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17:26 13.12.2018
Armut hat in Deutschland viele Gesichter abseits der gängigen Klischees. Das geht aus dem Armutsbericht 2018 des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes hervor. Quelle: epd
Berlin

Nach dem aktuellen Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbandes steigt trotz der guten Konjunktur der Anteil armer Menschen in Deutschland weiter. Mit 16,8 Prozent sei eine neue, traurige Rekordmarke seit der Wiedervereinigung erreicht, erklärte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider bei der Veröffentlichung des Berichts am Donnerstag in Berlin.

Es gehe um mindestens 13,7 Millionen Menschen. Rund eine Million Wohnungslose sowie etwa 400.000 Pflegeheimbewohner, die auf Sozialhilfe angewiesen sind und ein Großteil der 200.000 Menschen in Behinderten-Wohnheimen seien dabei noch nicht berücksichtigt.

Steigender Wohlstand bedeute nicht automatisch weniger Armut

Schneider ging auf die Debatte um Armut in Deutschland ein. Kritiker werfen insbesondere dem Paritätischen Wohlfahrtsverband vor, mit seinen jährlichen Armutsberichten kein realistisches Bild zu zeichnen. Mit dem steigenden Wohlstand in Deutschland ginge es auch den unteren Einkommensgruppen besser, so die Kritik. Schneider widersprach: Wenn der Lebensstandard steige, erhöhe sich auch die Schwelle, ab der man mithalten könne. Wer darunter bleibe, werde abgehängt, so Schneider: „Es geht immer um Verteilung.“

Der diesjährige Bericht des Verbandes lenkt den Blick auf die Frage, wer die Armen eigentlich sind, die über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügen. Der hohe Anteil von Erwerbstätigen habe ihn überrascht, sagte Schneider. Ein Drittel der Betroffenen sind erwerbstätig, ein Viertel in Rente, und zwölf Prozent befinden sich in der Ausbildung. Von den arbeitenden Armen hat der größere Teil entweder eine Vollzeitstelle oder eine mehr als geringfügige Beschäftigung.

Arbeitslose und Alleinerziehende tragen höchstes Risiko

Der Bericht basiert den Angaben zufolge auf regelmäßig und über lange Zeiträume erhobenen Daten. Er bestätigt einmal mehr, dass Arbeitslose und Alleinerziehende mit kleineren Kinder das höchste Risiko tragen, an der Armutsschwelle zu leben. Auch die Kinderarmut bleibe anhaltend und alarmierend hoch, sagte Schneider. Jedes fünfte Kind in Deutschland lebe in Armut.

Als arm gilt nach europäischen und deutschen Statistiken ein Haushalt, der weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Das sind monatlich etwa für einen Single 1.086 Euro, für ein kinderloses Paar 1.629 Euro, für ein Paar mit zwei Kindern unter 14 Jahren 2.281 Euro und für eine Alleinerziehende mit zwei Kindern unter 14 Jahren 1.738 Euro.

Linken-Fraktionschef entsetzt über Zahlen des Armutsberichts

Dietmar Bartsch, der Vorsitzende der Fraktion Die Linke, zeigte sich schockiert über diese Zahlen: „Armut hat sich bis weit in die Mitte unserer Gesellschaft hineingefressen. Sie ist kein Randproblem“. Er teilte in einer Pressemitteilung mit, dass Armut kein Naturgesetz sei, sondern durch Politik verursacht werde.

„Das Problem ist hausgemacht, die herrschende Politik trägt für diesen Zustand wesentliche Verantwortung. Wenn in unserem Land nicht einmal mehr Arbeit oder Bildung davor schützen, in Armut zu fallen, ist das ein Offenbarungseid. Mehr noch, es geht an die Grundfesten dieses Landes“, hieß es weiter in der Mitteilung des Linken-Politikers.

Von RND/dpa/epd

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