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Panorama US-Star Jussie Smollett: Anklage wegen Falschaussage
Nachrichten Panorama US-Star Jussie Smollett: Anklage wegen Falschaussage
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19:25 09.03.2019
Vom Opfer zum Angeklagten: Jussie Smollett. Quelle: Chicago Police/Imago
Chicago

US-Schauspieler Jussie Smollett muss sich wegen einer mutmaßlich vorgetäuschten Attacke auf seine Person vor Gericht verantworten. Eine Grand Jury in Cook County im Staat Illinois erhob bereits am Donnerstag Anklage in 16 Fällen gegen den Darsteller aus der TV-Serie „Empire“, wie er jetzt publik wurde. Der 36-Jährige ist derzeit gegen Kaution auf freien Fuß, kommende Woche soll er vor Gericht erscheinen. Ihm wird Falschanzeige vorgeworfen. Smolletts Anwalt beharrt auf dessen Unschuld.

Ende Januar behauptete der schwarze und offen schul lebende Smollett, dass zwei maskierte Männer ihn erst mit rassistischen und homophoben Sprüchen beschimpft, verprügelt, ihn mit einer unbekannten Chemikalie bespritzt und dann ein Seil um seinen Hals geschlungen hätten. Er sei zum Tatzeitpunkt auf dem Heimweg in seine Wohnung in Chicago gewesen.

Attacke fingiert

Die Polizei prüfte zunächst ein mögliches Hassverbrechen. Doch warf sie Smollett nach mehrwöchigen Ermittlungen vor, die Attacke fingiert zu haben. Er habe für die Inszenierung zwei Männer angeheuert, weil er mit seiner Gage bei „Empire“ unzufrieden gewesen sei und durch den Skandal seinen Namen habe bekannter machen wollen. Smollett hat dies zurückgewiesen.

Die Anklage in 16 Fällen bezieht sich auf acht Punkte rund um seine erste Aussage vor dem Polizisten, der auf den Notruf nach dem angeblichen Übergriff reagierte. Die anderen acht ergeben sich laut den Gerichtsakten aus Smolletts späteren Angaben vor einem Ermittler.

Falschaussage, um Karriere zu befördern

Die acht letzten Anklagepunkte sind besonders brisant, weil sie zwei Behauptungen umfassen, die weltweit für Aufsehen sorgten: Smollett sagte aus, dass er einen der Angreifer durch die Augenlöcher von dessen Maske als weißen Mann habe identifizieren können. Die am mutmaßlichen Täuschungsmanöver beteiligten Brüder sind aber dunkelhäutig. „Er nutzte den Schmerz und Zorn über Rassismus aus, um seine Karriere zu befördern“, sagte der ebenfalls schwarze Chicagoer Polizeichef Eddie Johnson Ende Februar über Smollett, als dieser erstmals formal beschuldigt wurde. Der Darsteller habe den Brüdern 3500 Dollar für die inszenierte Attacke gezahlt.

Zudem hatte Smollett dem Ermittler gesagt, dass einer der Angreifer ihm eine Seilschlinge um den Hals gelegt habe. Dies werteten Johnson und ein Richter als besonders anstößigen Missbrauch eines Symbols, das an die grässliche Geschichte von Lynchmorden an Schwarzen in den USA erinnere. Die Produzenten von „Empire“ gaben inzwischen bekannt, dass Smolletts Figur aus den letzten zwei Episoden der letzten Staffel gestrichen wird.

„Strafverfolgungsrechtlicher Overkill“

Smolletts Anwalt Mark Geragos kündigte eine vehemente Verteidigung seines Mandanten an. Der Darsteller bleibe dabei, unschuldig zu sein. Bei der Anklage in 16 Fällen gehe es lediglich um Rachsucht – dass die Grand Jury so entschieden habe, komme einem „strafverfolgungsrechtlichen Overkill“ gleich. Es handele sich bei der Anklage um einen „verzweifelten Versuch, Schlagzeilen zu machen, um von einer internen Ermittlung abzulenken“. Dabei bezog sich Geragos auf geleakte Informationen zum Fall Smollett aus der Chicagoer Polizeibehörde heraus. Lokale Medien hatten zuvor gemeldet, dass die Polizei der Weitergabe von Ermittlungserkenntnissen an die Presse nachgehe.

Von RND/dpa