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Panorama Verdächtiger wegen sechsfachen Mordes angeklagt
Nachrichten Panorama Verdächtiger wegen sechsfachen Mordes angeklagt
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06:42 31.01.2017
Äußerte sich bislang nicht zu seiner Tat: Der festgenommene Student Alexandre B. Quelle: AP/The Canadian Press
Québec

Nach der bewaffneten Attacke auf eine Moschee in der ostkanadischen Stadt Québec muss sich ein Tatverdächtiger wegen sechsfachen Mordes vor Gericht verantworten. Dem 27 Jahre alten Alexandre B. werde zudem versuchter Mord in fünf Fällen zur Last gelegt, wie Behörden am Montag (Ortszeit) mitteilten.

Am Abend erschien der mutmaßliche Täter kurz vor Gericht, wo er sich nicht zur Anklage äußerte. Für den 21. Februar ist eine weitere Anhörung geplant. Über das Motiv gab es noch keine offiziellen Angaben, doch berichteten Aktivisten in Québec von einer rechten Gesinnung des Verdächtigen.

Student mit Sympathie für Front National

In der Moschee in Québec hatten sich für traditionelle Abendgebete am Sonntagabend mehr als 50 Menschen versammelt, als ein bewaffneter Angreifer Schüsse abgab. Unmittelbar nach der Attacke wurde der Verdächtige B. in seinem Auto auf einer nahen Brücke festgenommen, wo er laut den Behörden einen Notruf absetzte und sich zur Kooperation mit der Polizei bereit erklärte. Zunächst wurde neben B. ein weiterer Mann als Verdächtiger genannt, doch hieß es später, dieser sei lediglich ein Zeuge und später freigelassen worden.

Der Tatverdächtige ist bei Aktivisten, die extremistische Gruppen in Québec beobachten, offenbar kein Unbekannter. B. habe auf seiner Facebook-Seite Sympathie für die rechtspopulistische Front National von Marine Le Pen und für US-Präsident Donald Trump bekundet, schrieb François Deschamps von der Organisation Bienvenues aux Refugiés auf Facebook. Die Gruppe setzt sich für Flüchtlinge ein.

B. studiert den Angaben zufolge an der Laval Universität in Québec Anthropologie und Politikwissenschaften. Auf dem Campus habe B. nationalistische und antifeministische Positionen vertreten, berichtete Deschamps.

Zwei Verletzte in kritischem Zustand

Kurz nach der Attacke auf die Moschee hatten Premierminister Justin Trudeau und Québecs Regierungschef Philippe Couillard von einem Terrorakt gesprochen. Die Opfer seien nur wegen ihrer Religion ins Visier genommen worden, sagte Trudeau am Montag in einer Rede im Parlament. Zudem wandte er sich direkt an die mehr als eine Million Muslime in Kanada und erklärte: „Wir stehen zu euch“. Später nahm Trudeau an einer Totenwache vor der Moschee teil.

Der stellvertretende Leiter der Moschee, Mohammed Labidi, sagte, unter den Toten seien Familienväter, Geschäftsleute und ein Universitätsprofessor. „Das ist eine sehr, sehr große Tragödie für uns.“

Neben den sechs Toten im Alter zwischen 39 und 60 Jahren gab es 19 Verletzte - allesamt Männer, wie die Behörden am Abend mitteilten. Von den Opfern, die noch stationär behandelt wurden, sind demnach zwei in kritischem Zustand.

Von dpa/RND/zys

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