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Panorama Wolfgang Warsch: Dreifach nominiert für das “Spiel des Jahres“
Nachrichten Panorama Wolfgang Warsch: Dreifach nominiert für das “Spiel des Jahres“
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16:02 21.07.2018
Molekularbiologe und Spieleerfinder: Wolfgang Warsch ist mit seinen Erfindungen gleich dreifach für “Spiel des Jahres“-Preise nominiert. Quelle: Picasa

Herr Warsch, Ihre Erfindung “The Mind“ könnte am Montag zum “Spiel des Jahres“ gekürt werden. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Ich hatte die Idee zu “The Mind“ schon lange im Kopf, habe sie aber erst vor zwei Jahren mit meinem Schwager getestet. Anfangs zweifelte ich, dass das “stille Kommunizieren“ funktionieren könnte. Die Idee aber fand ich witzig und originell.

Um was geht es bei “The Mind“?

Es ist ein kooperatives Kartenspiel, bei dem die Spieler – ohne eine vorbestimmte Reihenfolge und ohne miteinander zu reden – Karten ablegen. Jeder agiert dann, wenn er meint, dass jetzt ein guter Zeitpunkt dafür ist. Das Ziel ist es, die Karten in aufsteigender Zahlenfolge in die Mitte zu legen und mehrere Levels zu erreichen.

Das funktioniert nicht immer, oder?

Das stimmt, und wenn die Spieler einen Fehler machen, verlieren sie ein “Leben“. Erstaunlicherweise klappt das “Ablegen ohne Worte“ aber meist sehr gut – vor allem in Gruppen, die sich gut kennen und auf einer Ebene schwingen.

Das hört sich ein bisschen esoterisch an.

Ja, aber dass “The Mind“ ohne Worte funktioniert, hat nichts mit Esoterik zu tun, sondern damit, dass man ein gemeinschaftliches Zeitgefühl entwickelt und merkt, wann es an der Zeit ist, eine Karte abzulegen.

Sie sind Naturwissenschaftler. Hilft Ihnen das beim Spieleerfinden?

Das kann gut sein, denn ein Spiel zu entwickeln bedeutet zu 90 Prozent Kopfarbeit, und die bereitet mir großen Spaß. Ich mag abstraktes Denken, Rätsel, Mathematik und das Erfassen von Zusammenhängen. Gleichzeitig bin ich gern kreativ. Ich denke, das ist fürs Spieleerfinden eine gute Kombination.

“The Mind“ ist ein kooperatives Kartenspiel, bei dem die Spieler – ohne miteinander zu reden – Karten ablegen. Quelle: privat

Sie waren als Molekularbiologe zwölf Jahre lang in der Krebsforschung tätig. Wollen Sie nun nach ihrem diesjährigen Erfolg hauptberuflich Spieleentwickler werden?

Das wäre eine nette Vorstellung, aber das werde ich wohl nicht wagen. Ich will nicht von meinem Einfallsreichtum und meiner Kreativität abhängig sein, um meine Familie ernähren zu können. Zur Hälfte Wissenschaftler und zur Hälfte Spieleerfinder zu sein halte ich für einen guten Plan.

Wie viel Zeit und Arbeit steckt in Ihren Spielen?

Das hängt vom Spiel ab. Der Prototyp für “The Mind“ stand bereits nach einer Woche. Bei anderen Spielen kann sich die Entwicklung aber über Monate und Jahre hinziehen.

Wie wichtig sind beim Spieleentwickeln die Testrunden mit anderen Spielern?

Sehr wichtig, und ich mache das auch sehr gern. Ich würde jederzeit eine Testspielrunde einer Spielerunde vorziehen. Es ist spannend und interessant, die Reaktion der Mitspieler auf meine Erfindungen zu sehen. Wenn die Leute mit meinen Spielen Spaß haben, ist das ein unheimlich befriedigendes Gefühl.

Wo kommen Ihnen die besten Ideen?

(lächelt) Tatsächlich in der Badewanne und beim Spazierengehen. Ich muss mich fallen lassen und entspannen können. Als zweifacher Familienvater habe ich dafür leider immer seltener die Zeit. Aber es hilft auch schon, im Zimmer oder auf der Terrasse auf und ab zu gehen.

Wann haben Sie gemerkt, dass Ihnen Spieleerfinden Spaß macht?

Das war vor rund 25 Jahren im Gymnasium. Damals, so mit elf oder zwölf Jahren, habe ich mir öfter kleine Spiele für uns Schüler ausgedacht. Ich wollte Spieleerfinder oder Naturwissenschaftler werden und hatte den Traum, entweder die Auszeichnung “Spiel des Jahres“ oder den Nobelpreis zu bekommen.

Zumindest das eine könnte am Montag klappen. Sind Sie schon aufgeregt?

Zurzeit bin ich noch gelassen. Wenn ich bei der Preisverleihung in Berlin bin, werde ich mich allerdings nicht zu 100 Prozent wohl in meiner Haut fühlen: Ich bin jemand, der nicht gern in der Öffentlichkeit steht und redet. Aber natürlich ist es ein tolles Gefühl, mit drei Spielen nominiert zu sein.

Spiel des Jahres Sonntag Wolfgang Warsch Quelle: NSV

Zur Person: Wolfgang Warsch arbeitet als Molekularbiologe, war zwölf Jahre lang in der Krebsforschung tätig und wurde für seine Arbeit mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Er lebt in Wien. Als Autor in der Spieleszene trat der 38-Jährige erstmals 2015 mit dem Spiel “Dream Team“ (Zoch) und ein Jahr später mit “Schattenmeister“ (Piatnik) in Erscheinung. In diesem Jahr schaffte er den Durchbruch: Drei seiner Spiele sind in den Kategorien “Spiel des Jahres“ und “Kennerspiel des Jahres“ nominiert.

Der Verein Spiel des Jahres vergibt die drei Kritikerpreise “Spiel des Jahres“ (seit 1979), “Kennerspiel des Jahres“ (seit 2011) sowie “Kinderspiel des Jahres“ (seit 2001). Letzterer wird von einer getrennten Jury vergeben. Diese hat bereits “Funkelschatz“ (Haba) von Lena und Günter Burkhardt zum diesjährigen Sieger bestimmt.

Am kommenden Montag wird die Jury “Spiel des Jahres“ entscheiden, welches Spiel das beste Familienspiel 2018 ist. Neben “The Mind“ (Nürnberger-Spielkarten-Verlag) von Wolfgang Warsch stehen die Spiele “Azul“ (Next Move/Plan B) von Michael Kiesling und “Luxor“ (Queen Games) von Rüdiger Dorn in der engeren Wahl. In der Kategorie “Kennerspiel des Jahres“ hat Wolfgang Warsch noch zwei Eisen im Feuer: “Die Quacksalber von Quedlinburg“ und “Ganz schön clever“ (jeweils erschienen bei Schmidt Spiele). Nominiert ist in dieser Kategorie zudem das Spiel “Heaven & Ale“ (Eggertspiele/Pegasus) von Michael Kiesling und Andreas Schmidt.

Wolfgang Warsch mit seinen Kreationen “The Mind“, “Ganz schön clever“, “Die Quacksalber von Quedlinburg“ und “Illusion“. Quelle: Picasa

Von Tanja Liebmann-Décombe

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