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ZZ Top und Ian Hunter: Altrocker ohne Altersmilde

Musik ZZ Top und Ian Hunter: Altrocker ohne Altersmilde

Ihre Anfänge liegen knietief in den 70ern und die Hits schon länger zurück. Schadet aber gar nichts: Die neuen Alben von ZZ Top und Ian Hunter machen Riesenspaß.

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Ian Hunter hat es noch immer drauf.

Quelle: John Halpern

Berlin. Die Rock-Veteranen können es noch - von Altersmilde oder Müdigkeit keine Spur.

Billy Gibbons/Dusty Hill (die beiden berühmtesten Zottelbärte der Rockhistorie an Gitarre/Bass) und der Dritte im Bunde am Schlagzeug (ohne Bart, aber dafür mit dem Namen Frank Beard) bluesrocken auf "La Futura", wie man es aus ihren besten Zeiten kennt. Staubtrockene Southern-Riffs, schwere Boogie-Rhythmen, pumpende Bässe, wuchtige Drums und Gibbons' Krächzgesang - mehr braucht es nicht, um die Stimmung der großen, übrigens auch allesamt spanisch betitelten ZZ-Top-Alben der Seventies heraufzubeschwören.

Das geht mit "I'm Gonna Get Paid" wunderbar räudig los, setzt sich im treibenden Bass-Monster "Chartreuse" fort und und endet nach knapp 40 unterhaltsamen Minuten mit "Just A Little Mercy". Hört man "La Futura" (American/Universal), so fällt die Ähnlichkeit zu "El Camino" auf, dem 2011er Album der Black Keys.

Dass ZZ Top ein wichtiger Einfluss dieser hoch erfolgreichen Neo-Bluesrocker sind, wird im Vergleich beider Platten sehr deutlich. Andererseits durften sich die drei alten Kämpen aus Texas vom Erfolg ihrer Enkel auch geschmeichelt und neu inspiriert fühlen. Ein Song wie "Heartache In Blue" mit wimmernder Mundharmonika etwa ist so nah an den Black Keys, wie man es ohne Plagiatsverdacht noch tolerieren kann.

ZZ Top waren in den 80ern dann und wann für elektronische Sperenzchen zu haben, die Alben dieser Phase nicht allzu gut altern ließen. Zusammen mit Über-Produzent Rick Rubin verzichten sie diesmal auf solche Experimente. Lediglich in "Consumption" bringt das Trio einige (durchaus interessante) Soundspielereien unter, ansonsten rocken Gibbons & Co. munter drauflos und röhren auch mal eine raue Ballade in die üppige Gesichtsbehaarung ("It's Too Easy"). Kurzum: Mit "La Futura" sind ZZ Top zwar nicht die Zukunft der Rockmusik (natürlich nicht bei drei 63-Jährigen), aber sie verwalten ihre Vergangenheit nach neun Jahren Abwesenheit sehr würdig.

Das gilt uneingeschränkt auch für Ian Hunter, der von 1969 bis 1974 Leadsänger der Glamrocker Mott The Hoople ("All The Young Dudes") war und danach eine respektable Solo-Karriere zustande brachte. Jetzt ist er mit The Rant Band unterwegs und liefert "When I'm President" (Proper/Rough Trade) ab, sein 20. Album seit 1975. Eine Platte, der man das Alter des Frontmannes (Hunter wurde im Juni 73!) zu keiner Sekunde anhört.

Der Albumtitel deutet bereits an, dass Ian Hunter auch diesmal einiges zur US-Politik mitzuteilen hat. "Die letzten beiden Platten waren recht politisch", sagt der Brite. "Schon weil die Bush-Jahre so schrecklich waren, aber zum Glück ist das vorbei." Dennoch fällt Hunter noch genug ein, was er besser machen würde, wenn er Präsident der Staaten wäre. So arbeitet er sich in dem an Bruce Springsteen erinnernden Titelsong an der Finanzkrise ab, vor allem die ihrem Bonus hinterherjammernden Banker bekommen ihr Fett weg.

Boogie-, Hard- und Gitarren-Rock, aber auch Countryfolk ("Just The Way You Look Tonight") wirft Hunter diesmal in den Mixer, und heraus kommt ein Album, wie es Männer seines Alters eigentlich nicht mehr hinbekommen dürften. Zumal der stets sonnenbebrillte, ziemlich coole Bandboss mit seiner gut erhaltenen Reibeisenstimme unter Beweis stellt, warum er in den 70ern als einer der stärksten Sänger seiner Generation galt. Für Fans des soliden Classic-Rock-Handwerks ist "When I'm President" daher wohl ebenso Pflicht wie das sogleich in die deutschen Top Ten eingestiegene Comeback von ZZ Top.

dpa

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