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Politik Bund und Länder wollen Medizinstudium revolutionieren
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22:00 30.03.2017
Wer Arzt werden will, muss mit Patienten reden können. Quelle: dpa
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Berlin

Den Autoren ist durchaus bewusst, was sie da vorschlagen: nicht weniger als eine kleine Revolution in der Ausbildung der Ärzte in Deutschland. Ihr Papier werde zu „gravierenden strukturellen Veränderungen“ im Medizinstudium an deutschen Hochschulen führen, schreiben sie auf der fünften von insgesamt zwölf Seiten. „Masterplan Medizinstudium 2020“ heißt das Papier, von dem hier die Rede ist. Monatelang haben Gesundheits- und Bildungsminister von Bund und Ländern darüber verhandelt. Am Freitag wollen sie den Plan offiziell beschließen. Dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) liegt der als „streng vertraulich“ gekennzeichnete Schriftsatz vor.

„Mit dem Masterplan Medizinstudium 2020 stellen wir die Weichen für die Ausbildung der nächsten Medizinergeneration, die den Herausforderungen einer Gesellschaft des längeren Lebens gerecht werden kann“, heißt es in dem Dokument. Im Kern verstehen die Autoren darunter, dass die Ausbildung von Medizinern in Deutschland praxisorientierter erfolgen soll, näher am Patienten stattfindet und die Versorgungssicherheit mit Ärzten garantiert. Um diese Ziele zu erreichen, schlagen sie insgesamt 37 Einzelmaßnahmen vor.

Kampf gegen Ärztemangel in ländlichen Regionen

So soll das Zulassungsverfahren für Medizinstudiengänge an Hochschulen komplett reformiert werden. Bislang entscheidet vor allem die Abiturnote darüber, wer einen Studienplatz bekommt und wer nicht. Künftig sollen auch soziale und kommunikative Kompetenzen sowie Berufserfahrung eine Rolle spielen. Hochschulen sollen verpflichtet werden, neben der Abiturnote mindestens zwei dieser Auswahlkriterien anzuwenden. Im Klartext: Nur wer auch in der Lage ist, mit Patienten zu reden, soll die Möglichkeit haben, Arzt zu werden.

Auch dem Ärztemangel in ländlichen Regionen soll der Masterplan entgegenwirken. Er sieht vor, bis zu 10 Prozent der Studienplätze an Bewerber zu vergeben, die sich verpflichten, nach Abschluss des Studiums und der fachärztlichen Weiterbildung in der Allgemeinmedizin für zehn Jahre als Hausarzt im ländlichen Bereich zu arbeiten. Wer die Verpflichtung nicht erfüllt, muss mit empfindlichen finanziellen Strafen rechnen. Außerdem sollen Hochschulen bei der Auswahl von Lehrpraxen den ländlichen Raum stärker als bisher einbeziehen.

Allgemeinmedizin soll höheren Stellenwert bekommen

Um angehende Mediziner besser auf die Interaktion mit Patienten vorzubereiten, soll die ärztliche Gesprächsführung im Studium einen größeren Stellenwert einnehmen und auch in Prüfungen abgefragt werden. Theoretische und klinische Inhalte sollen stärker miteinander verknüpft werden, um den medizinischen Nachwuchs so gut wie möglich auf die Arbeit in den Praxen vorzubereiten. Außerdem sollen Lehrpraxen eine wichtigere Rolle als bisher spielen.

Darüber hinaus soll das Fach Allgemeinmedizin an den Hochschulen gestärkt werden. „Die Allgemeinmedizin muss in der Ausbildung den Stellenwert erhalten, der ihr in der Versorgung zukommt“, heißt es in dem Masterplan. Deshalb sollen Studierende im Examen verpflichtend im Fach Allgemeinmedizin geprüft werden. Außerdem sollen regelmäßig wiederkehrende Hospitationen in allgemeinärztlichen Praxen verpflichtend werden. Ferner fordert das Papier, an den Hochschulen eigene Lehrstühle für Allgemeinmedizin einzurichten sowie mehr Geld für die Forschung in diesem Bereich bereitzustellen.

Einen besonders umstrittenen Punkt allerdings klammert das Papier aus: die Schaffung zusätzlicher Studienplätze. „Der Masterplan verzichtet zum gegenwärtigen Zeitpunkt darauf, die Forderung nach genereller Erhöhung der Studienplatzkapazität aufzugreifen“, heißt es. Stattdessen sollen die Auswirkungen entsprechender Aktivitäten der Länder überprüft werden.

Von Jörg Köpke und Andreas Niesmann

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