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Politik Albig beendet Sommerreise
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13:37 08.08.2013
Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig (SPD,l) und sein Vorgänger Peter-Harry Carstensen (CDU) starten am 08.08.2013 in in Elisabeth-Sophien-Koog auf Nordstrand (Schleswig-Holstein) eine Fahrradtour nach Husum. Quelle: dpa
Nordstrand

Fremder könnte ein SPD-Ministerpräsident eigentlich kaum sein als auf Nordstrand: Hier an der Nordsee ist nicht nur CDU-Land, sondern auch die Heimat von Peter Harry Carstensen. Viel freundlicher kann eine Begegnung zwischen politischen Konkurrenten kaum ausfallen als die zwischen Torsten Albig und seinem Vorgänger von der CDU. Am Donnerstag startete Carstensen mit Albig zu dessen letzter Sommerreise-Etappe. Erst frühstückten sie genau dort, wo 1872 der legendäre Pharisäer erfunden wurde: Rum, versteckt in gesüßtem Kaffee mit Sahnehaube. Dann rollten sie los mit Elektro-Rädern nach Husum, wo Carstensen zum Eisessen eingeladen hatte.

„Wir beide mögen uns“, sagte der Regierungschef schon am Vorabend im „Pharisäerhof“. Carstensen kam spontan vorbei, sein Vaterhaus in Elisabeth-Sophien-Koog steht 500 Meter weg. „Willkommen in der wichtigsten Gemeinde Schleswig-Holsteins“, scherzte Carstensen.

Der 66-Jährige trägt eine schwarze Wacken-Open-Air-Weste, Albig, 16 Jahre jünger, bei seinem ersten Nordstrand-Besuch ein Polo-Shirt. 14 Stunden später setzen sich beide auf E-Bikes und radeln in Begleitung von Journalisten ins gut 15 Kilometer entfernte Husum. Eine tiefere politische Bedeutung will Albig den gemeinsamen Stunden nicht beimessen. Wenn das Treffen zu einem besseren Klima zwischen den Parteien beitragen sollte, sei ihm das Recht, sagt Carstensen.

Eine Stunde lang radelt er mit Albig nach Husum, erklärt Eindeichung und Flutgefahren. Dann, vorne rechts auf dem Festland, ein kleines Waldstück: „Der Schobüller Berg, das ist der erste Wald, den ich in meinem Leben gesehen habe“. Auch in Husum bei seinem Lieblings-Eis-Italiener Matteo hat Carstensen ein Heimspiel, immer wieder kommen Bekannte vorbei zum Schnack auf Platt. Ein kurzer Disput zur Schulpolitik, ansonsten prägen Anekdoten und lautes Lachen das ungewöhnliche Treffen der Politiker aus den gegnerischen Lagern.

Carstensen könne eine große menschliche Nähe erzeugen, sagt Albig auf Nordstrand. „Das können nicht so viele in der Politik.“ Mit Albigs Politik sei er selbstverständlich nicht einverstanden, äußert Carstensen. „Aber die Art und Weise, wie er mir gegenübertritt, ist exzellent, tadellos.“ Zum Abschluss seiner viertägigen Sommerreise standen für Albig in Husum noch zwei Betriebsbesuche und ein deutsch-dänisches Musikprojekt auf dem Programm.

Schon als Kieler Oberbürgermeister hatte Albig mit Carstensen zu tun, der von 2005 bis 2012 Ministerpräsident war. Nach seiner Wahl zum Regierungschef würdigte er im Landtag ausdrücklich die politische Leistung des Christdemokraten. Der im Ruhestand zum Hobbyimker Avancierte brachte zum Frühstück im „Pharisäerhof“ Honig aus eigener Produktion mit. Kaum vorstellbar all die freundlichen Worte und Gesten zwischen Carstensen und SPD-Landeschef Ralf Stegner: Auch deren zerrüttetes persönliches Verhältnis trug dazu bei, dass die ungeliebte große Koalition im Sommer 2009 platzte.

„Wer an Nordstrand denkt, denkt an Carstensen“, sagt Albig und genießt wohl auch den Gedanken an positive Wirkungen der Bilder von seinem Treffen mit dem Ex-Regierungschef. Scherzhaft nennt Albig ein weiteres Motiv für die Sommerreise-Etappe mit Carstensen: „Außerdem brauchte ich wieder Honig.“

Albig zeigte sich beeindruckt von High-Tech-Unternehmen, die er seit Montag besuchte, von engagierten Kindern, Jugendlichen und Lehrern, von sozialen Projekten. Nebenbei ließ der Chef einer Regierung aus SPD, Grünen und SSW noch durchblicken, dass er wenig von FDP-Vormann Wolfgang Kubicki hält, die Liberalen politisch aber im Blick hat. „Die schleswig-holsteinische FDP hat sozialliberale Wurzeln und kann wieder eine eigene Relevanz bekommen“, meint Albig. „Mit dieser One-Man-Show (Kubicki) wird ihr diese Relevanz genommen.“

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