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Panorama Polizist randaliert und überfällt Taxi – Freispruch
Nachrichten Panorama Polizist randaliert und überfällt Taxi – Freispruch
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09:30 30.10.2018
Ein betrunkener Polizist überfiel und verletzte nach der Weihnachtsfeier einen Taxifahrer. Quelle: Lino Mirgeler/dpa
Lübeck

Vorsicht vor feucht-fröhlichen Weihnachtsfeiern! Nach einer solchen Party mit Kollegen nämlich geschah das, weshalb sich ein 26-Jähriger jetzt vor dem Amtsgericht Lübeck verantworten musste, wie die „Lübecker Nachrichten“ berichten.

Der damals 24-Jährige hatte nach der Feier ein Fahrrad entwendet, einen Taxifahrer überfallen und verletzt, eine falsche Verdächtigung ausgesprochen und letztlich auch noch Widerstand gegen Polizeibeamte geleistet. Das zumindest sah das Gericht unter Vorsitz von Richter Felix Spangenberg als erwiesen an. Das Abstruse: Der junge Mann ist selbst Polizist in Hamburg.

Weihnachtsfeier in Lübeck

Der Vorfall: Am 13. November 2016 hatten die Hamburger Beamten ihre Weihnachtsfeier nach Lübeck verlegt. Ein Hotel war für die Nacht gebucht, die rund 15 Kollegen gingen bowlen, aßen in einem Restaurant, besuchten eine Cocktailbar. An allen Stationen wurde ordentlich getrunken.Während sich die älteren Polizisten gegen 23.30 Uhr gen Hotel verabschiedeten, gingen die jüngeren in eine Disco – darunter André K.

Tanzen im Club

Die Stimmung schilderten K.’s Kollegen als gut, „wir waren alle angetrunken, haben gefeiert und getanzt“, so eine 32-jährige Beamtin. Was eine 36-jährige Kollegin bestätigt: „Wir hatten viel Spaß, André war gut drauf.“ Sie habe ein Auge auf ihn gehabt, weil sie befürchtete, dass er beim Antanzen fremder Frauen möglicherweise deren Partner provoziere. Irgendwann verlor sie ihn aus den Augen, suchte ihn vergeblich.

Allein und betrunken in Lübeck

André K. hatte derweil den Club verlassen – warum, wisse er nicht. Auf alle Fälle habe er nicht mehr gewusst, in Lübeck zu sein. „Ich war wie in einem Traum, alles war gedämpft, ich war in irgendeiner Straße irgendeiner Stadt.“ Und dann geschah das, was ihm jetzt den Gerichtstermin bescherte.

„Ich war verwirrt“

André K. schildert auch zwei Jahre später noch, er sei „sehr verwirrt gewesen“, erst nach seiner endgültigen Festnahme, Bluttests und dem Transport ins Krankenhaus sei ihm irgendwann klar geworden, „dass es kein Traum war, in dem ich mich die ganze Zeit befunden hatte.“

Erinnerungsverfälschungen

Ein psychiatrischer Gutachter versicherte, K. weise keinerlei psychische Erkrankungen auf, auch seine Biografie sei unauffällig. Seine Tat habe er als „Filmriss“ geschildert. Was sein könne, da der junge Polizist, der nach eigenen Angaben alle zwei bis drei Monate einmal ein paar Gläser Wein trinkt, zur Tatzeit rund 1,7 Promille Alkohol im Blut gehabt haben müsste. Sogenannte Derealisierungs-Vorgänge seien nicht selten bei Menschen, die wenig Alkohol trinken. „Dazu passt, dass gewisse Erinnerungsverfälschungen vorhanden sind.“

„Hilfloser Versuch der Rechtfertigung“

Staatsanwältin Bettina von Holdt sah keine Hinweise auf eine verminderte Steuerungsfähigkeit, die Einlassungen des Angeklagten seien ein „hilfloser Versuch, sein Handeln im Nachhinein zu rechtfertigen.“ Sie forderte eine Gesamtstrafe von zwei Jahren sowie diverse Geldstrafen.

Entwirklichte Wahrnehmung

Dass das Schöffengericht sich für einen Freispruch entschied, begründete Richter Spangenberg zum einen damit, André K. sei ab 3 Uhr morgens „in einem pathologischen Ausfall-Zustand“ gewesen – in einem Zustand einer „entwirklichten Wahrnehmung“. Auch Taxifahrer Mehmet A. (Name geändert) habe mit seiner Aussage, der Angreifer habe vollkommen unnormal gehandelt, diesen letztlich entlastet. Der Unfug, den K. am „Tatort“ erzählt habe, nämlich dass es sein Taxi sei, „war so aussichtslos, dass es sich nur um eine Entwirklichung“ handeln könne.

„Ein lieber, fleißiger, engagierter Kollege“

Zudem gebe es kein Motiv für K., der in allen dienstlichen Belangen von seinen Kollegen als tadellos bewertet worden war. Eine der Kolleginnen hatte ausgesagt, er sei „ein lieber, fleißiger, engagierter Kollege und ein ganz toller Mensch.“

Von Sabine Risch/LN/RND

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