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Panorama Guido Maria Kretschmer: „Ich fühle mich zu alt für Kinder“
Nachrichten Panorama Guido Maria Kretschmer: „Ich fühle mich zu alt für Kinder“
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21:10 23.10.2018
Guido Maria Kretschmer (l), Modedesigner, und sein Mann Frank Mutters. Quelle: dpa

Sie haben jüngst Ihren langjährigen Partner Frank auf Sylt geheiratet. Ihre Flitterwochen sind ausgefallen – wann holen Sie die nach?

Frank hat die Hochzeitsreise allein gemacht, er ist auf der Insel geblieben. Ihm und den Hunden hat es gut gefallen. Ich hatte immerhin Glitterwochen, denn eine Freundin schenkte mir einen Brief mit Glitter, der klebte dann lange an mir. Im November wollen wir die Flitterwochen gemeinsam nachholen. Aber wir bleiben lieber zu Hause – ich reise beruflich schon so viel. Ich flittere ohnehin durchs Leben.

Sie haben vor Jahren mal gesagt, dass Sie gern Kinder hätten, aber die Gesellschaft noch nicht so weit wäre. Sehen Sie das heute anders?

Hätte ich eine Gebärmutter, wäre ich dauerschwanger gewesen. Meine Figur wäre versaut gewesen. Ich kenne sehr viele wunderbare Kinder, die in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften groß werden. Und in einer Gesellschaft sollte es möglich sein, dass liebevolle Eltern unabhängig von der sexuellen Orientierung Kinder adoptieren können. Hätte es diese Möglichkeit gegeben, als wir 20, 30 waren, hätten wir das sofort gemacht. Aber ich fühle mich jetzt zu alt dafür. Frank und ich haben aber die Tochter von meiner besten Freundin mit großgezogen. Wenn man die fragt, wer ihre Eltern sind, sagt sie: „Mama, Papa, Guido und Frank.“ Die hat jetzt selbst einen Sohn bekommen und ihn Frank genannt. Wir sind also schon Großeltern.

Barbara hat eins, Boateng hat eins, Joko hat eins, nun bringen auch Sie ein Magazin heraus: Gehört das heute zum Starsein dazu?

Nein, Prominenz allein reicht nicht. Man muss schon eine Beziehung zum geschriebenen Wort haben, das gilt jedenfalls für mich. Personality-Magazine haben es einfacher, weil der Leser gleich eine Vertrautheit spürt. Ich habe in den USA mal das Heft von Oprah Winfrey gelesen und gedacht: „Das ist auf jeder Seite Oprah.“ Aber man muss auch für etwas stehen. Das ist in meinem Fall ein gutes Frauenbild.

Apropos, die „Guido“ ist das erste Frauenmagazin unter Männernamen. Wollen Sie damit Genderklischees infrage stellen?

Ich bin sehr frauensozialisiert und habe einfach ein gutes Gespür für Frauen und ihre Themen. Deshalb auch der augenzwinkernde Untertitel „Eine von euch“. Der hat meiner Mutter am besten gefallen. Was die Gendersache betrifft: Es gibt viele Menschen, die zwischen den Geschlechtern hin- und herspringen. Deshalb ist die „Guido“ nicht nur ein Frauenmagazin, sondern vielmehr ein Menschenmagazin mit drei thematischen Schwerpunkten: Mutmacher-Geschichten, Gastlichkeit und natürlich ganz viel Mode.

Sie haben die neuen Uniformen der Deutschen Bahn designt, die derzeit getestet werden. Die Töne sind gedeckt, Blau und Weinrot. Ist das nicht ein bisschen unglamourös im Vergleich zu Ihrer Sendung „Shopping Queen“?

Nein, ich habe schon sehr viele Uniformen für Unternehmen designt, die Deutsche Bahn war da ein Ritterschlag. Glamour ist beim Design nicht mein Ziel, es muss sich gut anfühlen. Diese Uniform ist ganz eng bei den Mitarbeitern, die durften über die einzelnen Entwürfe abstimmen. Wir sind gerade im großen Tragetest.

Sie haben einst Medizin studiert. Bereuen Sie manchmal, dass Sie nicht Arzt geworden ist?

Eigentlich nicht. Ich stelle bis heute Diagnosen bei Freunden, und meistens liege ich richtig. Ich kann jeden drehen und vor Dekupitus bewahren! Und Tomaten seziere ich wie kein anderer. Die Bakteriologie ist mir aus unerklärlichem Grund besonders im Gedächtnis geblieben, ich kenne mich mit Erregern sehr gut aus. Die Anatomie hilft mir beim Design, ich weiß genau, was am Körper wo ist. Ich wäre ein guter Psychologe geworden, das wäre meine Spezialisierung gewesen. Meine Mutter hat früher immer davon geträumt, dass ich in einem weißen Mercedes mit roten Sitzen vorfahre, und sie dann sagen kann: „Der Herr Doktor ist da!“ Und ein bisschen bin ich das ja noch immer. Ich habe oft ein Blutdruckmessgerät dabei, das beruhigt die Menschen. Bis heute schreibe ich unter ein fertiges Design nicht „ok“, sondern „ob“ – Medizinersprache für „ohne Befund“.

Zur Person

Der Designer Guido Maria Kretschmer ist als Juror der Vox-Sendung „Shopping Queen“ bekannt. Prominente wie Charlize Theron, Iris Berben und Heino Ferch tragen die Kreationen des 53-Jährigen. Im September heiratete er seinen langjährigen Lebensgefährten Frank Mutters. Am Donnerstag erscheint die erste Ausgabe seines Magazins „Guido“ im Verlag Gruner + Jahr. Eine Shopping Map zeigt die Lieblingsläden des Designers in verschiedenen Städten, zum Auftakt geht es nach Hannover. Für das Format „Unter vier Augen“ unterhält sich Kretschmer mit Frauen über deren ungewöhnliche Schicksale. In der ersten Ausgabe geht es um eine Frau, die sich nach dem Tod ihres Mannes in dessen Arzt verliebte.

Von Nina May/RND

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