Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Panorama Turboschüler Laurent: Achtjähriger macht sein Abitur
Nachrichten Panorama Turboschüler Laurent: Achtjähriger macht sein Abitur
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:31 11.07.2018
Der achtjährige Laurent Simons hat einen IQ von 145 Quelle: dpa
Amsterdam

Immer wenn die Bässe laut durch das alte Haus an der Prinsengracht in Amsterdam dröhnen, lernt Laurent. „Er lernt am liebsten ohne Kopfhörer“, sagt seine Mutter Lydia Simons und rollt mit gespieltem Entsetzen die Augen. Laurent sitzt neben ihr am großen runden Esstisch und grinst schelmisch. Zur Zeit muss er nicht lernen. Er hat gerade erst sein Abitur bestanden und wurde dafür fast schon weltberühmt. Denn Laurent ist erst acht Jahre alt.

Hochbegabt, Genie, Wunderkind. Schon jetzt wird der belgisch-niederländische Junge mit einem IQ von 145 von Medien mit Einstein und Stephen Hawking verglichen. Doch er macht nicht den Eindruck, als ob ihn das sehr einschüchtern würde. Laurent ist ein freundliches, zurückhaltendes Kind. „Ich will Dinge gerne wissen.“

Das war schon immer so, erinnert sich Mutter Lydia. „Warum, warum, warum, fragte er immer.“ Inzwischen ist es häufiger andersherum, räumt sie ein. Dann fragt sie den Achtjährigen. „Er kann gut erklären und hat Geduld“, bestätigt Vater Alexander. „Wenn er jemanden mag.“ Laurent grinst.

Der achtjährige Laurent Simons mit seinen Eltern Alexander und Lydia Simons. Quelle: dpa

Als hochbegabt gilt, wer einen Intelligenzquotienten von über 130 hat. Nur rund zwei Prozent der deutschen Bevölkerung fallen darunter, wie die Wiesbadener Stiftung „Kleine Füchse“ informiert. Ab einem IQ von 140 wird von Höchstbegabung gesprochen. „Einen IQ von 145 oder höher erreichen nur noch 0,1 Prozent - also nur einer von 1000 Menschen“, sagt Isabel Vöhringer, die leitende Psychologin der Stiftung.

Oberstufe in wenigen Monaten

Was Laurent einmal werden will? Das weiß er noch nicht genau. Was er studieren will hingegen schon: Mathematik. Das war auch sein Lieblingsfach auf dem Gymnasium im belgischen Brügge, wo er in nur wenigen Monaten die Oberstufe durchlief. In der Regel sind die Schüler 18 Jahre alt, wenn sie dort das flämische Abitur machen, wie ein Mitarbeiter der Schule sagt.

Auch Erdkunde und Geschichte fand Laurent toll. „Am interessantesten fand ich den Kalten Krieg.“ Sein Vater ist Belgier, seine Mutter Niederländerin. Da beide voll eingespannt in ihrer Zahnarztpraxis waren, wuchs der kleine Laurent sechs Jahre lang bei den Großeltern im belgischen Ostende auf.

Bevor er nach Brügge wechselte, kam Laurent im Januar 2017 zunächst auf ein Privatgymnasium in Amsterdam. Das ging eigentlich schon in der ersten Woche schief, erinnert sich seine Mutter. „Kaum hatte der Lehrer eine Frage gestellt, gab Laurent die Antwort“, sagt Lydia Simons. „Das fanden die anderen Kinder natürlich auch nicht schön.“ Schließlich wurde ein maßgeschneidertes Unterrichtspaket für ihn entwickelt. Und ganz wichtig: Er bekam Einzelunterricht.

Laurent, sagt sein Vater, blühte auf. „Wenn er echt gefordert wird, dann geht es rasend schnell, zu schnell für uns.“

Der Junge absolvierte Grundschule und Gymnasium im Rekordtempo. In Amsterdam machte er noch ein Praktikum bei einem Kardiologen. In den Sommerferien besuchte er Sonder-Kurse für Hochbegabte. Und nun bekam er das Abiturzeugnis.

Doch als Laurent das schmucklose Diplom im A4-Format in der Hand hielt, reagierte er wie viele Abiturienten. „Dafür habe ich nun so hart gearbeitet.“ Laurent kichert leise, als er an den Moment zurück denkt. „Aber ich bin auch echt stolz.“

Einzelunterricht an der Universität

Nach dem Sommer will er mit dem Studium beginnen. Die Familie reist nun durch Europa auf der Suche nach einer geeigneten Universität. Nein, der achtjährige Junge wird nicht gemeinsam mit 20-Jährigen im Hörsaal sitzen. Vermutlich könnte er kaum über den Tischrand schauen. Er wird Einzelunterricht von Professoren bekommen. „Mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit in Belgien oder den Niederlanden“, weiß Laurent. Am liebsten in der Nähe von Oma und Opa und seinen Freunden.

Doch erst mal sind da noch die Sommerferien. Auch ein kleines Genie kann das Nichtstun genießen. „Wir fahren nach Marbella“, sagt er und freut sich: „Da kann ich mit Jet-Ski fahren und schwimmen.“ Und er fährt mit seinen Eltern in den Europa-Park in Baden-Württemberg.

Jetzt aber muss er noch ein paar Interviews geben. „Das ist mal schön, aber manchmal auch doof“, sagt er sehr diplomatisch. Denn die Fragen könnten ganz schön nerven. Die Eltern hoffen aber, dass Laurent nach dem ganzen Wirbel in Ruhe gelassen wird und das tun kann, was er am liebsten will: nachdenken und Lernen.

Von RND/dpa/Annette Birschel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Es war ein offenes Geheimnis, jetzt gibt es die offizielle Bestätigung: Altkanzler Gerhard Schröder hat zum fünften Mal geheiratet. Das sagte seine Frau Soyeon Kim dem Magazin „Bunte“. Die große Feier steht im Herbst an.

11.07.2018

Die aus einer Höhle in Thailand geretteten Jungen sind laut der behandelnden Ärzte wohlauf. Ein Drama spielte sich unmittelbar nach dem Happy End um einen der Helden der Rettungsaktion, einen australischen Arzt, ab.

11.07.2018

Feuerwehrleute haben in einer Wohnung in der südfranzösischen Stadt Pau die Leichen von vier Erwachsenen und einem Kind gefunden. Die Wohnung sei voller Rauch gewesen, als die Einsatzkräfte sie am frühen Dienstagmorgen betreten hätten, sagte ein Sprecher der örtlichen Feuerwehr.

10.07.2018