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Politik AfD-Mann beschwert sich über „Afrikaner“ in Rügenwalder-Spot
Nachrichten Politik AfD-Mann beschwert sich über „Afrikaner“ in Rügenwalder-Spot
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11:17 07.12.2018
Screenshot aus dem Werbespot von Rügenwalder: Einem AfD-Mann gefällt das nicht. Quelle: Rügenwalder
Landkreis Leipzig

Kurz vor dem Kreisparteitag der AfD im Landkreis Leipzig sorgt deren Pressesprecher für Unruhe. Wenn am Sonntag im Parkhotel Brandis die Direktkandidaten für die Landtagswahlen gewählt werden sollen, dürfte es auch für Horst Juhlemann um die Wurst gehen.

Die Entgleisung des AfD-Sprechers

Juhlemann sah am Mittwochabend kurz vor der Tagesschau einen Werbespot des Wurstproduzenten Rügenwalder Mühle im Fernsehen. Einen jener Clips, in denen gut gelaunte Menschen im Schatten der Mühle Wurstbrote teilen. Mit am Tisch – ein Mann mit dunkler Hautfarbe. Der hat Juhlemann offenbar den Appetit verdorben ... Worüber er sich in einer Mail bei den Rügenwalder Geschäftsführern Lothar Bentlage und Godo Röben beschwerte. Er sei entsetzt über das „harmonische integrieren [...] von Bürgern aus Afrika in fröhlicher Genießerrunde“. Juhlemann fragt den Betrieb in seiner E-Mail, ob dafür Fördermittel der Bundesregierung gezahlt wurden. Weiter fragt der Pressesprecher: „Produzieren Sie bereits ausreichend HALAL-Produkte für unsere Muslime?“ und erinnert den Betrieb: „Sie vermitteln angeblich pommersche Familientradition.“

bad lausick Quelle: NN

Innerhalb des AfD-Kreisverbandes hat die Mail – von Juhlemann offenbar mit einem breiten Verteiler verschickt – für blankes Entsetzen gesorgt. Die Reaktion des Brandiser AfD-Bundestagsabgeordneten Lars Herrmann (nicht mehr Mitglied im Kreisvorstand) jedenfalls ist eindeutig: „Es ist höchst unprofessionell und untragbar. Für den Kreisverband und die AfD insgesamt ist es sehr unangenehm, wie die Partei durch derartige und andere öffentliche Entgleisungen auffällt. Das muss geklärt werden und wird sicher eine Rolle beim Kreisparteitag am Sonntag spielen“, so Herrmann.

Die Mail bekam der Bundestagsabgeordnete zur Kenntnis und kommentierte diese später so: „Herr Juhlemann nimmt in dieser offenkundig Anstoß an einem Menschen mit dunkler Hautfarbe, der in diesem Werbespot vorkommt. Anschließend behauptet er, die Firma hätte hierzu ,Weisungen der BRD-Regierung’ erhalten und stellt anschließend einige Suggestivfragen; beispielsweise, ob es hierfür von der Bundesregierung oder von Herrn Soros (George Soros, US-Börsenmilliardär jüdischer Herkunft, Anm. d. Red.) Fördermittel gab, oder ob die Firma bereits genügend HALAL-Produkte für Muslime herstelle.“ Herrmann: „Ich habe die hinter dieser Art und Weise und des Sprachgebrauchs stehende Geisteshaltung, mit Erschrecken zur Kenntnis genommen. Ich bin der festen Überzeugung, dass Herr Juhlemann damit nicht die politische Gesinnung der Mitglieder des Kreisverbandes widerspiegelt - im Gegenteil.“

Konsequenzen vom AfD-Verbandsvorsitzenden gefordert

Der frühere Bad Lausicker AfD-Bürgermeisterkandidat, Falk Noack, geht mit dem Verbandssprecher hart ins Gericht: „Juhlemann spricht in seiner Funktion als Pressesprecher für einen ganzen Kreisverband mit etwa 120 Mitgliedern und Förderern. Ich persönlich kann mich davon nur in aller Form distanzieren. Für mich spricht Juhlemann nicht.

Der Kreisverbandsvorsitzende, Edgar Naujok, sollte die Konsequenzen ziehen und dieses Parteiamt aufgeben. Immerhin trägt er die Verantwortung dafür. Herr Juhlemann muss sofort seine Mandate als Stadt- und Kreisrat niederlegen. Der Landesvorstand wäre gut beraten, gegen Herrn Juhlemann ein Parteiausschlussverfahren einzuleiten. Ich selbst erkenne die Partei und insbesondere den Kreisverband nicht wieder.“

Öffentlichkeitsarbeit mehrfach kritisiert

Kreisverbandschef Edgar Naujok wusste ebenfalls von der Mail, „habe sie aber nicht gelesen. Meine Priorität liegt auf dem Parteitag am Wochenende und den Wahlen im nächsten Jahr. Nicht unbedingt darauf, was Herr Juhlemann verzapft.“

Die Öffentlichkeitsarbeit des Kreisverbandes sei Mitgliedern auch an anderer Stelle – etwa auf den Portalen des Kreisverbandes – sauer aufgestoßen. Bundestagsabgeordneter Lars Herrmann: „Auch was zum Besuch der Bundeskanzlerin in Chemnitz auf der AfD-Facebook-Seite des Kreisverbandes veröffentlicht wurde, ist in höchstem Maße fragwürdig.“

Familienbetrieb Rügenwalder Mühle ist über E-Mail empört

Horst Juhlemann wollte auf Nachfrage der Leipziger Volkszeitung (LVZ) am Donnerstag „ohne meinen Anwalt dazu nichts sagen.“ Eine Antwort von Rügenwalder Mühle habe er noch nicht erhalten – „freue mich aber darauf“, so Juhlemann gegenüber der LVZ.

Die Unternehmenszentrale im niedersächsischen Bad Zwischenhahn reagierte am Donnerstag auf Nachfrage entsetzt: „Wir, die Rügenwalder Mühle, sind seit 184 Jahren ein Familienunternehmen und wir werben seit mehreren Jahren mit unseren Mitarbeitern. Da bei uns Menschen mit knapp 20 verschiedenen Nationalitäten arbeiten, ist es für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir dies auch in unserer Werbung genau so darstellen. Daher hat uns diese Mail vom Pressesprecher der AfD zutiefst schockiert. Die Geschäftsleitung denkt derzeit über das weitere Vorgehen in dieser Angelegenheit nach“, sagte Unternehmenssprecherin Gabriele Soballa. Eine Entscheidung werde in Kürze fallen.

Von Thomas Lieb/RND

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