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Albig begeistert, Stegner zurückhaltend

Steinbrück-Kandidatur Albig begeistert, Stegner zurückhaltend

Begeisterung beim Kieler Regierungschef, kühle Zurückhaltung beim SPD-Landesvorsitzenden - emotional ganz unterschiedlich haben Torsten Albig und Ralf Stegner auf das Votum für Peer Steinbrück, hier im Video, als Kanzlerkandidat reagiert.

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Peer Steinbrück (SPD) tritt gegen Angela Merkel (CDU) an.

Quelle: dpa

Kiel. "Er ist der richtige Kandidat", sagte Albig am Freitag nach der offiziellen Bestätigung der Nominierung Steinbrücks durch Parteichef Sigmar Gabriel. "Ich beglückwünsche ihn sehr." Albig war in Steinbrücks Zeit als Bundesfinanzminister dessen Pressesprecher.

"Ich habe ihm innigst gewünscht, dass er diese Last nicht tragen muss", sagte Albig. "Ich freue mich, dass er jetzt diese Last tragen will. Steinbrücks Schultern seien breit genug, um sie kraftvoll zu tragen.

Ganz anders die Reaktion Stegners, der zu den Steinbrück-Kritikern gehört: Er versicherte zwar, er werde ihn "selbstverständlich" voll unterstützen. Solches Lob wie von Albig kam von Stegner aber nicht. Er sagte auch, der SPD-Kandidat werde nur erfolgreich sein, wenn er mit einem guten Team, das das Profil der SPD als linke Volkspartei glaubwürdig repräsentiere, dieses Programm konsequent vertrete und von der gesamten Partei entschlossen unterstützt werde. Er gehe davon aus, dass dies auch so sein werde und Steinbrück dieses Profil glaubwürdig vertreten werde. Stegner gehört dem SPD-Bundesvorstand an und koordiniert den linken Flügel der Partei.

Die SPD müsse Fortschritt und Gerechtigkeit miteinander verbinden, forderte Stegner. Jeder Kandidat habe Stärken und Schwächen. Die Abläufe am Freitag seien etwas rumpelig gewesen. Sie zeigten, dass die SPD Optimierungsmöglichkeiten habe, die für einen professionellen Wahlkampf genutzt werden müssten. Stegner hatte sich in der Kandidatendebatte für Bundestagsfraktionschef Frank-Walter Steinmeier ausgesprochen.

Vom Staatssekretär in Kiel zum SPD-Kanzlerkandidaten - viele Landespolitiker im Norden hätten das Steinbrück nicht zugetraut. Er hatte seine politische Karriere zunächst in Schleswig-Holstein vorangetrieben. 1990 wurde er als Staatssekretär in die Regierung berufen, von 1993 bis 1998 war er Wirtschaftsminister. Nach einem Zerwürfnis mit Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) wechselte er nach Nordrhein-Westfalen, wo er Minister und später Regierungschef wurde.

Nach Einschätzung von FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki ist Steinbrück der aussichtsreichste Kanzlerkandidat für die SPD. "Er ist aus der Troika aus meiner Sicht der stärkste Konkurrent für Angela Merkel." Steinbrück sei auch in der Lage, im Wahlkampf mit scharfen Formulierungen zu polarisieren. "Für mich ist die mögliche Wahl Steinbrücks zum Kanzlerkandidaten das Signal, dass die SPD begriffen hat: Sie muss auf Sieg setzen."

Er strebe keine Ampelkoalition aus SPD, FDP und Grünen an, sagte Kubicki. Er würde sie aber im Zweifel nicht ausschließen, wenn es nicht wieder für Schwarz-Gelb reichen und es hinreichende Kompromisslinien für eine Ampel geben sollte. Mit Steinbrück wäre es weit besser möglich, Lösungen für Probleme finden, als mit Ideologen aus der SPD, sagte Kubicki. Steinbrück habe seine Kompetenz bewiesen. Schon zu dessen Zeiten in Kiel hatte Kubicki einen guten Draht zu Steinbrück, der nach Landtagssitzungen häufig zu dem Liberalen ging. "Nicht nur, weil wir den besseren Wein haben", sagte Kubicki.

Steinbrück sei der richtige Mann zur richtigen Zeit, meinte SPD-Innenminister Andreas Breitner. "Wir brauchen keine zweite Merkel, sondern einen Kandidaten mit eigenem Profil und Ecken und Kanten." Der Lübecker Landtagsabgeordnete Thomas Rother sagte, Steinbrück sei ein guter Kandidat. Ihm könne es gelingen, der SPD weitere Wählerschichten zu erschließen, damit sie weit über 30 Prozent erreiche. "Dafür ist er genau der richtige Mann." Fraktionskollege Peter Eichstädt meinte: "Ich glaube, dass viele Steinbrück wählen, die gerne Helmut Schmidt haben würden."

Der CDU-Landesvorsitzende Jost de Jager kommentierte: "Ein Mann von gestern gegen die Kanzlerin von heute." Steinbrück werde nicht aus eigener Stärke Kanzlerkandidat, sondern weil er aus der Troika als einziger übriggeblieben sei, da Steinmeier nicht wollte und Gabriel nicht sollte.

Der SPD-Kandidat für die Bundestagswahl, die voraussichtlich im Herbst 2013 stattfindet, sollte ursprünglich frühestens Ende des Jahres gekürt werden. Vor allem Landesverbände der SPD drangen zuletzt aber zunehmend darauf, die Entscheidung vorzuziehen. Steinbrück galt schon länger als Favorit. Steinmeier, 2009 an Merkel gescheitert, hatte Gabriel offenbar schon vor einigen Wochen darüber informiert, dass er nicht erneut antreten will. Einer Umfrage zufolge wäre Steinbrück im direkten Vergleich mit Merkel derzeit ebenso chancenlos wie Steinmeier und Gabriel.

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Die FDP-Fraktionsvorsitzenden tagen bis 29.09.2012 in Hamburg.

Auch nach Ausrufung von Peer Steinbrück zum SPD-Kanzlerkandidaten hat FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle Spekulationen über eine Koalition mit den Sozialdemokraten abgelehnt.

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