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Politik Diskussion um Frauenquote neu enflammt
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09:01 18.04.2018
Von Christian Hiersemenzel
In der Landtagsfraktion sind aktuell gerade mal vier der 25 CDU-Abgeordneten Frauen. Quelle: dpa
Kiel

„Ich habe meine Meinung inzwischen geändert. Nur: Eine Quote zu fordern, hört sich toll an, verändert aber de facto an der Zusammensetzung unserer Fraktion nichts. Wer Veränderungen will, muss es von vorne vorleben.“

In der Landtagsfraktion sind aktuell gerade mal vier der 25 CDU-Abgeordneten Frauen. Da die CDU im ländlichen Raum ihre Wahlkreise meist direkt gewinnt, zieht die Landesliste nicht. Günther wies darauf hin, dass Frauenförderung eine Führungsaufgabe sei, der er sich verpflichtet fühle. „Will man etwas verändern, muss man dort, wo in absehbarer Zeit ein Wahlkreis frei wird, Überzeugungsarbeit zugunsten von Frauen leisten.“

In der politischen Mitte wählbar sein

Unterstützung erhält Günther von Katja Rathje-Hoffmann. Die Norderstedterin ist nicht nur Chefin der Frauen-Union, sondern auch Fraktions-Vize. „Nur Freiwilligkeit alleine führt bei der paritätischen Besetzung von Ämtern und Mandaten nicht dauerhaft und nachhaltig zum Erfolg“, sagte sie. Für einen Erneuerungsimpuls, wie ihn Günther jetzt sende, sei es höchste Zeit. „Das Potenzial von Frauen brachliegen zu lassen, schadet sowohl dem Land als auch der CDU. Es geht darum, in der politischen Mitte wählbar zu sein.“ Mentoring-Programme seien in den vergangenen Jahren nur mäßig erfolgreich gewesen, bedauerte sie. „Fit für die Politik wird man durch politische Praxis, durch Erfolg und manche Niederlage und den Gang durch die Institutionen. Gemeindevertretungen sind Trainingslager.“

Ein Blick in die 15 Kreise und kreisfreien Städte zeigt: Von Günthers Anspruch, dass Frauen die Hälfte der Mandate besetzen sollen, ist die Union auf Gemeindeebene noch weit entfernt. „Man muss Frauen Flexibilität zugestehen und kann Sitzungen durchaus zügig und straff gestalten“, forderte die Lübecker Abgeordnete Anette Röttger. „Man muss sich nicht immer zeitraubend treffen.“ Durch die neuen Medien gebe es genügend Möglichkeiten, auch zu Hause zu arbeiten und sich nebenbei um Kinder oder pflegebedürftige Eltern zu kümmern.

Frauen gezielt ansprechen

Auch Andrea Tschacher, Abgeordnete aus dem Herzogtum Lauenburg, kündigte ihre Unterstützung in Sachen Frauenpolitik an. „Ich möchte gern meinen Beitrag dazu leisten, Frauen gezielt anzusprechen und für politisches Engagement zu begeistern.“ Förderung sei wichtig, das wisse sie aus eigener Erfahrung. Bei aller Skepsis gegenüber einer Quote – die Union brauche vor allem mehr Direktkandidatinnen.

Erklärte Quotengegnerin ist die Abgeordnete Barbara Ostmeier. „Politik ist doch kein Laufsteg. Wenn der Mann besser ist als die Frau, muss er gewählt werden dürfen.“ Unabhängig davon sei es wichtig, Nachwuchspolitikerinnen gezielt zu fördern. „Frauen machen Karriere, wenn sie wissen, was mit ihren Kindern passiert.“ Dass Männer auf vordere Listenplätze gesetzt werden müssten, weil sie regelmäßiger an Fraktionssitzungen teilnehmen, sei ein Argument, das sie in ihrer Partei nicht mehr hören wolle. Kritik gegen Parteichef Günther äußerte die Pinnebergerin auch: Wenn nicht nur der Posten des MP und Parteichefs männlich besetzt sei, sondern auch der des Landtagspräsidenten, des Fraktionschefs und des Parlamentarischen Geschäftsführers, finde sie das bemerkenswert. „Hätte man auch anders machen können.“

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