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Politik Britin stirbt an Nowitschok-Vergiftung
Nachrichten Politik Britin stirbt an Nowitschok-Vergiftung
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08:23 09.07.2018
Zwei Ermittler stellen Spuren am Fundort der beiden Vergifteten sicher Quelle: dpa
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London

Die Britin, die vor gut einer Woche im englischen Amesbury mit dem Nervenkampfstoff Nowtischok in Berührung gekommen war, ist tot. Die 44-Jährige sei am Sonntagabend in einem Krankenhaus in Salisbury gestorben, teilte die Polizei mit. Ein 45-Jähriger, der dem Gift am 30. Juni ebenfalls ausgesetzt war, befinde sich weiter in kritischem Zustand. Nach dem Tod der Frau hat die Polizei nun Mordermittlungen aufgenommen.

Untersuchungen ergaben, dass die Frau und ihr Partner demselben Nervenkampfstoff ausgesetzt waren wie der frühere russische Spion Sergej Skripal und seine Tochter Julia Anfang März in Salisbury. Beide überlebten. Nun hatte das Paar vermutlich einen Gegenstand oder ein Fläschchen berührt, das für den Anschlag auf die Skripals verwendet wurde. London hat Russland für die erste Attacke mit dem Nervenkampfstoff verantwortlich gemacht. Moskau streitet dies nach wie vor ab. Der Fall sorgte für diplomatische Verwerfungen zwischen Großbritannien und Russland.

Antiterrorermittler im Einsatz

Die britische Premierministerin Theresa May zeigte sich nach dem Tod der Frau „entsetzt und schockiert“. „Polizei und Sicherheitskräfte arbeiten mit Nachdruck, um die Fakten in dem Fall zu klären, der nun als Mord behandelt wird.“ Der Leiter der britischen Antiterroreinheit, Neil Basu, sagte, der Tod bestärke die Polizei nur in der Entschlossenheit, das Geschehen aufzuklären. Die 44-jährige Britin hat drei Kinder hinterlassen.

Mehr als 100 Polizisten waren bislang im Einsatz, um den Gegenstand zu finden, über den das Paar vermutlich mit dem Giftstoff in Kontakt kam. Antiterrorermittler werten Material aus, um festzustellen, wo sich das Paar vor der mutmaßlichen Vergiftung befand und was es unternahm. Die Behörden rechnen mit wochenlangen Ermittlungen.

Bisher kein Zusammenhang mit Skripal-Fall erkennbar

Laut Polizei gebe es derzeit keine Hinweise darauf, dass das Paar Orte oder Anlagen besuchte, die nach dem Anschlag auf die Skripals kontaminiert waren. Zum jetzigen Zeitpunkt könnten die Ermittler außerdem nicht sagen, ob der an dem Paar gefundene Nervenkampfstoff zum gleichen Bündel Nowitschok gehörte, mit dem die Skripals angegriffen wurden.

Britische Spezialisten hatten das im Kalten Krieg von der Sowjetunion entwickelte Nowitschok als Substanz bestimmt, mit der die Attacke auf den 67-jährigen Ex-Agent und seine 33-jährige Tochter erfolgt war. Wochenlang wurden die beiden anschließend in kritischem Zustand im Salisbury District Hospital behandelt - jenem Krankenhaus, in dem jetzt die 44-Jährige starb.

Der aktuelle Fall löste in Salisbury und im benachbarten Amesbury neue Sorgen in der Bevölkerung aus. Erst am Samstag erklärte das Krankenhaus, seither habe eine Zahl von Anwohnern medizinische Behandlung gesucht, niemand habe aber Hilfe benötigt. Unter den Betroffenen, die sich vorsichtshalber ins Krankenhaus begaben, war auch ein Polizeibeamter. Es handelte sich aber um einen falschen Verdacht. Der britische Innenminister Sajid Javid bekräftigte am Sonntag bei einem Besuch in Salisbury, das Risiko für die Bevölkerung bleibe gering.

Von RND/AP

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