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Politik Auf Wahlkampf-Tour mit Peter Harry Carstensen
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21:03 20.09.2009
Kiel

So schön kann Wahlkampf sein. Durch die Sitzreihen zieht der Duft von Bratwürsten. Die Sonne scheint warm über dem Wildpark Eekholt. „Um das gute Wetter hat sich der Ortsverband gekümmert“, witzelt der Bundestagsabgeordnete Gero Storjohann, bevor er den Landesvorsitzenden begrüßt. Peter Harry Carstensen ist in aufgeräumter Stimmung. Das „Herbstspektakel“ der Nord-CDU ist für den Ministerpräsidenten ein Heimspiel - und fast so etwas wie eine Verschnaufpause in einem Wahlkampf, der härter wurde, als viele es erwarten.

In Eekholt ist davon nichts zu spüren. Carstensen erscheint mit offenem Hemdkragen und hochgekrempelten Ärmeln. Lebensgefährtin Sandra Thomsen ist an seiner Seite. Der Spitzenkandidat schüttelt Hände, schnackt, gibt Autogramme. Die kleine Anne möchte ihm guten Tag sagen. Der hochgewachsene Nordfriese beugt sich herunter: „Weiß du denn, dass wir nächstes Jahr die Ferien abschaffen?“, fragt er schelmisch. Dann geht es auf die Bühne.

Eine ausgefeilte Wahlkampfrede muss er hier nicht halten. Aber ein paar Sätze sind ihm schon wichtig. Die Landesregierung habe unter seiner Führung Leistung gebracht, betont der Ministerpräsident. Es habe sich aber auch gezeigt, dass „eine große Koalition nicht die großen Probleme löst“. Carstensen meint nun: „Mir ist eine kleine Mehrheit lieber als eine große, in der wir nicht alles erreichen.“ Dafür gibt es Beifall. Und einer sagt: „Hier im Wildpark haben Sie 100 Prozent.“

Das ist natürlich nett gemeint. Aber natürlich wird in den Reihen der Christdemokraten auch mit zunehmender Sorge gesehen, dass die so sicher geglaubte Mehrheit bröckelt. Die CDU ist zwar immer noch die mit Abstand stärkste Kraft. In der jüngsten Forsa-Umfrage liegt sie aber nur noch bei 31 Prozent. Für Schwarz-Gelb wird es da eng. Auch Carstensens Werte waren schon einmal besser. Glaubt man den letzten beiden Umfragen, käme er auf 39 beziehungsweise 44 Prozent der Stimmen, wenn die Schleswig-Holsteiner den Ministerpräsidenten direkt wählen könnten. Auch damit liegt Carstensen immer noch vorn. Doch für den Amtsinhaber, dessen Popularität lange Zeit keine Grenzen zu haben schien, müssen die Werte eine Enttäuschung sein.

Anmerken lässt er sich das nicht. „Mir ist es lieber, wenn die Umfragen nicht so gut ausfallen, dafür aber das Wahlergebnis stimmt“, erklärt er lachend. Und: „Meine Wahrnehmung bei den Veranstaltungen ist eine ganz andere.“

Das ist nicht einmal übertrieben. Vor allem dort, wo er als Landesvater gefragt ist, kann Peter Harry Carstensen in diesen Tagen Punkte sammeln. In Dithmarschen etwa, wo er beherzt zum Messer greift, um auf einem Feld in Friedrichsgabekoog die ersten Kohlköpfe der Saison zu ernten. Darüber mag man in Kiel lächeln. An der Westküste sind die Kohltage dagegen fast so wichtig wie in der Landeshauptstadt die Kieler Woche. Carstensen ist gern dabei, nicht nur auf dem Acker, sondern auch in der Scheune, wo Landfrauen ihm Kohlschnaps und Kohlbrot servieren. Carstensen, den hier alle nur „Peter Harry“ nennen, probiert gern - und nicht nur, weil es sich so gehört. „Wenn er was sagt, hat man das Gefühl, er meint es so“, lobt Elke Bock aus Albersdorf. Carstensen weiß natürlich, dass ihm von vielen nachgesagt wird, dass er sich lieber auf Volksfesten blicken lässt als in der Staatskanzlei. Im Wahlkampf dreht er den Spieß einfach um. „Ich empfehle jedem, nicht nur Grußworte am Schreibtisch zu verfassen, sondern auch mal einen Wochenmarkt zu besuchen und zu den Menschen gehen“, lautet sein Motto.

Das kommt auch in den Talkrunden gut an, die er als Wahlkämpfer absolviert. Dort geht es dann schon etwas schärfer zur Sache. Carstensen macht sich dann nicht nur über die schwächelnde SPD lustig („Die trinken Selter und singen Trinklieder“), sondern warnt donnernd davor, dass SPD-Spitzenkandidat Ralf Stegner ein Bündnis mit der Linkspartei schmieden könnte. „Ich will die Kommunisten nicht in der Regierung haben.“ Das sei in der DDR schiefgegangen. Das funktioniere in Kuba nicht. „Dann müssen wir das nicht auch noch in Schleswig-Holstein ausprobieren“, ruft er dann und erntet nicht nur im „Gasthaus Ritzebüttel“ in Nortorf donnernden Applaus. Kritik am Koalitionsbruch gibt es da nicht. Nur soviel: „Die haben viel zu lange gewartet“, findet Kurt Reimer aus Bredenbek.

Zwei Themen sind es, die Carstensen immer wieder begegnen. „Die HSH Nordbank hat Spuren hinterlassen“, sagt er im Gespräch und fordert in seinen Wahlkampfreden, dass nicht nur auf die Arbeit der „Feuerwehr“ geschaut werden sollte. „Ich will auch wissen, woher die Brandherde stammen.“ Die schärfsten Kritiker kommen derzeit aber ausgerechnet aus den Reihen der Landwirte. Wütende Milchbauern konfrontieren Carstensen fast vor jedem Auftritt mit ihrer Not und fordern eine Begrenzung der Milchmenge. „Das geht mir nah“, räumt er ein. Der CDU-Politiker ist jedoch überzeugt davon, „dass wir unsere Finger da raushalten sollten“. Versprechungen, die niemandem helfen, will er nicht abgeben. Nicht einmal eine Woche vor der Wahl.

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