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Panorama "Mein Münster bleibt Friedensstadt"
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17:03 08.04.2018
Von Niklas Wieczorek
Der Prinzipalmarkt in Münster, im Hintergrund die Lambertikirche: Wer dieser Straße folgt, gelangt nach 400 Metern zum Kiepenkerl. Quelle: Niklas Wieczorek
Kiel

Der Tatort liegt auf halber Strecke zwischen Münsters stets als guter Stube tituliertem Prinzipalmarkt und dem Amüsierquartier Kuhviertel: Die idyllische wie zentrale Lage ließ entsetzliche Befürchtungen hochkochen. Mit einem Kleintransporter war ein 48-Jähriger aus Münster in eine Menschenmenge gerast.

Der Kreis von Personen, die dort zu Gast gewesen sein könnten, war zwar nicht groß – aber wie viele Familienmitglieder und Freunde hätten an diesem schönen Frühlingstag vorbeigehen können? Für sie schlug mein Herz stundenlang bis zum Hals, zumal sehr schnell von Toten und vielen Verletzten die Rede war.

Auch Facebook gebührt Dank

Etliche Telefonate und Nachrichten später hatten sich immer mehr gemeldet. Selbst Marc Zuckerbergs Datenkrake Facebook gebührt Dank: Der Krisen-Check zeigte, wer in Sicherheit ist – auch ich wurde schließlich als sicher markiert. Eben weil Facebook weiß, wo ich herkomme und diese Anfrage auch penetrant angezeigt wurde. In diesem Fall war das wohl gut.

Nicht auszuhalten waren die weiteren Stunden der Unsicherheit, befeuert von Gerüchten weiterer Taten, Unwissen über Täter und Opfer – und sie sind es noch immer nicht. Denn trotz mehr Klarheit in den Ermittlungen sinkt die Trauer über die Toten und Verletzten und das Mitgefühl mit ihren Angehörigen nicht.

Der Kiepenkerl bleibt ein Münstersches Symbol

In Münster war 1648 der Vertrag zum Westfälischen Friede unterzeichnet worden, der 30 Jahre Blutvergießen in Europa beendet hat. Doch Münster sei jetzt nicht mehr Friedensstadt, hieß es am Sonnabend. Das ist falsch.

Der Frieden geht von den Münsteranern aus, die besonnen reagierten, Hilfe leisteten, zum Blutspenden in die Uniklinik pilgerten, wo der Krisenfall ausgerufen worden war. Sie sind Münster, sie sind meine Heimat.

Lesen Sie auch: Eine absolute Sicherheit ist nicht möglich

Das Tatfahrzeug kam hinter dem Kiepenkerl-Denkmal zum Stehen, das unversehrt blieb. Der Kiepenkerl selbst war übrigens ein Händler, der mit seinen Waren in einem riesigen Korb auf dem Rücken von einem westfälischen Ort zum nächsten zog. Er war ein Symbol der Verbindung und ging doch stoisch immer weiter. So wird es auch mein Münster tun.

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Niklas Wieczorek arbeitet bei den Kieler Nachrichten. Quelle: Ulf Dahl

Zum Autor: Niklas Wieczorek (Redakteur bei den Kieler Nachrichten) ist in Münster aufgewachsen. Noch heute besucht er seine Familie dort regelmäßig.

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