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Nachrichten Politik Merkel besucht Milchbauern in Nienborstel
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17:04 19.07.2018
Von Kristiane Backheuer
Angela Merkel und Familie Trede stehen auf dem Außengelände.  Quelle: Ulf Dahl
Nienborstel

Bei der Landwirtin Ursula Trede (53) informierte sie sich bei Kaffee und selbst gemachter Spaghetti-Torte über die Probleme der Milchbauern.

Absperrungen, Bodyguards, Security. Und das mitten auf dem Land. Der Besuch der Bundeskanzlerin wirbelte das Dorfleben an diesem Tag kräftig durcheinander. Unfallgefahren auf dem Hof sind beseitigt, die Fenster geputzt. Aber der perfekte Eindruck täuscht. In den vergangenen sechs Jahren haben die Tredes drei Krisen nur mit Ach und Krach überstanden. Innerhalb von zehn Monaten hatte das Ehepaar zuletzt 100.000 Euro Verlust erlitten. „Die Hälfte aller Milchviehbetriebe haben schon aufgegeben“, erzählte Ursula Trede der Kanzlerin. „Wir konnten nur überleben, weil wir zuvor nicht groß investiert hatten.“ Und: Weil Ursula Trede noch einen Job im Kieler Rathaus hat. Als Teilzeitkraft kümmert sie sich um die Finanzen und die Verwaltung des Stadtpräsidenten.

180.000 Euro für einen Melkroboter

Ursula Trede bewirtschaftet zusammen mit ihrem Mann Rolf (58) einen Traditionsbetrieb mit 140 Milchkühen. Gerade hat sich die Familie für 180.000 Euro einen Melkroboter angeschafft. Der älteste Sohn Steffen (25) steht als Nachfolger schon in den Startlöchern. Leicht ist es trotzdem nicht. „Wir haben Monate, da setzen wir jeden Tag 400 Euro zu“, schildert Hausherr Rolf Trede der Kanzlerin. „Es muss doch möglich sein, dass der Hof am Laufen gehalten wird, und man sich trotzdem ein wenig gönnen kann. Ich selbst hab‘ das 30 Jahre lang nicht getan.“

Mit ihrer Reise in den Norden löste die Kanzlerin übrigens ein Versprechen aus dem Wahlkampf ein. In der ARD-Sendung „Wahlarena“ war sie von Ursula Trede im Publikum gefragt worden, warum sie die Milchbetriebe sterben lasse, warum es kein Marktverantwortungsprogramm gebe. Spontan folgte eine Einladung in den Norden. Da Angela Merkel zu dem Zeitpunkt noch nichts von dem Programm gehört hatte, versprach die CDU-Politikerin vorbeizukommen.

Milch zu Schleuderpreisen

Bei Torte und Kaffee im Bauernhaus sagte Rolf Trede: „Ein Milchpreis von 40 Cent pro Kilogramm wäre dringend nötig.“ Es sei ein Unding, dass Bauern bei Überschuss die Milch zu Schleuderpreisen abgeben müssen. Zusammen mit dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) wünscht sich die Familie besagtes Marktverantwortungsprogramm. Dieses Konzept des BDM würde die Produktion der Milch bei Angebotsüberschuss regulieren.

Nach rund zwei Stunden trat die Bundeskanzlerin dann vor die Presse und bedankte sich bei den Gastgebern und zeigte sich beeindruckt von der Liebe zu den Tieren: „Wir müssen alle gemeinsam schaffen, dass die Bedingungen für mittlere Höfe besser werden. Vor allem solche Betriebe brauchen Nachhaltigkeit und Sicherheit.“ Sie ginge mit einer guten Erfahrung und einem Aufgabenpaket nach Hause. Vor allem mit Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner wolle sie in den nächsten Tagen reden.

Angela Merkel (CDU) hat am Donnerstag einen Bauernhof in Schleswig-Holstein besucht. 
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