Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Politik „Eine Politik der Zuversicht, des Vertrauens und des Mutes“
Nachrichten Politik „Eine Politik der Zuversicht, des Vertrauens und des Mutes“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:01 13.07.2018
Verena Bentele (36), Präsidentin des Sozialverbands VdK und zwölffache Paralympics-Siegerin im Biathlon und Skilanglauf. Quelle: dpa
Berlin

Frau Bentele, seit Mai sind Sie Präsidentin des VdK. Das ist der größte deutsche Sozialverband, aber bei weitem nicht der lauteste.

Das werden wir ändern. Wir haben knapp 1,9 Millionen Mitglieder und sind für alle da. Für Menschen mit Behinderung, für Rentnerinnen und Rentner, für Menschen, die keinen bezahlbaren Wohnraum finden, für Menschen, die Pflegebedarf haben oder Angehörige pflegen. Manche Menschen halten uns für einen Verband für ältere Menschen und finden, dass wir etwas Staub angesetzt haben. Das stimmt so überhaupt nicht und das wollen wir auch nach außen demonstrieren.

Soziale Themen haben es zurzeit schwer in Deutschland – stattdessen wird ununterbrochen über Migration und Flucht debattiert. Wie wollen Sie das ändern?

Ich hätte gerne wieder eine Politik der Zuversicht, des Vertrauens und des Mutes. Es gibt so vieles, worum diese Regierung sich kümmern muss. Ganz oben müssten Themen wie bezahlbarer Wohnraum für alle stehen.

Gerade hat Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) einen „Rentenpakt“ vorgestellt. Er will ein Rentenniveau von 48 Prozent sichern.. Sie fordern ein Rentenniveau von mindestens 50 Prozent. Dass das Milliarden kostet, wissen Sie auch. Wer soll das finanzieren?

Uns sollte die Lebensleistung der Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet haben, wichtig genug sein, dass wir als Gesellschaft uns das leisten können und wollen. Das ist eine andere Sicht auf das Thema als immer nur zu warnen, dass die Rente für den Staat zu teuer und für die Rentner trotzdem zu niedrig wird.

Gesetzliche Rente ist das einzige Modell für alle

Fast jede zweite Rente wird weniger als 800 Euro monatlich betragen. Was muss gegen Altersarmut unternommen werden?

Das ist ein Riesenproblem. Wer heute den Mindestlohn bekommt, wird eine Rente haben, die nicht über der Grundsicherung liegt. Sogar im prosperierenden Bayern ist jede vierte Frau von Altersarmut bedroht. Wir haben einen konkreten Vorschlag: In der Grundsicherung gibt es einen Freibetrag für die betriebliche und die private Altersvorsorge, aber nicht für die gesetzliche Rentenversicherung. Die erste Säule der Altersvorsorge muss hier gleichgestellt werden. Die gesetzliche Rente muss gestärkt werden, das ist das einzige Modell, auf das alle Menschen Zugriff haben. Das Renteneintrittsalter darf außerdem nicht weiter erhöht werden.

Ist es gerecht, dass die Mütterrente zwar ausgeweitet wird, aber erst ab dem dritten Kind gilt?

Ich bin strikt dagegen. Ich finde nicht, dass der Staat vorschreiben kann, wie viele Kinder jemand bekommen sollte – und ab wann das bei der Rente zählt. Jede Mutter, jeder Vater, die in Deutschland Kinder aufgezogen haben, sollte dafür einen Rentenpunkt bekommen.

Minister Heil deutet zumindest vage an, „den sozialen Schutz von Selbstständigen verbessern und sie in den Schutz der Rentenversicherung einbeziehen“ zu wollen? Sie wollen, das alle einzahlen. Ist das der erste Schritt in die richtige Richtung?

Ja, das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Selbstständige ohne adäquate Absicherung sollten dabei zunächst in berufsständischen Versorgungswerken in die Versicherungspflicht zur gesetzlichen Rentenversicherung ohne Befreiungsmöglichkeit einbezogen werden. Lediglich ein Viertel der Solo-Selbstständigen ist bisher in ein obligatorisches System der Altersvorsorge einbezogen. Die Hälfte der ehemals Selbstständigen hat nur ein Alterseinkommen unter 1000 Euro. Von den Ruheständlern, die auf Grundsicherung angewiesen sind, sind circa 17 Prozent ehemals Selbstständige. Für Selbstständige mit unzulänglicher Absicherung vor Altersarmut muss letztendlich die Allgemeinheit über die Grundsicherung im Alter und die Sozialhilfe aufkommen. Auch dies gilt es zu verhindern.

Auch die AfD – und dort besonders die extreme Rechte – will mit Rentenversprechen und Sozialthemen punkten. Was sagen Sie dazu?

Die AfD ist keine Partei der sozialen Gerechtigkeit, sie schließt vor allem immer Menschen aus ihren Forderungen aus, weil sie zum Beispiel nicht hier geboren wurden. Wir müssen die Tonart ändern, in der wir über soziale Fragen sprechen. Nicht in Moll, sondern in Dur. Damit meine ich: Wir dürfen keine Gruppen gegeneinander ausspielen, sondern wir müssen konstruktiv gemeinsam an Möglichkeiten arbeiten, wie wir Menschen unterstützen können. Die Würde jedes Menschen ist unantastbar. Niemand darf benachteiligt werden. Leider werden soziale Themen allzu oft mit Angst verbunden. Es wird Angst geschürt vor zu vielen Menschen, die nicht von hier sind. Angst vor sozialem Abstieg, vor dem Abgehängt sein. Wir müssen diese Debatte aber konstruktiv führen und mit Achtung vor allen Menschen.

Von Jan Sternberg/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Schwimmbäder haben bei sommerlichen Temperaturen Hochkonjunktur. Viele sind allerdings sanierungsbedürftig. Die Verantwortung tragen die Kommunen. Der Bund hilft nun bei 12 Bädern. Insgesamt gibt es bundesweit rund 4700. Im vergangenen Jahr schlossen bundesweit 62 Bäder.

13.07.2018

US-Präsident Donald Trump ist für vier Tage zu Besuch in Großbritannien. Nach anfänglicher Kritik ist bei seinem Treffen mit der britischen Premierministerin Theresa May von Feindseligkeit keine Spur mehr. Vielmehr betonen beide die enge Bindung der Länder. Auch beim Tee mit der Queen geht es harmonisch zu.

13.07.2018

In der SPD formiert sich Widerstand gegen Pläne in der Union, auf Drängen von US-Präsident Donald Trump die Ausgaben für Verteidigung schneller als bisher geplant zu steigern.

13.07.2018