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Panorama Modest Fashion: Der Markt für verhüllende Mode für Frauen wächst
Nachrichten Panorama Modest Fashion: Der Markt für verhüllende Mode für Frauen wächst
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14:54 13.10.2018
Der Markt für Modest Fashion, also verhüllende Mode speziell für religiöse Kundinnen, wächst – und zieht immer mehr große Designer an. Quelle: Archiv
San Francisco

Das überdimensionale Foto eines Models mit einem kunstvoll drapierten Kopftuch leuchtet von der eleganten Fassade des de-Young-Kunstmuseums in San Francisco. Daneben die Fakten: 1,8 Milliarden Muslime, 53 Designer, eine globale Ausstellung.

Mit der Schau „Contemporary Muslim Fashions“ betritt das experimentierfreudige Museum Neuland. Für die erste große Ausstellung über zeitgenössische muslimische Mode haben die Kuratoren Leihgaben aus aller Welt zusammengetragen, darunter Haute-Couture-Stücke, aber auch gewöhnliche Straßenkleidung. Im kommenden Jahr kommt die Schau nach Frankfurt.

Es ist der spektakuläre Abschied des gebürtigen Österreichers Max Hollein, der nach zwei Jahren als Museumsleiter in San Francisco in diesem Sommer an das New Yorker Metropolitan Museum wechselte. 2001 bis 2016 wirkte er in Frankfurt, unter anderem an der Schirn Kunsthalle. „Manche Leute glauben noch, es gibt gar keine Mode für muslimische Frauen“, sagt der 49-Jährige am Rande seiner Stippvisite zur Eröffnung der Schau. Er wolle mit Unwissen und Missverständnissen aufräumen. „Dies ist derzeit eine der künstlerisch interessantesten Modeszenen überhaupt“, erklärt Hollein.

Schönheit in der Verschleierung

Schwarze Wände und riesige Augen hinter einem Lochmusterornament – wie hinter dem Sehgitter einer Burka versteckt – sind die Kulisse für bodenlange Gewänder und Überwürfe, modische Abwandlungen des traditionellen schwarzen „Abaya“. Hier beginnt der Rundgang durch eine Schau mit mehr als 80 Outfits auf Schaufensterpuppen, 40 Fotos und Social-Media-Exponaten.

Hijab-Kopftücher sind als Modeaccessoires zu sehen, werden aber auch von der Bloggerin und Rapperin Mona Haydar besungen. Das Video zu ihrem Song „Hijabi“ läuft in der Ausstellung. Damit hatte die in Syrien geborene Sängerin 2017 die umstrittene Kopfbedeckung zu Rap-Takten thematisiert.

Ein Kopftuchschleier gehört auch zu dem roten, reich bestickten Seidenoutfit, das die in den USA geborene Stylistin Saba Ali in der pakistanischen Heimat ihrer Eltern für ihre Hochzeit anfertigen ließ. Die vierfache Mutter, mit schwarzem Kopftuch und rot geschminkten Lippen, hat die Kuratoren der Ausstellung mit beraten. „Hoffentlich lernen die Besucher, dass die muslimische Welt voller Vielfalt ist. Keiner zwingt uns dazu, uns zu verhüllen, doch ich sehe Schönheit in der Verschleierung“, sagt die Amerikanerin.

Ein Design von Melinda Looi Quelle: Sebastian Kim

Modest Fashion oder verhüllende, nicht körperbetonte Mode, kann extrem kreativ, elegant und bunt sein. Das zeigen die Designs von Dian Pelangi aus Indonesien. Die 27-jährige Modebloggerin hat ihre opulenten Gewänder schon auf Modeschauen in Paris und New York gezeigt.

„Mit der rasch wachsenden Gruppe junger Muslime ist der Markt für Modest Fashion enorm angewachsen“, sagt die britische Kunsthistorikerin Reina Lewis, die seit vielen Jahren muslimische Mode studiert. Etwa 44 Milliarden Dollar, umgerechnet etwa 38 Milliarden Euro, werden weltweit im Jahr für verhüllende Mode ausgegeben, so die jüngsten Schätzungen.

Sportmarken sind auf den Trend aufgesprungen, etwa mit Sportkopftüchern und Ganzkörperbadeanzügen, ebenso die Haute Couture. Das Ende des „Contemporary Muslim Fashions“-Rundgangs krönen Designerstücke von Yves Saint Laurent, Karl Lagerfeld und Jean Paul Gaultier. Einige davon wurden von arabischen Herrscherhäusern in Auftrag gegeben.

Blouson von Céline Semaan Vernon für Slow Factory. Quelle: Sebastian Kim

Neben Kleidung werden aber auch Filme und Fotos gezeigt, darunter Aufnahmen der Fotografin Hengameh Golestan, die im Jahr 1979 Proteste iranischer Frauen gegen die Einführung der Zwangsverschleierung dokumentierte. „Es ist bewusst eine Ausstellung zu einem durchaus brisanten, komplexen Thema. Es geht darin auch um die Frage des Burkini- und Verschleierungsgebots“, sagt Max Hollein.

Natürlich fließt auch das von US-Präsident Donald Trump mit dem „Muslim Ban“ geforderte Einreiseverbot für Menschen aus mehreren islamischen Ländern mit ein. Doch die Idee für die Schau sei ihm schon vor seinem Umzug in die USA und vor Trumps Wahl ins Weiße Haus gekommen, sagt Hollein. „Das war auf Reisen nach Teheran und anderen Orten, wo ich überrascht war, wie modisch dort mit Kleidungsvorschriften umgegangen wurde.“

In San Francisco ist die Ausstellung bis Anfang Januar zu sehen, danach kommt sie im April 2019 nach Frankfurt am Main ins Museum für Angewandte Kunst. „Wir wollten sie unbedingt in Europa zeigen, insbesondere in einer Stadt mit einem starken Migrationshintergrund“, sagt Hollein. Auch eine weitere Station im arabischen Raum wird angestrebt. „Ich bin mir sicher, dass die Schau mit ihren vielen Facetten an jedem Ort etwas anders verstanden wird.“

Von Barbara Munker