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Politik China: Xiaobos Witwe in Deutschland angekommen
Nachrichten Politik China: Xiaobos Witwe in Deutschland angekommen
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20:16 10.07.2018
Pure Erleichterung: Liu Xia, Witwe von Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo, nach ihrer Zwischenlandung am finnischen Hauptstadt-Flughafen Helsinki. Quelle: dpa
Berlin

Nach acht Jahren unter Hauarrest haben die chinesischen Behörden der Witwe des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo die Ausreise nach Deutschland erlaubt. Liu Xia landete am Dienstag in Berlin. Das Außenministerium in Peking bestätigte, Liu Xia solle auf eigenen Wunsch in Deutschland medizinisch behandelt werden. Menschenrechtler reagierten unterschiedlich.

Westliche Regierungen und Aktivisten hatten seit Jahren auf Liu Xias Freilassung gepocht. Sie verwiesen darauf, dass sie nie wegen eines Verbrechens angeklagt worden sei. Die chinesischen Behörden weigerten sich aber bislang, über Liu Xias Hausarrest zu diskutieren. Ihr Haus in Peking wurde rund um die Uhr überwacht. Darüber hinaus wurde ihr Zugang zum Internet und zur Außenwelt beschränkt.

Ein neues Leben beginnen

Ihr Bruder Liu Hui schrieb in einem sozialen Netzwerk, sie wolle ein neues Leben beginnen. „Danke an jeden, der ihr geholfen und sich in diesen paar Jahren um sie gesorgt hat. Ich hoffe, dass ihr Leben von jetzt an friedlich und glücklich ist.“ Gao Yu, eine Freundin der Familie und in Peking ansässige chinesische Journalistin, sagte der Nachrichtenagentur AP, dass Liu Xia nach Berlin wolle.

Liu war 2010 in Hausarrest gekommen, nachdem das Nobelkomitee in Norwegen ihrem inhaftierten Mann zum Ärger der chinesischen Führung den Friedensnobelpreis zugesprochen hatte. Ein Jahr zuvor war Liu Xiaobo wegen Anstiftung zum Umsturz der Staatsmacht zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Im Juli 2017 starb er in Gewahrsam an Leberkrebs.

Sein Tod befeuerte internationale Forderungen nach einer Freilassung von Liu Xia, einer Künstlerin und Dichterin, die ihrem Mann nur zögernd in die Politik gefolgt war. In der Isolation bekam sie nach Angaben von Freunden zunehmend psychische Probleme, insbesondere nach dem Tod ihres Mannes.

Merkel brachte das Thema zur Sprache

Die Ausreise erfolgte zu einem Zeitpunkt, an dem sich der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang zu einem Besuch in Deutschland befand. Die Bundesregierung hatte im Mai erklärt, sie würde Liu Xia im Land willkommen heißen. Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft sich bei ihren Chinabesuchen regelmäßig mit Dissidenten und hatte das Thema Liu Xia bei ihrer Visite im Mai zur Sprache gebracht, wie Personen mitteilten, die mit dem Fall vertraut sind.

Liu Xia landete zunächst in Helsinki, wo sie sich freudestrahlend ablichten ließ. Auf einem Foto ist zu sehen, wie Liu ihre Arme ausbreitet und strahlend lächelt.

Die Menschenrechtsgruppe Amnesty International wertete die Ausreise Liu Xias als Folge internationalen Drucks. Sie sei ein wichtiges Beispiel in einer Zeit, in der viele glaubten, solche Fragen seien unwichtig, sagte der China-Experte der Organisation Patrick Poon.

Dagegen wertete die Menschenrechtsexpertin Frances Eve die Ausreise Liu Xias als „billigen Erfolg“ für China. Die Regierung habe den Eindruck erweckt, China sei ein Rechtsstaat, dabei zeige alles in dem Fall, dass dies nicht zutreffe.

Von RND/AP