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Panorama So verdienen Luxuslabels an der Debatte um Frauenrechte
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17:02 12.05.2018
Dem Feminismus-Trend in der Modebranche voraus: Karl Lagerfeld ließ für Chanel bereits 2015 Supermodels mit politischen und feministischen Slogans auf Pappschildern “demonstrieren“. Quelle: EPA
Berlin

Es gab eine Zeit, da outete man sich nicht gern als Feministin. Doch bekanntlich ändern sich die Zeiten und durch die #metoo-Bewegung ist Feminismus auf einmal wieder salonfähig. Kein Wunder also, dass auch die Mode längst auf den Zug aufgesprungen ist.

Allen voran Maria Grazia Chiuri: Die Kreativdirektorin von Christian Dior machte Feminismus zum Modetrend. Bei ihrem Debüt schickte sie ein Model in einem T-Shirt mit der Aufschrift “We should all be feminists“ in Anlehnung an das feministische Manifest von Chimamanda Ngozi Aldichie über den Laufsteg. Die Kampfansage war gemacht. Und auf einmal schreibt sich jeder gern sprichwörtlich das Wort Feminist auf die Brust.

Stars wie Rihanna, Jennifer Lawrence oder Jessica Chastain – alle tragen plötzlich Slogan-T-Shirts. Das sorgt natürlich für Publicity. Nur gibt es einen Haken: die Dinger kosten 550 Euro. Alice Pfeiffer, eine französische Modejournalistin, die sich auf Genderfragen spezialisiert hat, findet das bedauerlich: “Wenn eine Luxusmarke Kleider mit einer inklusiven Botschaft produziert, aber zu einem exorbitanten Preis, dann schließt das automatisch Dreiviertel der Frauen aus.“

Inklusive Botschaft für eine exklusive Käuferschicht: Eine Besucherin der New Yorker Fashion Week mit “We should alle be feminists“-T-Shirt. Quelle: GETTY

“Im Idealfall“, meint Pfeiffer “müsste neben dem Verkauf des Objekts auch die Sache an sich unterstützt werden, die Fabrikationsbedingungen einsehbar sein und der Wille vorhanden, die betroffenen Personen in die Produktion mit einzubeziehen.“

Ähnlich sieht es Jennifer Pozner, Gründerin von Women in Media and News. In einem Interview mit “USA Today“ drückte sie ihr Unbehagen hinsichtlich der Vermarktung von Feminismus aus: “Die meisten Unternehmen investieren nicht in feministische Programme, sie nutzen nur die feministische Rhetorik, um uns dazu zu bringen, unser Geld auszugeben.“

Inwieweit Dior sich tatsächlich für Feminismus engagiert, ist schwer zu sagen. Immerhin aber hat die Gruppe LVMH, zu der auch Dior gehört, bereits 2007 das Projekt EllesVMH ins Leben gerufen, das für mehr Gleichheit im Unternehmen sorgen soll. Seither ist der Anteil an Frauen in Führungspositionen von 23 auf 40 Prozent gestiegen.

“Das ist alles nur Marketing“

Elisabeth Badinter, französische Parade-Feministin, beeindruckt das wenig. Auf Kleidung gedruckte Slogans könnten keine feministische Debatte ersetzen, wettert sie. “Für mich ist das alles nur Marketing. Wenn ich sehe, dass manche Couturiers die verschleierte Frau für ihre Zwecke nutzen, oder auch die ganze Burkini-Debatte – da kann ich doch nur lachen. Ich verstehe den merkantilistischen Ansatz, man möchte von sich reden machen, zeigen, dass man vorausdenkt, avantgardistisch ist. Zu jedem Preis“, sagte sie dem “Stern“.

Nun könnte man dagegen halten, dass Kleidung historisch gesehen eine bedeutende Rolle für die Emanzipation spielte. Frauen trugen Hosen oder Mini-Röcke oder verbannten ihre BHs, um deutliche Zeichen zu setzen. Badinter bleibt dennoch skeptisch. Einige Häuser hätten tatsächlich etwas bewirkt, sagt die 74-Jährige. Aber leider könne man das nur von den wenigsten Marken behaupten. “Ich finde sogar, dass sie die Frauen meistens nur verkleiden oder sogar sexistisch darstellen.“

Diane Matthews, 23, protestierte 1972 gegen die Diskriminierung von Frauen indem Sie vor dem Magic Circle in Chenies Mews, London, ihren Büstenhalter verbrennt. Ihr wurde mitgeteilt, dass nur Männer zum Magic Circle zugelassen sind. Quelle: PA Archive

Radikale Stimmen, wie die der Soziologin Barbara Kuchler, finden, dass Frauen sich gar keine Mühe mehr mit ihrem Aussehen geben sollten. So wie es Männer ihrer Meinung nach auch halten – und damit folglich mehr Zeit für ihre Karrieren haben. Vor allem aber scheiden sich die Geister, wenn es um figurbetonte Kleidung geht. Haut zeigen: ja oder nein? “Wenn ein Mädchen sich ultrasexy kleidet, kann das ebenso eine feministische Aussage sein, wie ein sexuell neutraler Look“, sagt Alice Pfeiffer. Gleichberechtigung sollte heißen, dass jeder tragen darf, was er möchte. Und wenn Frauen nackte Haut zeigen wollen: bitteschön.

Auf den Laufstegen ist derzeit vor allem modernes Power Dressing zu sehen: Jacketts mit breiten Schultern, Anzüge, weite Hosen, übergroße Männerhemden. Inszeniert werden starke Frauen, die ihre Reize eher subtil zur Geltung bringen. Ähnlich hält es auch Mode-Feministin Maria Grazia Chiuri. Wenn man sich ihre Kollektionen für Dior anschaut, so scheint die feministische Aussage vor allem in der Wahlmöglichkeit zu liegen: Es gibt unterschiedliche Rocklängen, hohe und flache Schuhe, Looks, die viel Haut zeigen, andere die eher bedeckt sind. Freiheit ist das Stichwort.

Aber ganz gleich wie man seine politischen Überzeugungen nun modisch nach außen tragen möchte, ob mit plakativem Slogan, androgyn oder betont sexy, in einem kann man sich wohl sicher sein: Wenn Feminismus heute Trend ist, wird er morgen aus der Mode sein, Frauenrechte hin oder her.

Von Estelle Marandon

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