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Medien Weshalb der Hiddensee-Film „Kruso“ nicht mit dem Roman mithalten kann und sich dennoch lohnt
Nachrichten Medien Weshalb der Hiddensee-Film „Kruso“ nicht mit dem Roman mithalten kann und sich dennoch lohnt
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08:58 26.09.2018
Das Gewand des Spüldienstes: Ed (Jonathan Berlin) wird hier von Salzlach (Pit Bukowski) aus dem Gastraum geworfen. Quelle: Lukas Salna/MDR
Kloster

Lurch und Ursuppe: Anhand dieser beiden Motive lässt sich beispielhaft zeigen, dass die ARD-Literaturverfilmung „Kruso“ nicht ganz mit dem phänomenalen Roman gleichen Namens mithalten kann. Der „Lurch“ ist im Roman von Lutz Seiler eine Art mythisches Abfallwesen aus Haaren, Fett und Schweiß, das der junge Ed und sein Lehrmeister Kruso einmal im Abfluss der Gaststätte Klausner auf Hiddensee finden und feierlich im Inselsand begraben. Im Film ist der Lurch bloß ein ekliges Haarknäuel. Auch die Ursuppe aus Spülwasser, in der sich schichtweise die Geschichte der Gaststätte abgelagert hat, wird im Film ihrer mythischen Ebene beraubt.

Die „Schiffbrüchigen“ werden auf Zimmer verteilt

Die melancholische Atmosphäre jedoch, diese Stimmung des Abschieds und Umbruchs, trifft der Film von Regisseur Thomas Stuber genau. Die Geschichte spielt in den Tagen, als Ungarn seine Grenzen für DDR-Flüchtlinge öffnet. Damit verliert das Klausner auf Hiddensee an Bedeutung, das bislang ein Zufluchtsort für „Schiffbrüchige“, für Intellektuelle und Künstler, war. Für Gestrandete wie Kruso, den großen Zampano und Guru dieser Insel, dessen animalische Natur bei gleichzeitiger Verletzlichkeit Darsteller Albrecht Schuch beeindruckend ausspielt. „Wer hier war“, heißt es in dem 2014 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Roman, „hatte das Land verlassen, ohne die Grenze zu überschreiten.“ Dänemark ist von Hiddensee bei gutem Wetter zu sehen, heißt es gleich in der ersten Szene des Films. Für einen guten Schwimmer nicht unerreichbar.

Ed (Jonathan Berlin) und Kruso (Albrecht Schuch). Quelle: MDR/HA Kommunikation

Der junge Germanistikstudent Ed (Jonathan Berlin) findet im Klausner Zuflucht, nachdem seine Freundin Selbstmord begangen hat. Die Routinen des Wirtschaftslebens geben ihm Halt, ihn faszinieren die Rituale Krusos, der nachts die schiffbrüchigen Besucher – auch junge Frauen – auf die Zimmer der Belegschaft verteilt. Dazu gehört auch der Koch Mike, ganz sanft gespielt von Thomas Lawinky, der sonst eher aus Bösewichtrollen bekannt ist.

Als die Weltnachrichten in diesen „Vorhof des Verschwindens“ eindringen, wird der Kreis der Eingeschworenen zusehends kleiner. Immer mehr Menschen tauschen die richtige gegen die nur behauptete Freiheit ein. Der Film stellt die Freundschaft zwischen Ed und Kruso in den Mittelpunkt. In deren Beziehung ändern sich die Machtverhältnisse, als sich Kruso nicht auf die neuen Verhältnisse einzustellen vermag. Alles in allem erreicht der Film nicht die Poesie der Vorlage, er ist aber allein wegen der Geschichte und der Szenerie aus Waldkiefern und Rotbuchen, Sand und Möwengeschrei dennoch zu empfehlen.

Die Gaststätte zum Klausner übrigens gibt es wirklich auf Hiddensee, wie in der Fiktion ganz in der Nähe des Leuchtturms in Dornbusch. Es ist verwunderlich, das dort in den Aushängen oder der Speisekarte nichts auf das literarische Porträt hinweist. Allerdings ist der Klausner aus dem Roman ohnehin ein utopischer Ort, also ein Nichtort. Heute, da die Insel von Touristen überlaufen ist, muss man sich schon weit vom Trubel des Hafens entfernen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie diese Insel einst zum Sehnsuchtsort werden konnte.

Von Nina May/RND

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