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19:49 25.11.2018
Die besten drei: „Miss 50 plus Germany“-Gewinnerin Evelyn Reißmann (Mitte), die Zweitplatzierte Eva Möller-Westman (rechts) und die Drittplatzierte Marion Ellendorff (links). Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Bad Zwischenahn

Überall hängen Kleider, High Heels liegen auf dem Boden, Frauen werden geschminkt – „das ist ein bisschen viel Augen-Make-up, oder?“, fragt eine besorgt. Es geht zu, wie es hinter den Kulissen einer „Miss Germany“-Wahl eben zugeht. Mit einem Unterschied: Die Kandidatinnen sind alle mindestens 50 Jahre alt. Und sie bewerben sich um den Titel der „Miss 50 plus Germany 2019“.

Da ist Bettina Bihr (58), lange weiße Haare, selbstsicheres Lächeln. Sie ist Best-Age-Model, wie sie erzählt, präsentiert Modemarken, aber sie spielt auch in Werbeclips mit – zum Beispiel für Nahrungsergänzungsmittel. Sie fühlt sich hier wohl, den Titel holt sie am Ende aber nicht. Dabei ist sie eine der wenigen Anwärterinnen mit Modelerfahrung; die meisten Frauen, die beim Finale der Misswahl in Bad Zwischenahn antreten, kommen aus showfremden Berufen – eine ist Physiotherapeutin, eine andere Stewardess, und wiederum eine andere arbeitet in einer Klinik mit suchtkranken Menschen.

Die neue „Miss 50 plus Germany“ ist Evelyn Reißmann, eine 52-jährige alleinerziehende Mutter. Hier sehen Sie Bilder der Gala.

Den Sieg trägt schließlich auch eine aus der Gruppe der Bühnenlaien davon: Evelyn Reißmann, 52-jährige Versicherungsexpertin aus Plauen in Sachsen und alleinerziehende Mutter. Ihre 16-jährige Tochter hat allerdings nicht im Publikum gesessen – „ich bin ihr peinlich“, gesteht die frisch gekürte Miss während der Show. Bei einigen ihrer Konkurrentinnen scheint das kein Problem zu sein, Kinder und sogar Enkel sind mitgereist und verfolgen gebannt das Geschehen.

Doch was führt gestandene Frauen in einen Wettbewerb, in dem es vorrangig um Schönheit geht, in dem Jurymitglieder wie CDU-Politiker Wolfgang Bosbach oder Ex-Fifa-Schiedsrichter Walter Eschweiler ihr Aussehen mit Punkten bewerten? Klar ist: Es geht um etwas anderes als bei den jungen Frauen, die jedes Jahr um den Titel der „Miss Germany“ kämpfen und für die so eine Auszeichnung Türen für eine Modelkarriere öffnen kann. Vielleicht geht es nicht darum, am Ende eine Schärpe zu tragen, auf der „Miss 50 plus Germany“ steht. Das Motiv ist eher, mal rauszukommen, seine Geschichte zu erzählen – sich noch mal was zu trauen.

„Miss 50 plus Germany“-Wahl: Frauen haben Geschichten zu erzählen

Etwas zu erzählen haben die Frauen alle – ob von der zweiten Ehe, Problemen mit pubertierenden Kindern oder Herausforderungen im Beruf. Das schätzt auch Ines Klemmer an dem Wettbewerb, den sie mit Joachim Llambi („Let’s Dance“) moderiert. „Es ist traumhaft, mit Frauen über 50 Jahren zu arbeiten“, sagt sie, „die haben ganz anderes zu erzählen als die 20-Jährigen.“ Sie seien vielseitiger und hätten sich selbst schon mehr gefunden.

Die Wahl wird indes genauso ernst genommen wie die für die jüngere Generation: Im Voraus wurden aus 500 Bewerberinnen 60 zum Casting eingeladen, von denen wiederum 20 fürs Finale ausgewählt wurden. Bereits drei Tage vor der Show kamen die Frauen nach Bad Zwischenahn, um sich kennenzulernen und an ihren Laufsteg- und Präsentationstechniken zu feilen. „Das war ein bisschen wie ein Ausflug auf den Reiterhof“, schildert Kandidatin Andrea Pfeifer (50) – sie hätten sich alle toll verstanden.

