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Panorama Warum nicht Würselen?
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19:57 05.05.2017
Und, was wissen Sie so über Würselen? Quelle: Fotolia
Hannover

Es kann nun also sein, dass wir demnächst einen Bundeskanzler aus Würselen haben. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal. Spitzenpolitiker aus Würselen, das ist weltweit einmalig, überhaupt nimmt jenseits der Landesgrenzen die statistische Anzahl von Kanzlerkandidaten aus Orten mit Umlauten stark ab, von St. Pölten mal abgesehen.

Dabei stammt Martin Schulz gar nicht aus Würselen, aber er wusste früh, dass er von Hehlrath aus, einem Ortsteil von Eschweiler mit der Karnevalskuh Billa als zentraler Sehenswürdigkeit, den Sprung in die Weltpolitik nicht schaffen würde. Also Würselen. Im Nachhinein: Eine richtige Entscheidung. Für ihn. Für Würselen. Ob für Deutschland, wird sich zeigen.

Bis Martin Schulz durchstartete, war Würselen für seine ausgiebigen Maifeiern bekannt, die Wand- und Standuhrenausstellung von Uhrmachermeister Kriescher, das im Guinness-Buch notierte Biergeschäft von Dieter Breuer mit 3000 Sorten – und die Tatsache, dass jeder, der Josef getauft wurde, sofort Jupp hieß. Unter anderem Fußballer Josef “Jupp“ Kapellmann und Fußballlehrer Josef “Jupp“ Derwall, der in der Bundestrainerhistorie vor allem dadurch auffiel, dass er zwischen Herberger, Schön und Beckenbauer als einziger ohne Titel blieb. Derwall ging als Häuptling Silberlocke in die deutsche Fußballgeschichte ein.

Der Style vom Dreiländereck

Letzteres ist ein wichtiges Detail, um das Phänomen Martin Schulz zu begreifen. Denn Würselen hat in Sachen Optik einige Hochkaräter hervorgebracht, unter anderem den Unheilig-Grafen und Fußballindianer Torsten Frings, ein würdiger Nachfolger von Häuptling Silberlocke. Hier, am Dreiländereck nahe Holland und Belgien, ist also der Style zu Hause. Kein Wunder, dass Würselen über eine bemerkenswerte Dichte an Friseuren verfügt, unter anderem die Salons Crumbach, Schiefer und Bock sowie Haarwerk und Hairlich. Kann da was schiefgehen?

Ja, dachte sich Martin Schulz und wählte die sichere Variante: obenherum ein gepflegtes Schiebedach und einen Gewerkschaftervollbart mit zentraler Grauzone und leichten Inspirationslinien des Grafen. Damit unterscheidet er sich nicht nur von Torsten Frings, sondern auch von Angela Merkel. Und das kann im Bundestagswahlkampf noch wichtig werden.

Von Uwe Janssen

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