ihrer dienstbaren Geister bei der Mordkommission darf man nicht zu genau auf Plausibilität abklopfen. Zwei Todesfälle sind zu untersuchen, anhand derer Drehbuchautorin Beate Langmaack die Dualität von Technik und Natur und der darin lauernden Gefährdungen auf die Spitze treibt: Der eine wurde vom Arm eines Roboters ausgeführt, der andere geht auf das Konto einer Wildsau, die im städtischen Forst eine Joggerin zur Strecke brachte.

Morde ohne Mörder?

Sind es also Morde ohne Mörder? Natürlich wären beide Personen, der Betreiber des vollautomatischen Kaffee-Kiosks und die Waldläuferin, ohne menschliches Zutun nicht aus dem Leben geschieden. Und so können die Kommissare an Schluss die Schuldigen festnehmen – sie kommen, man ahnte es schon, aus dem sozialen Nahbereich der Opfer.

Dass dieser „Tatort“ mit den Urängsten des Menschen vor der Wildnis und der Zukunft spielt, wie Autorin Langmaack zu Protokoll gegeben hat, ist zwar eine hübsche These. Genau besehen aber schürt er eher das Misstrauen gegenüber unseren Nächsten. Vorsicht vor abtrünnigen Lebenspartnern!

Von Michael Berger

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