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Politik Ein Bayer für Europa - und viele Bayern bei den „Saupreißn”
Nachrichten Politik Ein Bayer für Europa - und viele Bayern bei den „Saupreißn”
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17:08 05.09.2018
Weber kündigte seine Kandidatur auf Twitter an. Es dürfe kein „weiter so“ geben. Er gehe nun um das Überleben des „europäischen Lebensstils“. Quelle: AP
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Brüssel/Neuhardenberg

„Ich möchte die Verbindung zwischen den Menschen und der EU erneuern”, hatte Manfred Weber am Morgen um 10.18 Uhr getwittert, und formulierte damit seinen Machtanspruch. Der 46-jährige Niederbayer will Nachfolger von Jean-Claude Juncker werden - erst als Spitzenkandidat der Europäischen Volkspartei (EVP) für die Europawahl 2019, dann als Chef der EU-Kommission.

Als Weber am Vormittag in Brüssel vor der EVP-Fraktion die Spekulationen über seine Ambitionen nun auch offiziell beendet, sind die 46 Bundestagsabgeordneten gerade auf dem Weg nach Neuhardenberg in Brandenburg - dorthin, wo der bayerische Volksmund die „Saupreißn” wähnt. Am Vorabend hatte Weber seine Kandidatur in einer Telefonschalte des CSU-Präsidiums angekündigt - sehr kurzfristig.

Natürlich sind sie bei den Christsozialen froh, dass einer von ihnen den Top-Job in Brüssel bekommen könnte. Anders als Edmund Stoiber, der das Amt mal angeboten bekam, aber dankend ablehnte, geht Weber aufs Ganze.

Dobrindt spricht von einer „tollen Chance“

Wen man auch fragt bei der CSU in Neuhardenberg, es gibt jede Menge Respekt und Lob für den Kandidaten. Es sei keinesfalls selbstverständlich, auf internationaler Ebene einen solchen Posten übernehmen zu können, sagt etwa Landesgruppenchef Alexander Dobrindt. „Eine tolle Chance für die CSU”, reagiert Ministerpräsident Markus Söder, der für den Abstecher nach Brandenburg seine Wahlkampfaktivitäten in Bayern kurzzeitig unterbrochen hatte.

Weber gilt bei den Christsozialen als Wertkonservativer. Manche nennen ihn auch einen Liberalen. Die zum Teil euro- und europakritische Aufstellung der CSU im letzten Europawahlkampf 2014 war im zuwider gewesen. Im Unionsstreit um die Asylpolitik vor der Sommerpause war es Weber gewesen, der intern zur Mäßigung aufrief und die Ergebnisse, die Angela Merkel beim Sondergipfel in Brüssel erzielte, auch öffentlich für gut befand und verteidigt. Nicht wenige in der CSU sagen, genau deshalb habe er inzwischen die Unterstützung der Kanzlerin für seine Kandidatur.

Das Bangen um die Mehrheit der CSU bei der Landtagswahl

Tatsächlich lenkt die Personalie in Brüssel nun ab von der Klausur im strahlend weißen Schloss von Neuhardenburg. Die hatte Schub bringen sollen für die heiße Phase des Bayern-Wahlkampfs. Dort deutet beinahe alles darauf hin, dass die CSU zum zweiten Mal nach 2008 ihre absolute Mehrheit in Bayern verliert.

Fahnen mit dem Parteilogo der CSU wehen zum Auftakt der Sommerklausur der CSU im Bundestag vor dem Schloss Neuhardenberg. Quelle: dpa

Die Kandidatur bringt die sorgfältige Klausur-Inszenierung mit Söder, Innenminister Horst Seehofer und US-Botschafter Richard Grenell durcheinander.

Ob man unglücklich sei über den Zeitpunkt von Webers Erklärung? Das sei dem Terminplan in Brüssel geschuldet, schließlich habe die EVP-Fraktion an diesem Mittwoch zum ersten Mal nach der Sommerpause getagt, heißt es aus Teilnehmerkreisen in Neuhardenberg. Da habe Weber Klarheit schaffen müssen. Die CSU gebe eben europapolitisch den Ton an.

Von Rasmus Buchsteiner/RND

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