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Deutschlands einziges Damenbad - Nur ein Mann darf rein

Freizeit Deutschlands einziges Damenbad - Nur ein Mann darf rein

Das Freibad in Freiburg ist garantiert "männerfreie Zone". Eine schmale Tür aus Holz ist der einzige Zugang. Der Schriftzug auf der Tür ist eindeutig: Damenbad.

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Nur für Frauen: Bademeister Günter Maier ist der einzige Mann, der ins Freiburger Damenbad darf.

Quelle: Patrick Seeger

Freiburg. Wer Mann ist, darf hier nicht rein. Weiße Holzlatten versperren die Sicht.

Freiburg hat das einzige Damenbad Deutschlands. Zum Ende des Sommers ziehen die Schwimmerinnen dort ihre letzte Runden.

Das Freibad nur für Frauen ist eine Institution in der badischen Universitätsstadt. Seit 1886 existiert es. Aus Sorge um Sitte und Moral wurden die Badebereiche damals überall in der Republik getrennt. Mit den Jahrzehnten wurde die Geschlechterteilung wieder aufgehoben, nur in Freiburg nicht.

Das von der Stadt Freiburg betriebene Lorettobad, von vielen liebevoll "Lollo" genannt, erfreut sich einer unverändert großen Beliebtheit. Rund 30 000 Besucherinnen werden jährlich gezählt. Diese Zahl werde auch in diesem Jahr erreicht, sagen die Betreiber. Die gute Resonanz sichert dem einzigartigen Bad die Zukunft.

"Es ist eine sehr vertraute, entspannte und angenehme Atmosphäre", sagt Rentnerin Heidrun Czerny (78) und breitet auf der Liegewiese ihr Handtuch aus. Es kommen viele Stammgäste hierher, am Kiosk trifft sich täglich eine eingeschworene Truppe zum "Damenkränzchen". Schon vor vielen Jahren hat sich ein Verein "Freunde des Lorettobades" gegründet. Die freiwilligen Helfer unterstützen das Bad.

"Frauen können hier ungezwungen und von Männern unbeobachtet sein, sagt Czerny. Das schätzen junge wie ältere Frauen, die zum Sonnen und Baden gerne ihre Bikini-Oberteile ablegen. Oder Mütter, die ungezwungen ihre Säuglinge stillen möchten, für sich und den Nachwuchs eine ruhige Atmosphäre schätzen - auch beim Planschen mit den Sprösslingen im Kinderbecken. Jungs unter sechs Jahren dürfen noch mit ins Frauenbad. Kommen sie ins Schulalter, ist Schluss.

Einzige Ausnahme ist Günter Maier. Der 58-Jährige ist seit vielen Jahren Bademeister im "Lollo". Üblicherweise übernehmen seine weiblichen Kollegen den Dienst. Doch weil das nicht immer möglich ist, steht gelegentlich auch Maier am Beckenrand. "Für mich sind alle Besucher gleich, ob Männlein oder Weiblein", sagt er. Als Bademeister trete er neutral auf - und wird deshalb von den Damen anerkannt.

"Es gibt hier keine Gaffer und keine Poser", sagt die 14-jährige Jessica, die mit ihren Freundinnen ins Freibad kommt. Gemeinsam ziehen sie ihre Bahnen durch das 25 auf 10 Meter große Schwimmbecken. "Es ist schön, dass wir hier unter uns sein können." Sollte dies auf Dauer zu langweilig werden, gehen die Mädels hinüber ins direkt angrenzende Familienbad, wo sie gemeinsam mit Jungs baden können.

Auch Schwangere schätzten das Damenbad, sagt Maier. Gestiegen ist die Zahl der Frauen, die aus religiösen Gründen nicht in gemischte Bäder gehen. Viele Muslimas kommen verschleiert. "Es hat sich herumgesprochen, dass es hier keine Männer gibt", sagt der Bademeister. Immer mehr Gäste kämen zudem von außerhalb Freiburgs, zum Beispiel aus dem nicht weit entfernten Frankreich.

"Das Damenbad ist etwas ganz Besonderes", sagt Jessica. Mit seinen weiß angestrichenen Badehäuschen und Einzel-Umkleidekabinen versprüht es ein historisches Flair, erinnert an ein Strandbad zu Großmutters Zeiten. Dennoch ist das Bad auf der Höhe der Zeit, wurde vor zwölf Jahren umfassend saniert. Seinen Charme hat es nicht verloren.

Doch nicht alle aus der Männerwelt haben Verständnis. 1980 ging ein Jurastudent vor Gericht. Er wollte seinen Zutritt zum Damenbad per Gerichtsbeschluss durchsetzen, scheiterte aber. Das Freiburger Verwaltungsgericht entschied: Das Verbot für Herren, das Damenbad zu benutzen, ist rechtens. Es verstoße nicht gegen das Gleichheitsgebot des Grundgesetzes.

dpa

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