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Lady Gaga bekennt sich zu Essstörungen

Gesellschaft Lady Gaga bekennt sich zu Essstörungen

Heather sitzt im Rollstuhl, sie ist durch eine Knochenkrankheit keine 90 Zentimeter groß. Lady Gaga hat ihr Mut gemacht. Jetzt fühlt sich Heather manchmal wie 1,80 Meter.

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Lady Gaga ruft mit der Kampagne «Body Revolution» ihre Fans zu mehr Selbstvertrauen auf.

Quelle: Everett Kennedy Brown

Berlin. "Alles ist möglich", lautet ihr Kommentar auf der Internetseite der amerikanischen Sängerin. Lady Gaga, die als Stilikone Madonna überholt hat, bekennt sich auf Twitter zu Essstörungen und ruft ihre Fans zu mehr Selbstvertrauen auf.

Nach Medienkritik an ihrem Gewicht zeigt sich die 26-Jährige in gelber Unterwäsche: ungestylt und mit einer ganz normalen Frauenfigur, weder dürr noch dick. Das brachte ihr tausende Zuschriften ein. Die Gaga-Fans halten ihre Unfallwunden und Speckröllchen in die Kamera. Sie feiern ihre vermeintlichen körperlichen Makel.

Ist Lady Gagas Kampagne reine Eigen-PR oder ein Mutmacher, besonders für junge Frauen mit Magersucht oder Bulimie? "Die Mädchen bräuchten aus meiner Sicht viel mehr solcher Vorbilder, die offen sind", sagt Andreas Schnebel, Vorsitzender des Bundesfachverbandes Essstörungen. Er wünscht sich bei den deutschen Prominenten mehr Mut, über ihre Probleme zu sprechen. Fälle gebe es zur Genüge, sagt der Münchner Therapeut. "Aber die outen sich ja nicht."

Viele Prominente machten mit Essstörungen Schlagzeilen, darunter Lady Di, Lilly Allen, Lindsay Lohan und die schwedische Kronprinzessin Victoria. "Ich habe es wirklich gehasst, wie ich aussah. Mich selbst, Victoria, hat es gar nicht gegeben", sagte die heute 35-Jährige einmal im Rückblick auf ihre Krankheit.

Die Fernsehmoderatorin Gundis Zámbó schrieb sich mit dem Buch "Mein heimlicher Hunger" ihre Essstörungen von der Seele. "Essstörungen sind eine ernstzunehmende Krankheit und es ist wichtig, diese zu thematisieren", sagt Zámbó, die "viel zu viele" falsche Vorbilder in der Medienbranche sieht.

Es gibt immer wieder gut gemeinte Schritte, die ein Schönheitsideal anprangern, das Mädchen und junge Frauen hungern lässt, um Mini-Größen wie 32 oder 34 zu erreichen. Ein Kosmetikhersteller wirbt mit normalen Frauen. Die Frauenzeitschrift "Brigitte" versuchte es eine Zeit lang ohne professionelle Models.

Lady Gagas Aktion sei da noch sinnvoller, sagt die Berliner Therapeutin Ada Borkenhagen. "Sie ist eine Trendsetterin, ein Idol." Essstörungen sind laut der Gastdozentin der Universität Leipzig eine kulturell begründete Krankheit. Mädchen wachsen demnach heutzutage mit dem Zählen von Kalorien auf. Bei jeder dritten 14- bis 17-Jährigen liegen Hinweise auf eine Essstörung vor. Und das Schlankheitsideal ist omnipräsent. Ob eine Lady Gaga mehr ist als ein Signal, bezweifelt Borkenhagen.

Das feministische "Missy Magazine" sieht sehr wohl, dass sich die Sängerin weiter gekonnt vermarktet. Die Aktion findet die Zeitschrift aber gut. "Aus feministischer Sicht ist das in jedem Fall zu begrüßen, weil es jungen Mädchen signalisiert, dass die vermeintlich perfekten Körper der Stars auch nur unter höchsten Anstrengungen und mit größtem Aufwand so aufrechterhalten werden können."

dpa

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