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Panorama Kardiologen befürchten Zunahme von Herzkrankheiten
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08:55 22.08.2012

Beim Vorhofflimmern als häufigste anhaltende Rhythmusstörung werde bis 2050 mit einer Verdopplung der Patientenzahl gerechnet. "Vorhofflimmern ist mit ein bis zwei Prozent Betroffenen in der Bevölkerung schon jetzt eine Volkskrankheit." Beim Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) werden vom 25. bis 29. August 30 000 Teilnehmer aus 150 Ländern in München erwartet.

Beim Vorhofflimmern wachse das Risiko von unter einem halben Prozent bei 40- bis 50-Jährigen auf 5 bis 15 Prozent mit 80 Jahren, sagte Hoffmann. Neben dem Alter spielten Bluthochdruck und die koronare Herzerkrankung eine Rolle. Vorhofflimmern habe nichts mit dem plötzlichen Herztod durch Rhythmusstörungen aus der Herzkammer zu tun und sei an sich nicht lebensbedrohlich. Häufig seien die Patienten aber durch plötzliches Herzrasen in der Lebensqualität deutlich beeinträchtigt. Zudem steige das Schlaganfallrisiko. "Das ist die gefürchtetste Komplikation und daher ein großes Thema. Etwa 30 Prozent aller Schlaganfälle sind auf die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern zurückzuführen."

Um dieses Risiko zu reduzieren, werde zur Blutverdünnung seit fast 50 Jahren Medikamente mit dem Wirkstoff Phenprocoumon, bekannt als Marcumar, eingesetzt. Es erfordert eine sehr genaue Einstellung und ständige Kontrolle der Patienten. Die Ärzte haben nun zwei neue Blutverdünner, die nicht mehr solch regelmäßiger Kontrollen bedürfen. Allerdings sei ihr Einsatz an ganz bestimmte Kriterien gekoppelt, weitere Substanzen seien auch noch im Zulassungsprozess.

Das Vorhofflimmern selbst ist bis heute gar nicht so leicht zu behandeln. Auf Medikamente sprächen nur höchstens die Hälfte der Patienten an, dabei nehme die Effektivität über die Jahre ab und es gebe Nebenwirkungen. Deshalb versuche man immer öfter, den Patienten mit Eingriffen über Katheter zu helfen. Dabei werden über Radiofrequenzstrom oder Vereisung mit einem in der Vene platzierten Ballon gezielt Narben im Herzen gesetzt, um die Weiterleitung der falschen Impulse ins Herz zu unterbrechen.

Diese sogenannte Katheterablation bringe bei anderen Formen des Herzrasens seit mehr als zwanzig Jahren sehr gute Ergebnisse mit über 90 Prozent Erfolg und unter einem Prozent Komplikationen. Beim Vorhofflimmern funktioniere die Methode nur bei 60 bis 80 Prozent der Patienten, gelegentlich müssten sie einen zweiten Eingriff über sich ergehen lassen und bei drei Prozent gebe es Komplikationen. Deshalb sei diese Methode nur für bestimmte Patienten geeignet.

Sport, Verzicht aufs Rauchen sowie Vermeidung von Übergewicht und Bluthochdruck seien wichtige Maßnahmen zur Vorbeugung. In einigen Fällen sei Vorhofflimmern zunächst leicht zu behandeln: Alkohol - Prosecco und vor allem Rotwein, der nach der Volksmeinung doch gut fürs Herz sein soll - kann den Rhythmus durcheinanderbringen. Bei diesem sogenannten Holiday-Heart-Syndrom beginne vier bis sechs Stunden nach dem Alkoholkonsum das Vorhofflimmern. Hier ist die Therapie zunächst am einfachsten - meist reicht Abstinenz.

dpa

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