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22:03 03.10.2018
Rechtsextreme demonstrieren am Tag der Deutschen Einheit. Quelle: imago/snapshot//K.M.Krause
Hannover

Der Bundestagspräsident hat eine kluge Rede gehalten zum Tag der Deutschen Einheit. Doch Hand aufs Herz: Wen genau hat er erreicht? Wer hat sich Zeit genommen zum Innehalten, den Festakt im Fernsehen verfolgt oder im Deutschlandfunk?

Nichts für ungut, sagen die meisten, aber wir hatten gerade gestern keine Zeit. Ist ja auch keine Pflicht. Und die Zukunft der Demokratie entscheidet sich ja auch nicht am Grad der Aufmerksamkeit für die eine oder andere feierliche Rede zwischen grünen Kugelbäumchen. Zugleich aber zeigt eine wachsende Minderheit ihre offene Feindseligkeit: Wolfgang Schäuble? Das ist doch der Chef dieser elenden Quasselbude namens Bundestag.

Die diffuse Gleichgültigkeit der Mehrheit und die scharfe Demokratieverachtung der Minderheit addieren sich inzwischen zu einer Mischung, die Deutschland nicht guttut.

In Berlin trommelte gestern eine Gruppe namens „Wir für Deutschland“ Demonstranten diverser Schattierungen zusammen, um auf eigene Art den „Tag der Nation“ zu begehen: Leute aus der NPD, der identitären Bewegung, aus der Reichsbürgerszene, aber auch vom rechten Rand der AfD.

Schon meinen manche, man solle den 3. Oktober besser gar nicht mehr feiern. „Schafft doch endlich diesen Feiertag ab“, seufzt die in Leipzig aufgewachsene linke Schriftstellerin Jana Hensel in einem Aufsatz in der „Zeit“.

Doch genau dies wäre der falsche Weg. Die Deutschen brauchen nicht weniger, sondern mehr gemeinsame Besinnung darauf, was ihr Land ausmacht. Wie kommt es denn, dass Deutschland seinen Bürgern heute ein Maß an Freiheit, Frieden und Wohlstand bietet, das erstens im historischen und zweitens auch im aktuellen globalen Vergleich unübertroffen ist? Könnte es sein, dass dies am Ende mit dem oft kritisch beäugten „System“ zu tun hat, der freiheitlichen Ordnung des Grundgesetzes?

Die Gegner dieses Systems werden selbstbewusster, seine Befürworter aber mittlerweile auch. Sogar die Grünen, jahrzehntelang eher auf Distanz zum Staat und dessen Symbolen und Institutionen, positionieren sich neu. Die Vorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck stellten in diesem Jahr ihre politische Sommerreise unter den Titel „Des Glückes Unterpfand“. Parteifreunde warnten, das wirke nationalistisch. Doch Baerbock und Habeck argumentierten, nur durch Einigkeit und Recht und Freiheit könne sich das individuelle Glück entfalten. Ausgerechnet die Grünen entnahmen also der Nationalhymne Wegweisungen „gegen rechte Wutpolitik“: So geht Achtsamkeit für Deutschland. Und so zeigt man in schwieriger Zeit jene Haltung, die Schäuble als Dreiklang eines modernen Patriotismus empfiehlt: Selbstvertrauen, Gelassenheit, Zuversicht.

Von Matthias Koch/RND

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