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Martin Schulz besucht Bahn-Werk Neumünster

Wahlkampf Martin Schulz besucht Bahn-Werk Neumünster

Flüchtlinge, innere Sicherheit, Landtagswahl - all dies interessiert Oberstufenschüler in Pinneberg längst nicht so wie Donald Trump. Kanzlerkandidat Schulz braucht keine Frage zu Schleswig-Holstein zu beantworten - nur beim Kreistag muss er sich entschuldigen.

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Martin Schulz besuchte am Dienstag das Bahn-Werk in Neumünster.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Pinneberg/Neumünster. Beim Besuch eines Instandsetzungsbetriebs der Deutschen Bahn in Neumünster sprach SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz am Dienstag von einem Zeichen der Solidarität. Der Betrieb mit seinen 700 Mitarbeitern will sich auch künftig im Standortwettbewerb des Konzerns behaupten. Es sei alle Mühe wert, das Werk zu erhalten, sagte Schulz. Er habe mit Werkleitung und Betriebsrat Möglichkeiten erörtert, die der Bund als Hauptaktionär der Bahn habe. Ziel müsse sein, das Werk zu erhalten.

Begleitet wurde Schulz in Neumünster von Ministerpräsident Torsten Albig. „Wir ringen sehr, dass dieses Werk eine Zukunft hat“, sagte Albig. Die Nord-SPD erhofft sich von Schulz Rückenwind im Landtagswahlkampf. „Wir haben lange unter Umfragen gelitten, jetzt freuen wir uns über Umfragen“, sagte Schulz. Er sehe die guten Werte als Zeichen, dass die sozialdemokratische Programmatik bei vielen Menschen auf Zustimmung stößt. Mit Blick auf die Landtagswahl sagte Schulz, diese Landesregierung vertrete die Interessen des Landes in einer Art und Weise, wie er das selten erlebt habe. Die Schleswig-Holsteiner sollten dafür Sorge tragen, dass Albig Ministerpräsident bleibt.

Kein Wahlkampf wie Trump

Drei Monate vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein und gut ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl warnte Schulz dabei vor einem Wahlkampf im Stil von Donald Trump. Der US-Präsident habe alle Grenzen des Respekts eingerissen, sagte Schulz am Dienstag vor rund 300 Schülern an der Theodor-Heuss-Schule in Pinneberg. „Die Kandidatinnen und Kandidaten anderer Parteien sind doch nicht meine Feinde, das sind in der Demokratie Wettbewerber.“

Man habe nicht das Recht, andere Kandidaten in ihren Persönlichkeitsrechten mit Fake News, Shitstorms oder anderen Mitteln herabzuwürdigen. „Das, was er (Trump) in seinem Wahlkampf gemacht hat, ist das Gegenteil von Respekt“, sagte Schulz. Gleichwohl sei Trump der frei gewählte Präsident der USA. Damit verdiene er den Respekt, den ein deutscher Kanzler ihm entgegenzubringen habe. Als Kanzler wäre er zur Zusammenarbeit bereit. „An mir soll's nicht liegen.“

Der langjährige EU-Parlamentspräsident verteidigte die Europäische Union als „Gegenkonzept zum Trumpismus“. Er warnte vor der französischen Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen und dem niederländischen Politiker Geert Wilders. Diese seien Ultra-Nationalisten und Antidemokraten, sagte Schulz. „Diese Leute wollen die EU zerstören.“ Sie dürften darum keine Mehrheit bekommen.

Schulz plädierte für die Beibehaltung der Sanktionen gegenüber Russland, solange das Land nicht das Abkommen von Minsk zur Beilegung des Ukraine-Konflikts vollständig umsetze. Der Kanzlerkandidat betonte, dass er ein gutes Verhältnis zu Russland anstrebe, aber der Umgang mit Präsident Wladimir Putin nicht leicht sei. Russland unterstütze auch den Wahlkampf von Le Pen in Frankreich mit Krediten.

Schulz und Pinneberg, war da nicht was?

Die Oberstufenschüler stellten viele weitere Fragen zur EU und zur internationalen Politik. Landespolitik und strittige Themen wie Flüchtlinge, Anti-Terror-Kampf oder Euro-Krise spielten keine Rolle. Ein Schüler konfrontierte Schulz mit einem Zitat, in dem Pinneberg schlecht wegzukommen scheint. Als EU-Abgeordneter habe Schulz einmal über das Europaparlament gesagt: „Wir vertreten 500 Millionen Menschen, aber wir haben eine Wahrnehmung wie der Kreistag von Pinneberg.“ Schulz erklärte, ihm sei es nur um den Vergleich der geringen Außenwirkung beider Parlamente gegangen. Kommunalpolitiker seien die wirklichen Helden der Politik. „Asche auf mein Haupt“, entschuldigte sich Schulz und versicherte: „Pinneberg liegt mir sehr am Herzen.“

Es geht nach Rendsburg und Norderstedt

Am Mittwoch will Schulz weitere Termine im Norden absolvieren; er will in Rendsburg mit Gewerkschaftern und in Norderstedt mit Schülern sprechen. In Ahrensburg stellt sich Schulz Fragen von Bürgern. Der Kanzlerkandidat hat auch einen persönlichen Schleswig-Holstein-Bezug: „Ich hab' meine Frau in Husum kennengelernt“, sagte er. Die Ehe hält seit 31 Jahren.

dpa

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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