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Panorama Minister Ramsauer schaltet sich beim Mainzer Bahn-Chaos ein
Nachrichten Panorama Minister Ramsauer schaltet sich beim Mainzer Bahn-Chaos ein
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17:12 09.08.2013
Die Zugausfälle am Mainzer Hauptbahnhof wegen des Personalmangels werden höchstwahrscheinlich noch länger dauern. Quelle: Fredrik von Erichsen
Mainz/Berlin

Beide schätzten das Problem gleich ein, hieß es in Ministeriumskreisen.

Es müsse sichergestellt werden, dass die Situation in Mainz ein Einzelfall bleibe. Die Probleme werden auch den Bahn-Aufsichtsrat bei der nächsten Sitzung beschäftigen, wie Ramsauers Staatssekretär Michael Odenwald mitteilte. Odenwald gehört selbst dem Gremium an.

Seit einer Woche fallen in Mainz viele Züge aus oder werden umgeleitet, denn knapp die Hälfte der 15 Fahrdienstleiter für das Stellwerk ist krank oder im Urlaub.

Die Probleme für Fern- und Regionalzüge werden bis mindestens Ende August dauern. Sie verschärfen sich ab Montag noch. Dann gibt es auch tagsüber größere Einschränkungen, nicht nur abends und nachts.

Das Unverständnis im Bundesverkehrsministerium ist groß. Staatssekretär Odenwald schrieb der Bahn, die weitgehende Abkopplung des Mainzer Hauptbahnhofes sei "nicht akzeptabel". Die Bahn solle prüfen, ob Mitarbeiter aus dem Urlaub geholt oder von anderen Standorten aus eingesetzt werden könnten. Dies hatte die Bahn am Donnerstag allerdings bereits verneint mit der Begründung, das Stellwerk in Mainz sei sehr komplex.

Das Eisenbahn-Bundesamt leitete ein Verfahren ein. Dabei werde ein möglicher Verstoß der Bahn-Tochter DB Netz AG gegen die Betriebspflicht untersucht, sagte Sprecher Moritz Huckebrink. Das Bundesamt erwarte eine Stellungnahme der Bahn, wie der sichere Betrieb in Mainz unverzüglich wieder aufgenommen werden könne.

Der Chef des Bundestags-Verkehrsausschusses, Anton Hofreiter (Grüne), sagte "Handelsblatt online": "Positive Geschäftsbilanzen sind Rüdiger Grube offenbar wichtiger als Personalmangel, Zugausfälle, Verspätungen."

Der Personalmangel in Stellwerken wurde nach Ansicht der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft von der Bahn lange ignoriert. Die Arbeitnehmervertreter hätten seit 2011 auf die Unterbesetzung in den Stellwerken hingewiesen, die jetzt in der Rhein-Main-Region zu wochenlangen Zugausfällen führen werden, sagte der Vorsitzende Alexander Kirchner der Zeitung "Die Welt" vom Freitag. Der NRW-Landesgeschäftsstellenleiter der EVG, Jürgen Hoffmann, betonte: "Mainz ist überall." Die Personaldecke sei extrem dünn.

Das Chaos wird in Rheinland-Pfalz zur Chefsache: Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Verkehrsminister Roger Lewentz (beide SPD) laden für Dienstag zum Bahngipfel nach Mainz - teilnehmen sollen Bahn, Gewerkschaft, Fahrgastverband und andere. Lewentz schrieb Ramsauer, der Bundesverkehrsminister trage "die politische Verantwortung" auch für die Deutsche Bahn. Deshalb wolle er wissen, welche politischen Weichenstellungen Ramsauer vorschlage, "um dem Unternehmen Bahn wieder eine solide personelle Basis zu geben".

Die Bahn kann nur mit Notfahrplan fahren. Ab Montag gilt im Regionalverkehr Stunden- statt Halbstunden-Takt. Einschränkungen gibt es von und nach Alzey, Bad Kreuznach und Worms. Teils werden Busse eingesetzt. An Fernzügen halten tagsüber in Mainz nur noch die IC Hamburg-Stuttgart und Ruhrgebiet-Stuttgart. Bisher traten die Probleme vor allem abends und nachts auf.

Der Fahrgastverband Pro Bahn forderte die Aufgabenträger für den Regionalverkehr auf, der Bahn das Geld zu kürzen. Der Zweckverband für das südliche Rheinland-Pfalz kündigte bereits an, dies zu tun. Für Züge, die nicht fahren könnten, werde keine Streckenmaut und keine Stationsgebühr bezahlt, sagte ein Sprecher des Schienenpersonennahverkehrs Rheinland-Pfalz Süd. Die Deutsche Bahn müsse vor allem Pendler entschädigen.

Verspätungen wie am Mainzer Hauptbahnhof richten einer Umfrage zufolge große Schäden bei deutschen Firmen an. "Sie kosten die Unternehmen auch Geld und gefährden Umsatzziele", sagte der Präsident des deutschen Geschäftsreiseverbands (VDR), Dirk Gerdom. Bei einer Umfrage unter Mitgliedsunternehmen hätten 98 Prozent angegeben, in diesem Jahr schon von Beeinträchtigungen bei der Bahn und bei Airlines betroffen gewesen zu sein.

dpa

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