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Panorama Englischer Klangteig
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19:58 21.07.2017
Früher war alles besser, inklusive Abwesenheitsmeldungen am Telefon. Quelle: Fotolia
Hannover

Wo ist es? Dieses Singsangwort? Dieses Kommunikationslallwort? Auf das man sich immer gefreut hat, auch wenn man sich eigentlich geärgert hat. Wenn man jemanden erreichen wollte und sich statt des Jemands eine fremde Stimme vom Band meldete und aktuelle Nichtverfügbarkeit verkündete.

Auf Deutsch und, für alle Fälle, auch auf Englisch. Auch wenn es Tante Martha war, die gar keine Muttersprachengländer (oder Mutterengsprachländer? Mutterlandsprechangler?) kannte, verkündete ihr Briketttelefon ungefragt ihre Abwesenheit auch auf Englisch. Mit dem schönen Wort “temporarily“, dem uneingeschränkten Höhepunkt des Satzes “The person you’ve called is temporarily not available“. Am besten noch in einem Wagen der Deutschen Bahn. Da kriegt man es dann gleich von allen Seiten.

Vokale und Sprachjazz

Das Wort “temporarily“ bedeutet aussprachlich für Tante Martha in etwa das, was “Schleswig-Holstein“ für den Mutterengsprachländer bedeutet. Es geht betrunken leichter von der Zunge und teilt sich phonetisch in zwei Teile. Teil eins umfasst die ersten vier Buchstaben und ist der auch nüchtern klar artikulierbare Teil des Wortes.

Der zweite Teil beginnt mit dem “o“ und zieht in der Folge eine Reihe von Konsonanten nach sich, die irgendwo weiter hinten im Nuschelzentrum des Mundraums mit einem Hauch Vokal zu einem Klangteig vermengt werden, der irgendwann auf “i“ endet. Tempoarlrloarlrlrl-i. Sprachjazz. Lustig. Für alle irgendwie.

So unsexy wie überflüssig

Umso schlimmer ist es, dass das Wort offenbar vom Telefonmarkt verschwinden soll. “The Person you have called does not answer“, sagt da nun eine Stimme. Eine Information, ebenso unsexy wie überflüssig. Hat man sich gegen das “temporarily“ entschieden, weil das Wort zu schön war für Telefonansagen? Oder weil es ungenau war? Temporarily, vorübergehend – wer sagt das?

Vielleicht geht die Nichterreichbarkeit von Tante Martha gar nicht vorüber, weil sie ihr Brikett ins Klo geworfen hat und in einem indischen Ashram fortan ein empfangsloses Leben führen möchte. “The Martha you’ve called ist finally not available. Please call never again.“

Ab und zu ist es übrigens auch ganz schön, wenn mal jemand rangeht.

Von Uwe Janssen

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