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Panorama Orange Wine: Die orangefarbene Weinrevolution
Nachrichten Panorama Orange Wine: Die orangefarbene Weinrevolution
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14:00 09.02.2019
Mehr als ein Spleen? Orange Wine ist dabei, sich als feste Größe zu etablieren. Quelle: Katerina Solovyeva/Fotolia
Hannover

Bei Getränken sind die Trends manchmal fast so schnelllebig wie in der Mode – ständig kommt irgendwas Neues ins Glas, immer muss es anders aussehen und vor allem innovativ schmecken.

Die jüngsten Neuheiten aus diesem Bereich aber lassen sich auf einen guten alten Nenner bringen: zurück zu den Wurzeln. Craftbeerhersteller beleben alte Sorten wie IPA und Pale Ale. Beim Kaffee ist sortenrein wieder ein Qualitätsmerkmal. Und nun hat es auch noch den Wein erwischt.

Orange Wine ist für viele die Entdeckung des Jahres, selbst wenn es ihn schon eine Weile gibt. Der Name kommt nicht etwa durch eine besonders fruchtige Note zustande – allein durch die Farbe. Beim Orange Wine handelt es sich, vereinfacht gesagt, um einen Weißwein, der mehr oder weniger wie ein Rotwein hergestellt wird – bei dem also bei der sogenannten Maischegärung die Beerenschale mit dem Most in Kontakt bleibt. Danach werden die Trauben im Gegensatz zur Rotweinbereitung aber oft erst nach Wochen oder Monaten gepresst.

Uralte Herstellungsmethode

Die Gerbstoffe der Schale bewirken gleich mehreres: die tatsächlich bernstein-orange schimmernde Farbe, den herben Duft und vor allem einen für manchen etwas gewöhnungsbedürftigen Geschmack. Lieblich ist ein Orange Wine selten; eher kräftig würzig, manchmal sogar leicht säuerlich. Anders gesagt: Es ist ein Weißwein im Gewand eines Rotweins.

Klingt innovativ, ist aber streng genommen uralt: Schon vor mindestens 5000 Jahren vergruben Georgier Amphoren im Boden, um darin Trauben mitsamt Schale gären zu lassen – die ersten heute bekannten Anzeichen für Wein. Der Vorteil: Es werden dabei keinerlei Zusatzstoffe benötigt. Viele Orangeweine kommen aus biologischem Anbau, eine Voraussetzung ist dies aber nicht.

Aus Georgien schwappten diese Weine zunächst nach Italien. Inzwischen experimentieren Weingüter rund um den Globus damit. Egal ob in Österreich, Deutschland, in Luxemburg oder Italien – vielerorts füllen Winzer riesige Tongefäße, um darin Wein nach althergebrachter Methode herzustellen. Andere nutzen Gärbottiche aus Holz, wieder andere handelsübliche Stahltanks. Ein Erfolgsrezept gibt es nicht.

Kräftig würzig, manchmal sogar leicht säuerlich: Orange Wines sind ausgesprochen komplexe und körperreiche Weine, die durchaus polarisieren. Quelle: Getty Images/iStockphoto

„Allen gemeinsam ist die lange Maischestandzeit“, verdeutlicht Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut. „Sie prägt den Weincharakter stärker als der Lagerbehälter.“

Viele Winzer versuchen sich in dieser Methode, um erst mal darin Erfahrungen zu sammeln. Das führt bisweilen zu durchaus wechselnden Qualitäten, und mancher Weinexperte tut den Trend auch noch als eine Art Spleen übereifriger Weinbauern ab.

Andere aber sehen in der orangefarbenen Revolution eine vierte Weinfarbe neben Weiß, Rot und Rosé. Nach offizieller Definition ist sie das bislang nicht – aber die Fangemeinde wächst. In Wien gibt es bereits ein Festival für die neue Sorte. Und in Großbritannien haben sogar Discounter Orange Wine ins Sortiment aufgenommen.

„Dieser Weintyp polarisiert“

„Dieser Weintyp polarisiert durchaus“, sagt Weinexperte Büscher. „Er hat aber auch eine Fangemeinde unter den Weinfreaks.“ Orange Wines seien ausgesprochen komplexe und körperreiche Weine. Auch auf den Einsatz des konservierenden Schwefels werde bei ihnen so weit wie möglich verzichtet, teilweise sogar komplett. Dennoch sind sie oft sehr lange lagerfähig.

„Mittlerweile gibt es auch immer öfter so etwas wie Orange Wine light“, hat Büscher beobachtet. Leicht durch einen kürzeren Maischekontakt als bei den „richtigen“ Weinen. Das Experimentieren mit dieser neuen alten Art des Weins ist in vollem Gang. Ein Ende? Nicht abzusehen. Schließlich hat er schon jetzt 5000 Jahre überdauert.

Von Michael Pohl

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