3 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Datenschützer wollen weitere Änderungen am Meldegesetz

Datenschutz Datenschützer wollen weitere Änderungen am Meldegesetz

Die Angst vor wildem Datenhandel ist ungebrochen: Das umstrittene Meldegesetz ist zwar vorerst gestoppt und soll nachgebessert werden. Datenschützern reichen die geplanten Änderungen aber nicht aus.

Voriger Artikel
Reiche werden trotz Finanzkrise immer reicher
Nächster Artikel
Debatte über Aufführungsverbot für Schmähvideo hält an

Bürger protestieren vor dem Bundesrat in Berlin gegen die aktuelle Fassung des Melderechts und die Weitergabe von Meldedaten.

Quelle: Wolfgang Kumm/Archiv

Berlin. Sie warnen vor faulen Kompromissen.

Bei den Vorschlägen gebe es Lücken, sagte der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Gerd Billen, am Dienstag in Berlin. Ein Bündnis des Verbraucherschutzverbands und verschiedener Datenschutzorganisationen verlangt unter anderem, dass Bürger direkt beim Meldeamt erklären sollen, wenn sie mit der Weitergabe ihrer Daten einverstanden sind. Bislang sei vorgesehen, dass auch Unternehmen diese Einwilligung einholen können. Am Freitag ist das Gesetz Thema im Bundesrat.

Die Ursprungsfassung des Meldegesetzes war auf heftigen Widerstand gestoßen. Demnach hätten Meldeämter Namen und Adressen ohne ausdrückliche Einwilligung der Bürger zu Werbezwecken an Firmen weitergeben dürfen. Datenschützer hatten vor ungehindertem Adresshandel gewarnt und gegen die Pläne protestiert.

Das neue Meldegesetz soll einheitliche Regeln für den Umgang mit Bürgerdaten in den Meldeämtern schaffen. Bislang sind die Details den Ländern überlassen. Der Bundestag hatte das neue Gesetz Ende Juni auf den Weg gebracht, damit aber große Empörung ausgelöst. An der Abstimmung während des Halbfinalspiels der Fußball-EM zwischen Deutschland und Italien hatten sich damals nur wenige Abgeordnete beteiligt.

Inzwischen ist das Vorhaben gestoppt: Der Innenausschuss des Bundesrates plädierte vor einigen Tagen dafür, dass der Vermittlungsausschuss von Länderkammer und Bundestag sich den Entwurf noch einmal vornimmt und korrigiert. Der Bundesrat soll das nun in seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause offiziell beschließen.

Billen begrüßte, dass die Ursprungspläne überarbeitet werden. Die geplanten Änderungen seien aber noch immer nicht akzeptabel. Bürger müssten ihr Einverständnis zur Datenweitergabe direkt beim Meldeamt erklären, verlangte er. Nur das biete Schutz. Bei Unternehmen passiere es dagegen immer wieder, dass sich eine Firma eine solche Einwilligung im Kleingedruckten erschleiche.

Das Kampagnennetzwerk Campact warnte, die Meldeämter wären auch schlicht überfordert, wenn sie die Einwilligungserklärungen von Unternehmen noch einmal auf Echtheit überprüfen müssten. "Beim Datenschutz darf es keine Kompromisse geben", mahnte Susanne Jacoby von Campact. "Deshalb brauchen wir ein strenges Meldegesetz."

Die Deutsche Vereinigung für Datenschutz und der Datenschutzverein FoeBuD forderten Nachbesserungen auch an anderer Stelle: Sie wollen ebenso die Meldepflicht in Hotels kippen und sich davon verabschieden, dass Bürger eine Bescheinigung ihres Vermieters vorlegen müssen, wenn sie sich bei der Stadt anmelden. Beide Regelungen seien in ihrer Zweckmäßigkeit fraglich und unnötig.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Politik 2/3