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Panorama Magersüchtige bewerten Figuren anderer Menschen realistisch
Nachrichten Panorama Magersüchtige bewerten Figuren anderer Menschen realistisch
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23:10 22.08.2012
Unrealistisch: Eine Frau betrachtet sich in einem Zerr- und Wellenspiegel. Quelle: Holger Hollemann / Archiv

Magersüchtige können die Körper anderer Menschen realistisch wahrnehmen, obwohl ihnen das bei sich selbst nicht gelingt. Das berichtet eine Forschergruppe um Dewi Guardia von der Universitätsklinik im französischen Lille im Fachjournal "Plos One".

Die Fehleinschätzung könnte nach Angaben der Forscher unter anderem im zentralen Nervensystem der Magersüchtigen liegen. Ihrer Annahme zufolge speichert dies die neue ausgemergelte Figur der Erkrankten nicht sofort ab. Daher seien die Patienten der Meinung, immer noch so viel zu wiegen wie zuvor.

"Die Hypothese, dass es sich um ein Gedächtnisproblem der Patienten handelt, ist noch sehr gewagt. Die Annahme ist spannend, jedoch sind noch viele Tests nötig", erläutert Prof. Stephan Bender von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie in Dresden. Dass Magersüchtige ihre Körper dicker einschätzen als sie sind, bestätigte Bender der Nachrichtenagentur dpa. "Alle Menschen überschätzen ihren eigenen Körper in gewissem Maße. Bei Magersüchtigen ist dies viel stärker ausgeprägt." Das Problem liege bei ihnen nicht in der visuellen Wahrnehmung, sondern in der Bewertung des eigenen Körpers. "Fremde Körper bewerten die Magersüchtigen korrekt. Bei sich selbst kommt die persönliche, beurteilende Dimension dazu."

Im Rahmen ihrer Studie zeigten die amerikanischen Wissenschaftler 25 essgestörten und 25 gesunden Menschen eine türähnliche Öffnung. Die magersüchtigen Patienten sollten einschätzen, ob sie selbst oder einer der gesunden Menschen durch die Öffnung hindurchpassen. Dabei zeigte sich, dass Magersucht-Patienten ihren eigenen Körper völlig falsch einschätzen, bei anderen Menschen aber meist richtig liegen. Bereits frühere Studien zeigten, dass Magersüchtige ihren Körper zu dick fanden, um durch die Öffnung zu gehen - obwohl sie mehr als groß genug für sie gewesen wäre.

dpa

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