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Panorama Tödliche Schüsse auf Klan-Mitglied: Eskalation befürchtet
Nachrichten Panorama Tödliche Schüsse auf Klan-Mitglied: Eskalation befürchtet
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18:16 11.09.2018
Polizisten am Tatort. Hier, am Tempelhofer Feld in Berlin, wurde der Intensivtäter Nidal R. niedergeschossen. Er starb später an seinen Verletzungen. Quelle: Paul Zinken/dpa
Berlin

Nach den tödlichen Schüssen auf den Berliner Intensivstraftäter Nidal R. wird intensiv nach Tätern gesucht. Bislang sei kein Verdächtiger gefasst worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Sicherheitsexperten befürchten indes eine Eskalation der Gewalt zwischen kriminellen Mitgliedern arabischer Großfamilien. Die Leiche des 36-Jährigen wurde am Dienstag nach der Obduktion freigegeben. Die Polizei ging von einer zeitnahen Beisetzung aus und kündigte an, dort präsent zu sein.

Nidal R. war am Sonntagabend in Neukölln vor den Augen seiner Familie niedergeschossen worden. Auf den 36-Jährigen war aus einer Gruppe heraus achtmal gefeuert worden, er starb wenig später im Krankenhaus. Vor der Klinik in Steglitz hatte sich eine aufgebrachte Menge versammelt. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz.

Attacke als unmissverständliches Zeichen

Norbert Cioma, Berliner Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), sagte der „Berliner Morgenpost“: „Wer die Szene halbwegs beobachtet, weiß, dass die tödliche Attacke am Sonntag ein klares Ausrufezeichen war, das bei allen Clans verstanden und garantiert nicht ungesühnt bleiben wird.“ Dass Auseinandersetzungen gewalttätig und ohne Skrupel auf Berlins Straßen ausgetragen werden, sei die Folge dessen, dass sie jahrzehntelang keinen durchsetzungsstarken Rechtsstaat gespürt hätten.

Bei der Beisetzung werde nicht mit gewalttätigen Auseinandersetzungen gerechnet, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf. Vielmehr sollten die vermutlich zahlreichen Trauergäste abgeschirmt werden. Auch der Verkehr müsse geregelt werden. Es werde eine Menschenmenge erwartet.

„Tendenz zur Bewaffnung“ macht Polizei Sorgen

Der Leiter der Abteilung Organisierte Kriminalität im Landeskriminalamt, Sebastian Laudan, hatte am Montag im Innenausschuss auf zahlreiche Aktionen gegen kriminelle Mitglieder von arabischstämmigen Clans verwiesen. Gleichzeitig werde mit Sorge eine „Tendenz zur Bewaffnung“ beobachtet. Vor allem die Rapper-Szene formiere sich neu und wachse verstärkt. Es gehe um viel Geld und Macht.

Die Ermittlungsbehörden versuchen nach LKA-Angaben, Racheakte zu verhindern. Demnach gibt es auch sogenannte Gefährderansprachen, in denen die Polizei Personen anspricht, von denen Gewalt ausgehen könnte. Damit soll signalisiert werden, dass man sie im Blick hat. Es würden aber auch gefährdete Menschen angesprochen. Auch Nidal R. soll von der Polizei vor einem Anschlag gewarnt worden sein.

Von RND/dpa