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Panorama Warnung vor dramatischem Insektensterben
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09:53 15.07.2017
Insekten sind nicht lästig: Ihr Bestand nimmt ab, mit schlimmen ökologischen Folgen. Quelle: Foto: Dpa
Berlin

Das Bundesumweltministerium spricht von „dramatischen Rückgängen der Insektenbiomasse“. „Wer heute mit dem Auto übers Land fährt, findet danach kaum noch Insekten auf der Windschutzscheibe“, sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) dem RND.

Besonders gefährdet sind Falter, Heuschrecken – und die Schwebefliege: Untersuchungen zu Schwebefliegen, etwa im Wahnbachtal im Rhein-Sieg-Kreis, belegen ihren Rückgang um bis zu 70 Prozent im Laufe der zurückliegenden 25 Jahre. Die Schwebefliege zählt damit zur Kategorie der vom Aussterben bedrohten Insektenarten. Den Angaben der Bundesregierung zufolge sind auch zahlreiche Arten von Faltern und Heuschrecken vom Aussterben bedroht. Wer im Garten oder in der freien Natur noch einen Oder-Sackträger (spinnenartiger Falter), einen Braunweißen Labkrautspanner (Spannerfalter), eine Gefleckte Schnarrschrecke oder eine Östliche Grille (beides Heuschrecken) sichtet, kann sich glücklich schätzen, denn sie alle gibt es nur noch ganz selten. Unter den Käfern gilt der Laufkäfer als existenzbedroht. Daran wird sich wohl nichts ändern. „Bei den gegenwärtig im Vordergrund stehenden Einflussfaktoren, die die Bestandsentwicklung vieler Insektenarten bestimmen, zeichnet sich keine Entspannung ab, so dass sich die gegenwärtigen Bestandsabnahmen vieler Insektenarten fortsetzen dürften“, schreibt das Ministerium.

Bisher wurde nur der Rückgang der Honigbienen mit Aufmerksamkeit bedacht. Das mag daran liegen, dass er wegen des Lebens in Bienenstöcken leichter zu erfassen ist – oder auch am guten Ruf der Biene. Doch die Auflistung aus dem Ministerium zeigt, dass Bienen mitnichten die einzige bedrohte Insektenart sind. Andere sind schlimmer dran.

Die Hauptursache für das Verschwinden der Insekten sieht Hendricks in der Intensivierung der Landwirtschaft. „Die heutige Landwirtschaft macht den Insekten das Überleben schwer: Es werden große Mengen von Pestiziden eingesetzt, und es gibt zu wenig Blühstreifen und Hecken“, sagt Hendricks. Ein wichtiger Grund für den Insektenschwund sei der „übertriebene Einsatz“ von Insektiziden und von Totalherbiziden wie Glyphosat. „Darum darf es keine Neuzulassung für Glyphosat ohne effektive Auflagen zum Schutz der Artenvielfalt geben“, fordert Hendricks. Der umstrittene Unkrautvernichter soll laut EU-Kommission für weitere zehn Jahre zugelassen werden.

Zudem tritt Hendricks für ein anderes System der Agrarförderung ein: „In Zukunft sollen Landwirte nicht mehr nach Hektarzahl bezahlt werden, sondern nach dem, was sie für die Allgemeinheit leisten, zum Beispiel für den Artenschutz.“ Sie warnt davor, das Problem kleinzureden: „Die Folgen des Insektenrückgangs sind gravierend: Mit den Insekten schwindet auch die Nahrungsgrundlage für Vögel oder Fledermäuse“, betonte Hendricks.

Von Marina Kormbaki

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