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Panorama Bunter, wilder, breiter: Das ist der neue Einrichtungstrend
Nachrichten Panorama Bunter, wilder, breiter: Das ist der neue Einrichtungstrend
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11:00 17.03.2019
Zeichen setzen mit kräftigen Farben: Nach Jahren der skandinavisch inspirierten Ton-in-Ton-Zurückhaltung wird es jetzt bunt im Wohnzimmer. Quelle: iStockphoto
Hannover

Wenn wir uns frei machen können von Trendvorgaben, von Bewertungen anderer, von eigenen auferlegten Zwängen, vom Purismus der vergangenen Jahre – wie sehen dann wohl unser Zimmer, unsere Wohnung oder unser Haus aus?

Ist es dort vielleicht viel kuscheliger, weil wir am liebsten in Dutzenden bequemer Sofakissen ertrinken? Ist es vielleicht viel bunter, weil wir die rot und blau gestrichenen Wände aus dem Andalusien-Urlaub auch zu Hause haben wollen? Ist es viel geschmückter, weil wir in den zurückliegenden Jahren jede Menge Erinnerungsstücke gesammelt haben und endlich kreativ in Szene setzen wollen? Dann trifft das genau den Nerv, der derzeit unter Einrichtungsexperten zelebriert wird.

Die in London lebende Stylistin und Buchautorin Emily Henson beispielsweise vertritt beim Thema Einrichtung einen klaren Standpunkt: „Dekoriere deine eigenen vier Wände, als würde es keiner sehen.“ Wer sich durch ihre Bücher wie „Life Unstyled“ oder „Be Bold“ blättert, weiß sofort, warum die Britin als Vorreiterin des neuen Maximalstils gilt. Da wird wild mit Farben gespielt, da darf Wohneinrichtung üppig sein.

„Dekoriere deine eigenen vier Wände, als würde es keiner sehen“: Stylistin und Buchautorin Emily Henson ist Expertin für bunte Einrichtung. Quelle: Yolanda Chiaramellmo

Henson ruft zum Mut auf, nicht zur dezenten Zurückhaltung. Die Wohnung ist bei ihr Spielplatz des eigenen Geschmacks und der eigenwilligen Interpretation. Unvollkommene Ecken sind ebenso erlaubt und gewünscht wie die Lust am Extravaganten. Und wem das nötige Kleingeld für die neue Farbvielfalt fehlt, darf laut Henson gern selbst kreativ werden. Frei nach dem Motto: Gib deiner Einrichtung einen persönlichen Stempel und spare nicht am Material.

Auch Innenarchitektin Emma Brunckhorst ist eine Meisterin der neuen Einrichtungsvielfalt. In den Räumen, die die Hamburgerin gestaltet hat, treffen kunterbunte mexikanische Teppichläufer auf Fischtapeten und gelbfransigen Fensterschmuck – und bilden trotz aller Kontraste eine überraschend harmonische Einheit.

Nach Jahren, in denen Scandi-Chic und Hygge die Einrichtungswelt dominierten, beginnt mit dem Be-Bold-Trend ein neues Kapitel. Der schlichten Funktionalität der Skandinavier wird ein detailverliebter Mix aus Formen, Farben und Stoffen entgegengesetzt. Lilafarbene Samtsofas, bunt verziertes Geschirr, Tische in Colour-Blocking und gemusterte Tapeten lassen die Herzen experimentierfreudiger Eigenheimgestalter höherschlagen.

Lebenslustig, exzentrisch und frei von Konventionen

Dabei geht es nicht darum, ein Einzelteil gekonnt in ruhiger Umgebung erstrahlen zu lassen. Es ist vielmehr ein Potpourri diverser knalliger Möbel und Wohnaccessoires.

„Hygge als skandinavischer Trend des gemütlichen und bewussten Lebens in Harmonie war Ausdruck der Sehnsucht der Menschen in einer verunsicherten Welt. Die schrille Variante ist eine Art Lautwerden und Sichdurchsetzen mit Individualität, um Gehör zu finden“, erklärt Raumpsychologe Uwe Linke aus München den neuen Drang zur Üppigkeit. Es ist ein kraftvoller Trend, lebenslustig, exzentrisch und frei von Konventionen.

Linke findet es großartig, „wenn Menschen Mut gemacht wird, einen eigenen Stil zu entwickeln und sie sich nicht darum kümmern, ob das anderen gefällt“. Wie wir wohnen, sollte Ausdruck unserer eigenen einzigartigen Persönlichkeit sein, sagt der Raumpsychologe.

Es muss nicht immer pastellfarben sein: Maximalistisches Design ist knallig und lässt Raum für Kreativität. Quelle: iStockphoto

Diesen Ansatz verfolgt offenbar auch die britische Interiorexpertin Tania James, die jüngst im „Guardian“ ihr persönliches Reich präsentierte – eine Lollipop-Welt, in der ein blauer Plastikbär Einzug im lilafarbenen Kamin gehalten hat. „Ich bin nicht materialistisch, aber für mich ist es wichtig, was ich innerlich fühle auch äußerlich zu zeigen“, sagte sie der Zeitung – und ließ ansonsten vor allem schrille Bilder sprechen.

Jahrzehntelang waren viele Wohnungen so angelegt, dass sie in ihrer Zurückhaltung den Geschmack möglichst vieler Menschen trafen. Maximalismus hingegen soll nur einen Geschmack treffen – den seines Bewohners. Gleichzeitig wird er als Gegenpol zu einer düsteren Weltlage interpretiert. Einrichtung in Beige und Grau sei viel zu kraftlos, zu glatt gebügelt, sagen die Experten. Starke Farben wiederum stehen für Energie.

Außerdem bietet die neue Kunterbuntwelt reichlich gestalterischen Freiraum und Platz für Kreativität. Abgewetzte Stühle können mit fröhlichen Stoffen neu bezogen werden, weiße Tischbeine durch rote, violette oder silberne Lackierung mehr Aufmerksamkeit bekommen. Angesagt sind auch knallig gemusterte Tapeten, die dem Raum Struktur verleihen. Vor allem ist eine solch aufgeschlossene Umgebung perfekt für alle, die gerne sammeln und dekorieren.

Die neue Exzentrik: Kräftige Farben und Muster sollen auch einen Gegenpol zur düsteren Weltlage bilden. Quelle: Africa Studio/shutterstock

Allerdings werden Menschen, die ihre innere Ruhe am ehesten in der perfekten Balance pastellener Inneneinrichtung finden, vom Maximalismustrend womöglich Fieber bekommen. Um nicht in die Messi-Ecke abzudriften, rät Raumpsychologe Linke daher zu minimaler Struktur: „Optische Ordnung verbindet, indem man beispielsweise Bilder in einer Linie aufhängt oder Gegenstände zu einer harmonischen Gruppe in Bezug auf Farbe, Material oder Form sortiert.“

Wer etwa Blumenprints mit Folkloremustern kombiniert, der sollte in der Farbfamilie einheitlich bleiben. Es verlangt nach Bindegliedern, damit die Diversität einen gemeinsamen Nenner findet. Dann wirkt die neue Exzentrik sowohl stimmig als auch geschmackvoll. „Es erfordert Mut, traditionelle Wege zu verlassen“, weiß Vorreiterin Emily Henson. Aber wo könne man sich sonst so entfalten, wenn nicht im eigenen Heim?

Von Andrea Mayer-Halm

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