Bei der „Miss 50 plus Germany“-Wahl sitzt nicht immer jeder Schritt

Am Galaabend selbst sitzt dann trotz Lauftraining nicht jeder Schritt – eine Kandidatin hat sich zuvor schon Blasen gelaufen, eine läuft wegen Rückenproblemen in flachen Schuhen. Vor der Jury müssen die Frauen, durchnummeriert von eins bis zehn, sich dann in zwei Wertungsrunden präsentieren – erst im Businessoutfit, dann im Abendkleid. Im Bikini müssen die Anwärterinnen sich nicht zeigen.

Jurymitglieder, Moderatoren und Showacts nehmen es als selbstverständlich hin, dass auch für die Ü50-Generation eine Miss gewählt wird – bereits zum siebten Mal. „Schönheit muss nicht jung sein“, findet Musiker Ross Antony, der mit seinem Mann Paul Reeves während der Gala auftritt. „Es geht auch darum, dass die was im Kopf haben.“

Joachim LLambi bescheint „Miss 50 plus“-Teilnehmerinnen „Charisma“

Was die Frauen tatsächlich im Kopf haben, können sie auf der Bühne allerdings nur anreißen: In ein paar Sätzen stellen sie sich mit Alter, Beruf und Hobbys vor – für mehr reicht die Zeit nicht. Da wird dann doch vor allem das Aussehen bewertet. Trotzdem bescheinigt „Let’s Dance“-Juror Joachim Llambi (54) den Bewerberinnen „oft mehr Charisma“ als den jungen Misses. Während die Schönheit bei der üblichen „Miss Germany“-Wahl von der Jugend der Teilnehmerinnen lebe, spiele hier die Persönlichkeit eine größere Rolle. Privat setzt Llambi aber offenbar mehr auf Ersteres – seine neue Freundin Rebecca Rosenschon, die ihn begleitete, ist 17 Jahre jünger als er. „Welcher Altersunterschied?“, lautet seine ironische Antwort auf die Frage nach dem Umgang damit – er merke keinen Unterschied.

Auch Wolfgang Bosbach sieht die „Miss 50 plus Germany“-Wahl als „absolut seriös“ an. Der Politiker, der hier zum Schönheitsjuror wird, findet, dass bei den über 50-Jährigen die Persönlichkeitsreife eine andere sei als bei jungen Frauen. „Das sieht man ihnen auch an“, ergänzt er. Sie strahlten mehr Gelassenheit aus.

Im Backstageraum der „Miss 50 plus“-Wahl herrscht Aufregung

Im Backstageraum kommt hingegen bei vielen teeniehafte Aufregung wie vor einem Abschlussball durch: Einige Teilnehmerinnen stellen sich immer wieder vor den Spiegel, zupfen an den Haaren, ziehen den Lippenstift nach. Auch bei der Bekanntgabe des Sieges ist Aufregung im Spiel: Als ihr Name ausgerufen wird, hat Reißmann Tränen in den Augen. „Ich bin überwältigt“, sagt sie, „ich habe teilweise gedacht, dass ich es versemmelt habe, falsch gelacht oder was Falsches gesagt habe.“

Das kennt sie womöglich aus dem Umgang mit ihrer Tochter: Dass die Beziehung zu der 16-Jährigen sie sehr beschäftigt, war schon in ihrer Vorstellungsansprache vor der Jury zu merken – die Tränen, die schließlich kullern, entspringen nicht nur der Freude. Hatte die Frau mit den schulterlangen, blonden Haaren und den feinen Gesichtszügen während der Show noch gesagt, dass ihre Tochter „zum Glück nicht hier“ sei, weil sie „echt schwierig“ sei, vermisste sie ihr Kind jetzt doch. Aber sie ergänzt stolz: „Sie sagt jetzt bestimmt nicht mehr, dass ich peinlich bin.“

Von Hannah Scheiwe

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