Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Panorama Mord: Späte Strafe für deutschen "Rockefeller"
Nachrichten Panorama Mord: Späte Strafe für deutschen "Rockefeller"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:30 15.08.2013
In Kalifornien ist der wegen Mordes angeklagte Deutsche Christian Gerhartsreiter jetzt zu 27 Jahren bis lebenslanger Haft verurteilt worden. Quelle: Walt Mancini/Archiv
Los Angeles

Mindestens 27 Jahre bis lebenslang wird der 52-Jährige für einen fast drei Jahrzehnte alten Mord hinter Gitter verbringen. Diese Haftstrafe verkündete Richter George Lomeli am Donnerstag im Gericht von Los Angeles.

Der Brillenträger mit schütterem Haar, der sich früher gerne als Filmemacher, Börsenmakler und Sprössling reicher Familien ausgab, versuchte im Gericht noch einmal groß aufzutreten. "Ich habe das Verbrechen nicht begangen", sagte Gerhartsreiter nach Angaben der "Los Angeles Times". Er glaube fest daran, dass die Ehefrau des Opfers den Mord begangen habe. Das wolle er in einem neuen Prozess beweisen.

Der Insasse Nr. 2800458 im Männergefängnis von Los Angeles stand als sein eigener Anwalt vor dem Richter. Sein Verteidigerteam hatte er vor wenigen Wochen gefeuert. Gerhartstreiter brachte einen dicken Stapel Unterlagen mit ins Gericht. Er wollte eine längere Erklärung vorlesen, doch dazu kam es nicht. Der Richter sprach ein Machtwort und verhängte das Strafmaß.

Ein Geschworenengericht hatte Gerhartsreiter im April schuldig befunden, vor 28 Jahren den Sohn seiner Vermieterin getötet zu haben. Der Deutsche lebte in den 1980er Jahren unter dem Namen Christopher

Chichester in Kalifornien. Später gab er sich auch als "Clark Rockefeller" aus und nahm weitere falsche Namen und Identitäten an.

Das damals 27 Jahre alte Mordopfer John Sohus und dessen Frau Linda waren 1985 spurlos verschwunden. Gerhartsreiter lebte damals in einem Gästehaus auf dem Grundstück der Sohus-Familie in Kalifornien. Die Leiche des Mannes wurde neun Jahre später bei Bauarbeiten im Garten seines Elternhauses gefunden, sie konnte erst 2008 mit neuen DNA-Methoden identifiziert werden. Von der Frau fehlt bis heute jede Spur.

Nach dem Verschwinden des Paares siedelte der Deutsche an die US-Ostküste um, wo er unter verschiedenen Namen lebte, darunter als "Clark Rockefeller". Auch seine damalige Frau Sandy Boss, eine reiche Unternehmensberaterin, hielt er mit schillernden Geschichten zum Narren. All das kam 2008 nach einem Sorgerechtsstreit ans Licht, als er in Boston seine damals siebenjährige Tochter entführte. Er wurde zu vier Jahren Haft verurteilt, dann folgte die Mordanklage in

Kalifornien.

Es gab keine Tatwaffe, keine Augenzeugen und keine Blutspuren, die den Deutschen mit dem Mord direkt in Verbindung brachten. Und doch waren sich die Geschworenen nach einem mehrwöchigen Mordprozess im Frühjahr schnell einig. Es kamen Dutzende Zeugen zu Wort, die Gerhartsreiter als notorischen Lügner und Hochstapler beschrieben. Ein "Meister" im Manipulieren, der sich über Jahrzehnte hinter verschiedenen Identitäten versteckte und Zugang zu reichen Kreisen suchte.

Mit einer stumpfen Waffe und einem scharfen Objekt

tötete er laut Anklage das Opfer kaltblütig. Die zerstückelte Leiche, in Plastiktüten verpackt, lag im Garten der Sohus-Familie vergraben. Nach dem hollywoodreifen Justizdrama mit Schuldspruch und Haftstrafe - nach 27 Jahren Mindesthaftzeit wird ein Berufungsausschuss die weitere Haftlänge prüfen - dürfte der deutsche Hochstapler und Mörder nun für viele Jahre aus dem Rampenlicht verschwinden.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bunte Farben und lange Hautlappen am Kopf gelten unter Truthähnen als attraktiv. Prächtigen Schmuck tragen jedoch nur Vögel, die sich bei Rangkämpfen durchgesetzt haben.

15.08.2013

Im Erdmittelalter war eine Gruppe von Säugertieren besonders erfolgreich. Die sogenannten Multituberculata waren zahlreicher und entwickelten mehr Arten als andere Säuger.

15.08.2013

Wissenschaftler haben ein neues Raubtier entdeckt: den Olinguito. Das Tier sieht aus wie eine Mischung aus Katze und Teddy und lebt in den Nebelwäldern der Anden.

15.08.2013
Anzeige