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Politik Andrea Nahles – „Trümmerfrau“ der SPD
Nachrichten Politik Andrea Nahles – „Trümmerfrau“ der SPD
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09:31 22.04.2018
Will sich auf dem Sonderparteitag zur Vorsitzende wählen lassen: Die SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Andrea Nahles. Quelle: dpa
Berlin

Das Amt ist gerade vielleicht nicht das schönste neben dem des Papstes, wie es einst Franz Müntefering behauptete. Aber für Andrea Nahles bedeutet die angestrebte Übernahme des SPD-Vorsitzes das Ende eines langen Weges - und doch erst den Anfang. Sie hält nichts von historischen Vergleichen, auch wenn sie in einer Reihe mit August Bebel, Willy Brandt und anderen SPD-Vorsitzenden stehen wird. 

Es ist auch ein Anfang, weil die SPD nach dem fast schon tragischen Ende der Episode Martin Schulz, den heftigen Debatten um den Eintritt in die große Koalition und dem drohenden Überrunden durch die AfD akut um ihre Zukunft fürchten muss. Nahles ist die „Trümmerfrau“. 

Die Tochter eines Maurers aus der Eifel gründete einst selbst einen SPD-Ortsverein. Als Fahranfängerin hatte sie in Schweden einen schweren Autounfall, daher die Narbe an der Stirn. Ihre Magisterarbeit schrieb die Germanistin über die „Funktion von Katastrophen im Serien-Liebesroman“.

Nahles kämpft gegen klischeehaftes Image

Als Jusos-Chefin unterstützte sie den Sturz von Oskar Lafontaine durch Rudolf Scharping, später trug sie auch zum Rücktritt von Franz Müntefering bei. Sie kann Machtpolitik - und kämpft gegen ein klischeehaftes Image an: etwa das, eine laute politische Nervensäge oder kratzbürstig zu sein.

Nach dem Absturz auf 20,5 Prozent bei der Bundestagswahl wechselte sie als eine der wenigen verbliebenen Personalhoffnungen der SPD vom Posten der Arbeitsministerin auf den Fraktionsvorsitz. 

Sie dachte wie alle, man gehe in die Opposition, der Union versprach sie ironisch, jetzt gebe es „in die Fresse“. Als Jamaika scheiterte und die SPD unter Druck kam, ihre Ablehnung einer weiteren Regierungsbeteiligung zu überdenken, kamen klare Worte eher von Nahles als von Schulz.

Nahles redet Klartext

Sie war es, die beim Bonner Sonderparteitag Klartext redete - und so eine knappe Mehrheit für Verhandlungen rettete. Als Ministerin hatte Nahles in der vergangenen großen Koalition SPD-Herzensanliegen wie den Mindestlohn auf den Weg gebracht.

Ihr Privatleben schottet sie ab, Tochter Ella (7) geht daheim in Rheinland-Pfalz auf eine Einklassenschule. Nahles' Heimatdorf Weiler ist auch wichtig, um zu spiegeln, was die Leute bewegt. Könnte sie eine Schlagzeile über sich dichten, würde die nach eigenen Worten lauten: „Schufterin mit Herz“. An Schufterei wird es nicht mangeln. 

Fünf SPD-Parteitage in 13 Monaten

Regulär trifft sich die SPD alle zwei Jahre zum Bundesparteitag. Wegen der jüngsten Turbulenzen kam es zu mehreren außerplanmäßigen Treffen. Was viel Geld kostet: Nach Schätzungen schlägt ein Parteitag mit rund einer Million Euro zu Buche.

Wegen der Abgabe des Vorsitzes von Sigmar Gabriel an Martin Schulz gab es im März 2017 einen Sonderparteitag, dann einen Parteitag zum Beschluss des Wahlprogramms im Juni in Dortmund.

Es folgte als drittes Treffen der reguläre Bundesparteitag im Dezember 2017 nach der Bundestagswahl, wo Schulz im Amt bestätigt wurde.

Dann folgte wieder ein Sonderparteitag, der im Januar 2018 Koalitionsverhandlungen mit der Union knapp billigte.

Da Schulz nach Abschluss der Verhandlungen den Parteivorsitz aufgab, war nun wieder ein Sonderparteitag fällig. Stimmberechtigt sind 600 Delegierte und die Vorstandsmitglieder.

Von RND/dpa