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Panorama Tödlicher Streit in Köthen: Opfer erlitt Herzversagen
Nachrichten Panorama Tödlicher Streit in Köthen: Opfer erlitt Herzversagen
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21:23 09.09.2018
Blumen stehen an einem Baum auf dem Spielplatz, auf dem es zu dem Streit gekommen sein soll. Quelle: Dörthe Hein/dpa
Köthen

Bei einem Streit zwischen zwei Männergruppen in Köthen ist der 22 Jahre alte Markus B. ums Leben gekommen. Zwei afghanische Staatsbürger wurden in der Nacht zu Sonntag wegen des Anfangsverdachts eines Tötungsdelikts festgenommen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft in Sachsen-Anhalt gemeinsam mitteilten.

Am Abend marschierten nach Angaben der Polizei 2500 Rechtsextreme in Köthen zu einem sogenannten Trauermarsch auf. Rufe wie „Deutschland den Deutschen“ waren zu hören. Gegen 20.45 war die Kundgebung beendet.

Polizisten sichern den Aufmarsch rechter Demonstranten in der sachsen-anhaltinischen Stadt Köthen ab. Quelle: (AP Photo/Jens Meye

Streit auf einem Spielplatz

Nach Informationen der „Mitteldeutschen Zeitung“ (MZ) aus Halle kam es auf einem Spielplatz in Köthen (Sachsen-Anhalt) zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen Markus B. und dessen Bruder auf der einen sowie zwei Afghanen auf der anderen Seite. Dabei soll der 22-Jährige zu Fall gekommen und mit dem Kopf aufgeschlagen sein. Laut Zeugenaussagen soll Markus B. von einem oder mehreren Afghanen gegen den Kopf getreten worden sein.

Obduktion ergab: Markus B. starb an Herzversagen

Der in Köthen (Anhalt-Bitterfeld) nach einem Streit mit zwei Afghanen gestorbene Markus B. ist nicht durch Gewalt ums Leben gekommen. Laut „Mitteldeutscher Zeitung“ war Herzversagen die Todesursache bei dem 22-Jährigen. Das sei das Ergebnis einer Obduktion am Sonntag. Der junge Mann soll eine kardiologische Vorerkrankung gehabt haben. Er hat nach Augenzeugenberichten zunächst noch nach dem Sturz gelebt und soll nicht geblutet haben, dann sei er aber blau angelaufen und kollabiert. Er starb später im Krankenhaus.

Streit um Vaterschaft

Laut der MZ sollen zunächst drei Afghanen mit einer schwangeren deutschen Frau in einer Wohnung und dann weiter auf dem Köthener Karlsplatz, einem bei Jugendlichen des Viertels beliebten Treffpunkt, darüber gestritten haben, wer der Vater ihres noch ungeborenen Kindes sei. Unklar ist, ob sich die beiden Deutschen dort ungefragt in die verbale Auseinandersetzung eingemischt haben – oder der Frau beistanden, weil sie um Hilfe rief.

„Gewalt ist immer und überall zu verurteilen“

Der dritte an dem Streit beteiligte beteiligte Afghane soll sich an der physischen Auseinandersetzung nicht beteiligt haben. Die beiden anderen – der Hauptverdächtige ist 20, der zweite 18 Jahre alt – sollen polizeibekannt sein. Der eine soll eine Aufenthaltserlaubnis haben, der zweite hingegen sollte eigentlich bereits abgeschoben werden. Das wurde laut MZ bisher verhindert, weil gegen ihn die Staatsanwaltschaft wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Die Staatsanwaltschaft soll am vergangenen Donnerstag nun grünes Licht für die Abschiebung gegeben haben – das entsprechende Schreiben hat den Kreis aber noch nicht erreicht.

Bei dem zweiten beteiligten Deutschen soll es sich um den 27-jährigen Bruder von Markus B. handeln. Er soll den Behörden als Rechtsextremist aufgefallen sein.

Ministerpräsident warnt vor „Instrumentalisierung“

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) warnte vor einer Instrumentalisierung des Falls. „Bei aller Emotionalität ist jeder Versuch zurückzuweisen, aus Köthen, wie es im Internet heißt, ein zweites Chemnitz machen zu wollen“, sagte er am Sonntag.

Sachsen-Anhalts Integrationsbeauftragte Susi Möbbeck (SPD) schrieb auf Twitter: „So Traurig. Ein Mensch ist gewaltsam zu Tode gekommen. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen.“ Und: „Gewalt ist immer und überall zu verurteilen. Zeit für Trauer. Zeit für Besonnenheit. Passt aufeinander auf.“

Der Köthener AfD-Abgeordnete Hannes Loth rief in der „Mitteldeutschen Zeitung“ zur Besonnenheit auf: „Zunächst warten wir das Obduktionsergebnis ab.“ Dann entscheide man, ob die Partei einen Trauermarsch durch Köthen plane.

Von RND/dpa/MZ